
Warum die Rückkehr ins Büro nur eine Scheinlösung ist: Homeoffice senkt die Produktivität nicht – wenn doch, dann liegt das Problem oft auf Firmenseite
by linknewtab

Warum die Rückkehr ins Büro nur eine Scheinlösung ist: Homeoffice senkt die Produktivität nicht – wenn doch, dann liegt das Problem oft auf Firmenseite
by linknewtab
9 comments
Wir könnten ja allen Angestellten, die im Homeoffice arbeiten wollen, ein Poster mitgeben, auf dem der Chef mit verschränkten Armen auf den Angestellten herabblickt. Auf dem Poster steht: “Ich bin dein Chef, dein König, dein Gott. Ich gebe die Anweisungen. Mein Wort ist Gesetz! Ich überwache dich! Ich kontrolliere dich! Nur so bist du produktiv! Vergiss das niemals!”
So ist der Chef beruhigt, weil die Knechtschaft über seine Überlegenheit Bescheid weiß und die Angestellten können produktiv weiterarbeiten bzw. sich eine angenehmere Work-Life-Balance schaffen.
(Life Hack: Wie Homer Simpsons können die Angestellten das Poster mit Familienfotos überkleben.)
Empirie interessiert nach meiner Beobachtung bei der ganzen Homeoffice-Debatte nicht wirklich. Ich sehe fünf Faktoren die das Scheitern bestimmen, die ich jetzt einfach mal als plumbe Behauptung in den Raum stelle:
a.) Machtausübung: So manche Führungskraft findet es halt geil wenn andere eben das tun müssen was sie sagen, daher macht man gerne mal aus Prinzip Dinge die allein der Machtdemonstration dienen.
b.) Mangelndes Vertrauen / Überwachung / Selbstüberschätzung: So manche Führungskräfte meinen der ganze Laden bzw. die Abteilung läuft ja nur, weil sie da sind und dafür sorgen dass die Arbeit erledigt wird. Wenn man auf einmal gelangweilt Zuhause sitzt und rein faktisch irgendwelche KPI betrachtet und bemerkt, dass das trotzdem läuft, sieht man halt seine eigene Position in gefahr.
c.) Genugtuung: Wenn ich im Büro (oder sonst wo) sein muss, sollen andere halt auch ins Büro fahren müssen. Kann ja nicht sein, dass nur ich der Depp bin.
d.) Ersatz für Soziales: Nicht wenige in Führungspositionen opfern oder opferten halt viel ihrere (Frei-)Zeit um genau da hinzukommen wo sie sind. Ihnen macht die Arbeit spaß und zu einem gewissen Teil ersetzt damit die Arbeit auch die soziale Interaktion. Solche Menschen sind dann plötzlich ganz alleine.
e.) Asset-Pflege: So wie Bahnschienen regelmäßig befahren werden müssen um sie Einsatzfähig zu halten muss halt das Bürogebäude befüllt sein, damit es seinen Wert behält. Oft sind es auch Prestige-Projekte deren Sinnhaftigkeit dann durch Nichtnutzung definitiv in Frage gestellt wird.
Sprich: Nach meinen Beobachtung ist das hauptsächlich ein emotionales anstatt rationales Thema. Immerhin eine Chance dafür, dass der Markt das regelt und gerade jüngere (im Sinne von Existenz, nicht Altersschnitt der Belegschaft) Unternehmungen hier ihre Attraktivität für viele massiv steigern können.
[deleted]
Wenn ich Zeit vertrödeln will geht das auch problemlos im Büro. Meinungsaustausch mit Kollegen oder einfach mal einen Frog machen….
Kann da nur aus eigener Erfahrung sprechen. Im homeoffice bin ich letztlich deutlich effektiver, weil niemand jns Büro kommt und man nicht dauerhaft durch irgendeinen Schnack unterbrochen wird. Da ist es dann konzentrierteres Arbeiten, zwischendurch mal paar Minuten aufstehen und strecken oder ein neues Wasser machen oder Essen in den Ofen schieben.
Hab es mal zeitlich bei nem 7h Tag, verglichen und kam letztlich bei der wirklich effektiv konzentrierten Arbeitszeit im Home Office auf mindestens eine Stunde mehr
Nein das ist ja wirklich komisch. Also das ist aber wirklich komisch..
Solche Artikel verfehlen immer einen ganz essentiellen Punkt: Alle Firmen die jetzt ein Return-To-Office machen, machen das nicht weil sie denken das sei irgendwie produktiver. In vielen Branchen will man gerade massiv Belegschaft abbauen, und dabei natürlich Kündigungen vermeiden. Die Arbeitsplatzqualität langsam zu reduzieren bis genug gekündigt haben war schon immer eine beliebige Strategie, und zur zeit ist halt “Return to Office”-Ansagen der Renner für diese Strategie.
Das Recht auf HO war bei den Arbeitnehmern flächendeckend beliebt, ist offensichtlich keine schwere Last für Unternehmen, könnte durch Reduktion von Arbeitswegen die Klima- und Umweltverschmutzung reduzieren und mit entsprechenden Regelungen den deutschen Arbeitsmarkt für internationale Arbeitskräfte öffnen, die völlig remote arbeiten.
Es ist unverzeihlich, dass ein grüner Wirtschaftsminister, eine grüne Umweltministerin und ein roter Arbeitsminister hier politisch nie irgendeine signifikante Regelung auf die Beine gestellt und durchgepeitscht haben.
Meine Effizienz ist im Büro meilenweit über der im Homeoffice. Nicht, weil ich **meine** Arbeit schneller erledige. Die ist bei beidem gleich schnell erledigt und das passt auch ganz gut.
Aber wenn ich nicht an meiner eigenen Arbeit hänge, helfe ich im Büro Kollegen, im Homeoffice gucke ich YouTube Videos. Außerdem darf man die sozialen Kontakte nicht unterschätzen, im Büro finde ich’s allgemein viel angenehmer.
Das gilt aber natürlich nicht für alle. Mir persönlich würde es **extrem** gegen den Strich gehen, wenn mein AG die Homeoffice Erlaubnis aufgeben würde. Viele meiner Kollegen sind fast nur im HO, andere wie ich fast 100% im Büro. Und der Mix klappt so sehr gut. Wenn alle 100% im Büro wären hätten wir auch ein ganz anderes Problem, weil wir nur 6 Schreibtische für 11 Leute in der Abteilung haben