Schule: Hölle Referendariat – so werden die Lehrer von morgen vergrault

by Instrumentenmayo

30 comments
  1. Es gibt in meinem Schulbezirk extra eine Internetseite, wo die Refs ihre Qualen darlegen und schreiben, wie sehr sie gemobbt wurden von ihren Betreuern.

    ref-stimmen.de

  2. Interessant finde ich, dass in dem Artikel wieder einmal Oldenburg als Seminarstandort negativ hervorgehoben wird. Schaut man sich in diversen Foreneinträgen der letzten mindestens 10 Jahre um, dann wird immer vor Oldenburg gewarnt.

    Ich selber stehe erst kurz vor dem Ref und kenne solche Geschichten aus den für mich infrage kommenden Seminaren in NRW nicht und habe zumindest im Praxissemester eher gute Erfahrungen mit den Fachleitern meines ZfsL gemacht.

  3. Ein Kumpel macht grade sein Ref als Quereinsteiger an einer Berufsschule. Gelernter Handwerksmeister mit Fachstudium. Letztlich berichtet er genau von dem, was im Artikel ebschrieben wird.

  4. Kann ich nur bestätigen von Freunden die in den letzten Jahren ihr Ref gemacht haben. So wird das nichts mehr mit unserer Bildung.

  5. Irgendwas läuft in unserem System definitiv falsch, wenn es zur Normalität geworden ist, dass jeder Angst vor der Zeit hat und jeder der sie hinter sich hat, berichtet, dass es die Hölle war.

    An jeder letzten Dorfschule, die sich glücklich schätzen kann, dass da überhaupt jemand arbeitet, werden im Ref Maßstäbe gesetzt, als wäre man bald Professor in Harvard.

  6. Bin so froh in Bremen das Ref gemacht zu haben. Bremen ist kacke, aber das Ref läuft hier echt fair, gerecht und UNTERSTÜTZEND.

    Im Stuidum hat man uns noch erzählt wie Stolz man in Verden auf seine Selbstmordquote bei den Refs sei… Duuuude

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    Edit: Zur Sicherheit ^^ Das sind BEHAUPTUNGEN die wir in Göttingen im Studium gehört haben. Das wird sicherlich nicht so stimmen. Aber es wurde halt nicht ohne Grund erzählt….

  7. Grundsätzlich ist es gut die zukünftigen Beamten zu prüfen bevor sie Beamte werden. Der Beamtenstatus ist ein Privileg den man sich erarbeiten muss. Immerhin werden die Lehrer ihr Leben lang auf Schüler los gelassen und sind fast unkündbar.
    Aber natürlich kann man darüber streiten ob das Referendariat nicht etwas in die Jahre gekommen ist und die Bewertung menschlicher ablaufen sollte. Bei den Schülern hat man die Rute ja auch abgeschafft.
    Von meinen Lehrerfreunden habe ich solche negativen Erfahrungen aber nicht gehört. Ja es ist anspruchsvoll und jeder klagt über viel Arbeit, aber psychisch belastend war es für die nicht.

  8. Ich stehe kurz vor dem Ref in NRW und hab schon ein bisschen Bammel. Bereits im Praxissemester war deutlich wie der Hase läuft, obwohl man dort nicht einmal benotet wird. Aber ich habe mich auf einmal wieder gefühlt als sei ich selbst Schülerin und keine erwachsene Frau. Es ist mir nichts besonders blödes passiert, aber Freunde von mir hatten teils keine gute Zeit. Lag aber auch an den Kollegien, die teilweise auch schwierig sein können. Ich lasse mich mal überraschen, wo ich lande.

  9. Vermutlich wäre es gut sich von diesem unkündbaren Beamtenstatus frei zu machen. Dann könnte man das Referendariat entspannter machen und müsste da nicht mehr aussieben. Wenn sich dann während der eigentlichen Arbeit zeigt, dass man nicht geeignet ist, dann kündigt man den Leuten einfach. Wie überall sonst auch. Wäre sicherlich für einen Großteil der Betroffenen die bedeutend bessere Lösung.

    Wobei die Einarbeitungszeit in vielen Berufen nicht besonders dolle ist. Könnte man für alle sicherlich besser machen.

  10. Für mich steht das Ref im nächsten Jahr an. In unserem Didaktikseminar haben wir auch schon über unsere diesbezüglichen Sorgen gesprochen und selbst unser (noch recht junger) Prof sagt, dass die Unterrichtsbesuche eher ein Schauspiel sind, in denen es einzig darum geht, es den Prüfenden recht zu machen.

    Auch in meinem persönlichen Umkreis sind bereits Personen im Ref, die die im Artikel geschilderten Situationen bestätigt haben. Es ist unglaublich, wie einem fünf Jahre “professionelles LehrerInnenverhalen” beigebracht wird, nur damit man scheinbar es mit dem genauen Gegenteil zu tun kriegt.

    Eine Lehrkraft hat mir davon berichtet, dass ein sozial nicht tragbarer Kollege (natürlich verbeamtet) aufgrund seines Fehlverhaltens versetzt wurde und nicht mehr mit SchülerInnen arbeiten sollte. Stattdessen haben sie ihn in die LehrerInnenausbildung gesteckt, das ist wohl dieses “Hoch- oder Wegbefördern”.

    Wenn die Bildungspolitik in Deutschland eine Ruine ist, dann ist die LehrerInnenausbildung im Ref der darunter liegende Folterkeller.

  11. Wenn ich nur von meiner Frau höre, dass sie da an den diversen Prüfungsterminen Getränke und Buffet für alle aus eigener Tasche bezahlen muss platzt mir schon die Hutschnur.

  12. Liegt aber auch daran, dass im Studium jeder mehr oder weniger tun und lassen kann was er grade möchte. Da ist die Arbeitswelt dann natürlich erstmal ein Schock.

    Ich denke auch, die Lehrerausbildung sollte nicht von den Universitäten sondern speziell darauf ausgerichteten Berufsschulen geleistet werden. Die meisten Lehrer stehen eh im Staatsdienst, da kann der Staat auch mehr Kontrolle über die Ausbildung übernehmen.

  13. Meine Frau hat grad die Studienrichtung Grundschullehramt verlassen weil sie mit der Mathe Vorlesung nicht klar kommt. Diese fand ich selbst als Ingenieur Anspruchsvoll.

    Aber wenn man eben scheinbar in der Grundschule demnächst beweise über die Symmetrie von N über K führen soll, hat man sich bei Pisa wohl viel vorgenommen.

  14. Mein Onkel wollte als Quereinsteiger ins Lehramt, hatte eine gute Ausbildung mit Bachelor und Master in Wirtschaft. Nun, er wurde so schlecht behandelt vom Betreuer, dass er wieder als Arbeiter in der freien Wirtschaft anfangen wird.

  15. Lehrer lassen ihren Frust hauptsächlich an ihren Kollegen aus und “Willkür” ist in der Schule ohnehin normal.

    Wer sich mehr anstrengt als die anderen: Bekommt auf die Fresse. Das gilt auch für Refrendare.

  16. Wundert mich nicht. Das System befördert die Lehrer und Lehrereinen ins Schulamt und macht sie zu Ausbildern und Entscheidungsträgerinnen, die in der Schule selbst nicht klar kommen. Das gute alte wegloben. Gibt leider viel zu viele Fälle.

  17. Die Dänen machen das schon ziemlich gut, da ist es kein klassisches Studium an der Universität / Forschung etc. sondern ein Professionsbachelor, eine Symbiose aus Ausbildung und Studium, sehr praxisorientiert mit mehreren einzelnen Praktika anstatt diesem Referendariat wo man dann auch noch sehr deutsch abgestempelt und bewertet wird und das ohne viel vorherige Praxiserfahrung für viele, im dänsichen eher sehr ans pädagogische angelehnt.

    Was für mich auch viel mehr Sinn ergibt. Hat natürlich alles seine Vor und Nachteile – kein System ist perfekt, aber insbesondere für das Grundschullehramt fände ich wäre das auch sehr interessant für Deutschland.

  18. Was dem Artikel noch gut zu Gesicht stünde, wäre ein Hinweis auf die finanzielle Lage während des Refs. Wir haben zu Beginn teils drei Monate lang nur Abschlagszahlungen erhalten, die nicht einmal die Miete gedeckt haben.
    Zu uns hieß es, dass sei in BW teils normal.

  19. Was hier völlig unerwähnt bleibt: Es gibt viel, viel zu wenige Referendariatsplätze.

  20. Das Ref ist wie so einige andere Situationen im Landesdienst schlicht das perfekte Rezept für die gezeigten und einige ungezeigte Probleme.

    Eine definierte Zeitspanne mit extrem hohem Druck, steilem Machtgefälle fokussiert auf einen singulären Entscheider, einem Mangel von objektiv überprüf- und erfüllbarer Qualitätskriterien, und eine “Erlösung” in Form des Endes mit Verbeamtung, die die Leidensfähigkeit hochschraubt.

    Das kann nur in den geschilderten Situationen enden.

  21. In vielen Teilsystemen nisten sich diese kleinen Monster ein, institutionalisierte Denk- und Handlungsweisen, die nicht hinterfragt werden und sich reproduzieren. Aufrechterhalten durch Menschen, denen Macht gegeben wird. Wichtigster Faktor ist meiner Meinung nach, dass diesen Leuten nicht gesagt wird, AUCH DU HAST KEINE AHNUNG! Verantwortliche reflektieren nicht, ihr Wissen selbst wird nicht infrage gestellt. Sie denken, dass sie ein so komplexes System beherrschen. Was ist dieses System? Gruppenbezogene Prozesse in dem entwicklungsfähige junge Menschen sind, mit ihren soziologischen, psychologischen und sozio-psychologischen Merkmalen. Dies in Wechselwirkung mit einem System der Lehrer-Lehre, welche selbst aus einem anderen System kommen und ähnliche Prozesse aufweisen. Und dann kommen 1-3 Menschen, die Verantwortung über diesen ganzen Prozess haben und sagen Dinge wie “freundlich sein können Sie an der Grundschule, wir sind hier am Gymnasium”. Leute in einer Schule haben Angst um ihren Status. Der Lehrerberuf unterliegt einem ständigen Angriff auf das Selbstbewusstsein. Man weiß nicht so recht, bin ich als Lehrer statusreich oder nicht. Das System Schule kämpft ständig mit dem Thema Qualität. Sie versucht an vielen Ecken ständig Qualitätsmerkmale zu generieren und nach außen zu vermitteln, das was wir machen hat Qualität. Meiner Meinung nach mischt sich ein “sozio-technologisches” Vorgehen ein. Aber man kann ein komplexes soziologisches System nicht wie eine Maschine bauen. Das soziale System ist viel viel komplexer als eine Rakete. Aber man muss ja schließlich nach außen vermitteln, dass es Qualität hat und man weiß was man tut. Lasst die Leute in Ruhe. Ein Referendar ist genauso richtig wie ein Schüler. Man geht auch nicht zum Schüler und sagt, meinst du das der Beruf Schüler für dich das richtige ist? Der Vergleich hinkt natürlich, aber es ist in Ordnung wenn nicht alles richtig ist. Das kann man nicht kontrollieren. Es ist ok, wenn nicht alles passt.

  22. Ist es nicht wie bei allen Beziehungen: Wer echtes Interesse hat, der kümmert sich, der nimmt sich Zeit, der steht zu einem und unterstützt einen?

  23. Ich habe 2016/17 mein Referendariat gemacht und fand es persönlich nicht so wild. Auf der anderen Seite weiß ich aber, wie viele Freundinnen von mir HART gestruggled haben – dass man nach Unterrichtsbesuchen in den Besprechungen in Tränen ausbricht u. ä. war normal.
    DIe Bewertungsmaßstäbe sind teils komplett willkürlich. Klar macht man manchmal Scheißstunden, aber auf mittelmäßigen Stunden und minimalen Fehlern wurde hart in den Besprechungen rumgereitet.
    Kleine Anekdote: Ein Freund von mir hat die gleiche Stunde zwei mal vorgestellt – einmal vor seiner Geschichts-Fachleiterin, einmal vor der in Pädagogik. Ist natürlich nicht erlaubt, aber hat niemand gemerkt. Die eine FL meinte, das Lernziel ergäbe keinen Sinn, die andere war “rundum überzeugt”. (:

  24. Bin Lehrer in Österreich, wo es (zum Glück) kein Ref gibt. Habe mir aber mal einen geplanten Unterrichtsblock (glaube 3 Einheiten) von einem Kollgen/einer Kollegin angesehen, welcher für das Ref erstellt wurde.

    Fach: Physik

    **über 90 Seiten Vorbereitung mit allem drum und dran!!!**

    Wie gibt’s das? Ich weiß schon, dass man in der Ausbildung nochmal genauer sein soll und lernen soll, wie es “korrekt” sein müsste; das ist auch bei uns so. Aber 90 Seiten sind jenseits von Gut und Böse. Das kann doch kein Prüfer ernst meinen.

  25. Meiner Freundin ging es in ihrem Leben selten so schlecht wie im Ref. Die Abhängigkeit von den Prüfern, der Zeitdruck, die Menge an Arbeit.

    Und das alles nach Bachelor+Master-Studium.

    Master-Arbeit war dagegen Zuckerschlecken.

  26. Ich hab mal ne Referendarien zum Heulen gebracht als Teenagerin.

    Weil sie komplett überfordert war als Fehlstunden “Lehrerin”.
    Alle haben gegessen und bei mir dachte sie sich das ich einfach bin und sie sich einfach durchsetzt und hat mir ne Halbe Quitte verboten.
    Obwohl am anderen Tisch Chips gereicht wurden.

    Keiner der Lehrer gab ihr Recht und ich als Teenagerin war auch nicht besser und hab auf eine Faire Behandlung gepocht.

    Aber die gute Frau wurde auch als Fehlstunden “Lehrerin” verbraten

  27. Das ist ein ziemlich komplexes Problem.

    Was meiner Erfahrung nach sehr zum Scheitern der Referendare beiträgt sind die kurzen Praktika bzw. generell wenig Praxis. Ich habe selbst nie Lehramt studiert, hatte aber immer wieder an der Uni mit Lehrämtlern zu tun. Dort gab es Leute im Master, die noch nie vor einer Klasse gestanden haben und das eigentlich auch nicht wollten. Praxisphasen gibt es zwar, aber dort wird oft nur hinten in der Klasse gesessen und beobachtet. Nur wenn die Leute sich selbst engagiert haben oder einen engagierten Betreuungslehrer hatten, durften sie im Bachelor mal eine Klasse unterrichten.

    Selbst im Master im Praxissemester, wo das Halten von Unterrichtsstunden eigentlich selbstverständlich sein sollte, gab es Möglichkeiten sich darum zu drücken. Mich wundert bei solchen Studenten absolut nicht, dass das Referendariat zum Trauma wird.

    Es gab aber übrigens auch sehr positive Beispiele von Studenten, die im Master schon als Aushilfslehrer ein paar Stunden gearbeitet haben. Dadurch kann man auch das Referendariat verkürzen.

  28. Ich hab in der Ausbildung einen kennen gelernt der sein Referendariat an einer Hauptschule im Dortmunder Norden abgebrochen hat um Immobilienkaufmann zu werden. Hat die Entscheidung nicht bereut. Es lag an den Kindern 😀

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