»Von 2000 Euro mehr brutto bleiben am Ende 32 Euro netto übrig«

by Seppl0815

19 comments
  1. Ich rate mal: Er nennt irgendein Extrembeispiel einer Familie mit sehr hohem Wohngeld in München oder Stuttgart und Kindergeld für 3 Kinder, und fordert dann im Anschluss Sozialleistungen überall zu kürzen “damit sich Arbeit lohnt”?

  2. > Zusätzlich fielen die Sozialtransfers weg.

    Sozialtransfer sind doch für Bedürftige? Und irgendwann ist man halt nicht mehr bedürftig und die Transfers fallen weg. Sonst wäre das ja unfair gegenüber denen, die von Anfang an über der Grenze waren und niemals Sozialleistungen bekommen haben.

  3. Und fordert er Vermögenssteuer um Steuer und Sozialleistungen für die mittleren Verdiener zu senken?

  4. Die Schlagzeile suggeriert ein allgemein gültiges Beispiel für den Durchschnittsverdiener – das ist aber falsch. Ganz so extrem ist es nicht.

    Dennoch ist die Grundtendenz richtig. Die Sozialabgaben sind zu hoch.

  5. Gott sei dank haben wir Ökonomen, die uns das ausrechnen, sonst hätte uns das keiner geglaubt

  6. >Fuest: Das Problem besteht darin, dass sich nicht nur beim Bürgergeld, sondern auch bei kleineren und mittleren Einkommen Mehrarbeit kaum lohnt, **weil dabei steigende Zuschüsse wie Wohngeld oder der Kinderzuschlag wegfallen.** Nehmen wir das Beispiel einer Familie mit zwei Kindern in einer Stadt mit hohen Mieten wie München. Wenn das Einkommen der Familie durch Mehrarbeit einen Sprung von 3000 auf 5000 Euro brutto im Monat macht, werden nicht nur Steuern und Sozialabgaben fällig, zusätzlich fallen die Sozialtransfers weg. Von den 2000 Euro mehr brutto bleiben am Ende 32 Euro netto übrig. Da versteht jeder, dass sich arbeiten nicht lohnt.

    [Aus dem original Interview mit der Augsburger Allgemeinen](https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/ifo-chef-clemens-fuest-arbeiten-lohnt-sich-oft-kaum-id69513696.html)

    Also mit den 3000 konnte seine Beispiel Familie Zuschüsse vom Staat bekommen, welche bei genug eigenem Einkommen wegfallen, ergo selbst gezahlt werden müssen. Daher bleibt weniger übrig als mit den Zuschüssen. Na sowas, ich dachte durch Arbeit soll man unabhängiger von Transferleistungen werden. Ach Arbeit lohnt sich gar nicht wenn diese wegfallen? Interessanter Ansatz. Wo könnte nur das Problem liegen?

    Hab ich was falsch verstanden oder hat das Ifo Institut endlich einen würdigen Sinn Nachfolger gefunden. Ich meine gleich im nächsten Satz höhere Wochenarbeitszeiten zu fordern, nichts anderes ist ja die Kritik an Teilzeit, ist dann doch wieder sehr bekannt aus dem hause ifo.

  7. Hatte nicht jemand selbst für München diese Zahlen auseinander genommen und debunked, das beruht ja auf so einem share pic, das vor ein paar Wochen durch die ganzen Telegramgruppen ging, kann aber sein, dass es nicht hier sondern in r/finanzen war.

  8. Mehr Geld für Arbeit statt weniger Geld für Arbeitslose.

    Aber die Mikrofone der Wirtschaft wollen das natürlich nicht.

  9. Wenn ich solche Beispiele sehe und dann der Ort München angegeben wird, höre ich auf zu lesen. Ist für ein allgemeingültiges Beispiel halt ungeeignet sich ein hochpreisiges Sonderszenario zu suchen.

  10. Was mich bei dem Ganzen immer so aufregt, sind die Beispiele zur Miete. Warum gottverdammt ist in einem Mietland wie Deutschland da nicht längst reingegrätscht worden???? Viel zu hohe Mieten werden in D immer noch steuerlich gefördert und damit reiche Mietkonzerne oder Immoeigentümer noch viel reicher gemacht. Warum baut D nicht selbst und vermietet zu vernünftigen Preisen? Die Baubranche würde profitieren, dadurch höhere Steuereinnahmen, Mietzuschüsse fielen weg, Menschen würden Vollzeit arbeiten gehen, wodurch wieder Steuereinnahmen generiert würden usw.

    Wir drehen uns im Kreis und jede verfickte Veränderung oder Reform dient wieder dem vorhandenen Kapital. Und gleichzeitig werden Fronten verhärtet und Gräben tiefer durch Ressentiments.

    Dann sind wir halt eine Planwirtschaft in Sachen Wohnungsbau in Ballungsräumen. Mir doch egal. Vielleicht würden dann aber auch mal andere Ideen viel stärker gefördert werden. Zum Beispiel Wohngenossenschaften. Mehrgenerationenhäuser. Progressiv sein. Ideen haben.

    Wenn ich die Fresse von dem Typen im Bild schon sehe, weiß ich schon, was der will und worum es ihm geht. Wenn man genau hinsieht, dann findet man da noch die Krümel von der Tischplatte, in die er am Morgen gebissen hat.

  11. Ich versteh das von dem Sprallo skizzierte Problem überhaupt nicht bzw. will es mir nicht in den Kopf WARUM das ein Problem sein sollte?!

    Aus meiner Sicht ist das doch der erstrebenswerte Zustand, dass man auch in Teilzeit gut versorgt ist?! Warum ist das auf einmal wieder falsch?

  12. Das muss diese soziale Gerechtigkeit sein, von der immer alle reden…

  13. Was in dieser Debatte insgesamt gebraucht wird sind meiner Ansicht nach zwei Ansätze:

    1. Wie kann man die arbeitende Mitte entlasten, damit sich bei den Durchschnittsverdienern das Netto schon so weit von den Transferleistungen abhebt, dass wirklich ein Anreiz geschaffen wird zu arbeiten?
    1. Hier ist ganz wichtig, dass Freizeit auch einen nicht unerheblichen Wert hat und im Vergleich von Einkommen vs Transferleistungen einfließt.
    2. Wieviel Transferleistungen kann sich eine gesunde Wirtschaft wirklich leisten, ohne dass es zu Verwerfungen kommt? Das soll nicht unbedingt heißen, dass überall gekürzt werden muss, aber es kann nicht sein, dass die Transferleistungen schneller Wachsen, als die Einkommen, aus denen diese Leistungen bezahlt werden

    Deutschland hat aktuell ein System, dass Leistung nicht in dem Maße belohnt, dass notwendig wäre, um eine Motivation zu schaffen, noch mehr zu leisten. Ebenfalls ist Deutschland bei Rahmenbedingungen für Unternehmen im europäischen Vergleich nicht Wettbewerbsfähig. Von Energiekosten fange ich gar nicht erst an.

    **TLDR: Deutschland lebt aktuell über seine Verhältnisse und muss seine Ausgaben an die Wirtschaftleistung anpassen.**

  14. Hmmm also das hieße für 32 Euro weniger im Monat könnte ich Teilzeit arbeiten? Geil.

    Das ist doch wieder voll die Milchmädchenrechnung. Ich verdiene aktuell (Vollzeit) brutto 2,5k mehr als vor zwei Jahren und habe davon ca. 1,5k Netto mehr.

    Also wenn ich da jetzt für 32 Netto weniger 15 h/Woche Weniger arbeiten muss, wäre schon cool

  15. Man kann natürlich auch alle Sozialleistungen für Junge Familien kürzen, und dann die überraschte elektroratte raushauen wenn die Geburtenraten noch weiter sinken.

    short-term-gain-finance-bros, tuen short-term-gain-finance-bro dinge.

  16. Solche Leute sind einfach nur bescheuert. Klar, man bekommt Zuschüsse und alles, aber wenn sich das Arbeiten wieder lohnen soll, dann müssen die Löhne hoch und nicht irgendwelche Zuschüsse wegfallen.

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