Schwacher Konsum: Deutsche sparen lieber statt zu konsumieren

by jayjaytlk

43 comments
  1. Sparen sie wirklich, oder ist einfach kaum mehr Geld für Konsum da?

  2. Also ich merke bei mir seit Corona eine Verschiebung meines Interesses weg von materiellen Gütern hin zu Erlebnissen. Ich habe auch den Eindruck, dass das nachhaltig ist und bei mir nicht verschwinden wird, ich bin einfach bescheidener geworden und brauche die neuesten Konsumobjekte nicht mehr. Geht es noch jemandem so?

    Gleichzeitig hilft natürlich das aktuelle hohe Zinsniveau, ich ertappe mich beim Gedanken “Ich könnte jetzt für etwas das ich eigentlich nicht brauche Geld ausgeben oder dafür 4% Zinsen bekommen”. Verbunden mit dem langfristigen Ziel höherer finanzieller Unabhängigkeit, um nicht länger Andere reicher machen zu müssen, hilft das schon zu einer gewissen Disziplin.

  3. >Steigende Löhne, sinkende Inflation

    >Den Rettungsanker, den unter anderem die Ökonomen der Bundesbank und der Bundesregierung identifiziert haben: der privaten Konsum. Denn die Deutschen hätten wieder mehr Geld in der Tasche, sagt der Wirtschaftsminister: “Dazu haben vor allem die Tarifabschlüsse beigetragen, aber auch eine Reihe von politischen Maßnahmen, wie die Erhöhung des Kindergeldes und steuerliche Entlastungen.”

    >Außerdem geht die Inflation zurück. Die Folge: Unter dem Strich steigt das sogenannte Realeinkommen seit kurzem wieder. Werde jetzt wieder mehr Geld in die Geschäfte getragen, könnten normale Verbraucher wieder eine Stütze der Konjunktur sein, lautet die Hoffnung. Nach dem Corona-Lockdown hatte das funktioniert. Da hatten die Deutschen ihr zwangsweise gespartes Geld mit vollen Händen ausgegeben. Doch aktuelle Zahlen legen nahe: Als Wachstumstreiber fällt der private Konsum erst mal aus.

    Entschuldigung, aber stimmt das so? Noch vor Tagen hatten wir hier erst eine Diskussion über den Anstieg vom Dönerpreis. Dazu sind auch fast alle Lebensmittel deutlich teurer geworden, andere Dinge des täglichen Lebens so oder so. Und auswärts in einem Restaurant ist es auch deutlich teurer als früher.

    Und am Ende habe ich daher “mehr Geld in der Tasche”? Die Tarifabschlüsse waren doch teilweise ein Witz und glichen nicht im Absatz die Inflation aus.

    Wo ist mein Denkfehler?

  4. Einige sparen, einige horten ihr Geld, weil man nicht weiß, was kommt. Einige können nicht sparen, weil sie inflationsbedingt nicht anders können als alles auszugeben.

  5. Ich merke es bei mir vor allen Dingen beim Ausgehen. Meine Frau und ich sind vor Corona (und währenddessen, soweit das möglich war) bestimmt drei, vier Mal pro Woche essen oder Kaffee trinken gegangen. Mittlerweile bin ich nicht mehr bereit, teilweise verdoppelte Preise zu zahlen, obwohl die Qualität des Essens maximal gleich geblieben, insbesondere der Service aber deutlich schlechter geworden ist, weil fast überall nur noch Aushilfen arbeiten. In unserem damaligen Lieblingscafé hat ein großer Latte 2020 noch 3,60€ gekostet, jetzt 5,50€. Beim Asiaten gebratener Reis 6,90€, jetzt 14,90€.

  6. Ich habe nicht mehr geld, sondern nur nicht mehr ganz so viel weniger. Lebensmittel sind zum Teil über 100% im Preis gestiegen (z.b. passierte Tomaten). 

    Natürlich halte ich meine kohle jetzt viel mehr zusammen. Nur weil die Inflation nicht weiter auf nem hohen Niveau ist, werden die Sachen ja nicht billiger. 

  7. Naja.
    Man muss halt schon zwischen gerechtfertigten Preiserhöhungen und Gierflation unterscheiden, wenn man über Konsum spricht.

    Nur weil gut verdiene und mir viel bleibt, heißt das nicht dass ich gewillt bin, es für irgendnen (viel zu hochpreisigen) Blödsinn raus zu hauen.

    Die Party ist größtenteils vorbei – das merkt man doch bereits seit der Corona Krise.

    Gut, n paar junge Leute der YOLO Fraktion, die erst noch feststellen müssen, dass materielle Güter nicht endlos glücklich machen, können diese Story ja weiter spinnen.

    Alle andern haben höhere Ziele (Wohneigentum zB) oder müssen eh dabei zusehen, wie ihr Einkommen ob der horrenden Lebenskosten dahinschmilzt.

  8. Es gibt halt einen Kipp Punkt wo sich ein gewisser Konsum nicht mehr lohnt. Beispielsweise essen im Restaurant. War nie günstig, aber seit COVID passen Preise und Qualität der Speisen durch die Bank nicht mehr zusammen.

    Wahrscheinlich weil viele die was konnten die Branche verlassen haben.
    Seitdem sind die Ausgaben für Restaurantbesuche bei mir auf Null.

  9. >Den Rettungsanker, den unter anderem die Ökonomen der Bundesbank und der Bundesregierung identifiziert haben: der privaten Konsum. Denn die Deutschen hätten wieder mehr Geld in der Tasche, sagt der Wirtschaftsminister

    Ich kann das alles nicht mehr

  10. Jetzt nehmen Sie endlich einen Kredit auf, kaufen Sie Vulkanascheseife, batteriebetriebene Lichterketten und Triple Beef XXL Burger und werden Sie fett!

  11. Unendlicher Wachstum in einem endlichen System.
    Irgendwann muss die Konsumnachfrage einbrechen. Aber wir huldigen ja nur einer Zahl: Wirtschaftswachstum.

    Kotzt mich an. Dann fahre ich eben nicht mehr ans andere Ender der Welt zum Urlaub.

    Ich brauch auch nicht jedes Jahr neue Technik. Alle 5-7 Jahre n neues Handy. Alle 5-8 Jahre neue PC-Komponenten. Der Rest wird benutzt, bis er auseinanderfällt. Elende Konsumergötzung. Dabei merken die Leute nicht, dass der ewige mehr, mehr, mehr-Konsum sie unglücklich macht.

  12. Ja sorry, dass ich keine Packung Süßkram kaufe, die mittlerweile bei gleichem Preis um die Hälfte geschrumpft ist. Oder keine 16€ für eine Pizza mit TK-Boden zahlen möchte. Konsumbudget geht erstmal an den Vermieter.

  13. >Denn die Deutschen hätten wieder mehr Geld in der Tasche, sagt der Wirtschaftsminister

    Und meint damit seine eigene Clientel der obersten 10%.

    So 40% haben ähnlich viel, wie vor der Krise und für 50% ist einfach alles nur noch viel zu teuer.

    Aber da diese Statistiken gerne mal den Durchschnitt von allem nehmen, sind sie für mindestens diese 50% in Deutschland schlicht irrelevant.

  14. Sparen leider auf dem girokonto oder dem sparbuch und schenken somit finanzinstituten massiv geld.

  15. Meine these: es wird nicht konsumiert weil kein geld übrig bleibt

  16. Ich spare, weil ich irgendwann mal in die Rente gehen möchte. Wenn die Regierung eh nicht für die Zukunft kümmern möchte, muss jeder es selbst tun.

  17. Tja irgendwie komme ich halt selbst mit meinem wirklich guten Lohn an nichts mehr, was sich wirklich belohnened anfühlt. Auto? In 4 Jahren vielleicht (Kleinwagen), richtig gut Essen gehen? 1/10 vom frei verfügbaren Einkommen weg, gute und haltbare Kleidung für das ganze Jahr kaufen? Ja fuck dafür müsste ich ein halbes Jahr sparen. Irgendwie bleibt einfach nichts vom Geld übrig, wenn man sich schon ein paar Kleinigkeiten gönnt und dann reicht es schon garnicht für lang- und mittelfristige Ziele.

  18. Der Deutsche wurde auch konsumieren aber bei so hohen Sozialabgaben und Steuern bleibt kaum was noch übrig.

  19. Das ist ja komisch, wie kann das denn sein? Das ist ja komisch…

  20. Schrumpflation / Shrinkflation / Skimpflation.. You name it…

  21. Wie einem immer suggeriert wird, dass es schlecht ist, nichts auszugeben und nicht zu konsumieren.
    Aussagen wie “**Kauflaune verbessert sich kaum**” find ich auch ziemlich ekelhaft. Seit ich o gut wie nichts mehr kaufe, ist meine Laune sogar um einiges besser. Hat auch zumindest bei mir nix mit Sorgen zu tun.

    Sehr befreiend, zu sehen wie mein Geld ohne aktives Sparen immer mehr wird und ich weiss, dass ich es eh nie ausgeben werde und immer mehr als genug für jede Situation hab. Und Steuern spare ich dadurch auch gleich noch.

    Sry, Einzelhandel, aber ich bin raus.

  22. ich weiß halt einfach nicht was ich kaufen soll, ich hab schon alles was ich mir leisten kann und was ich mir nicht leisten kann, das will ich eigentlich auch gar nicht

  23. Die Inflation zwischen 31.01.2020 und 31.01.2024 lag wohl bei 19,13%.

    Da würde mich ja doch mal interessieren, welche Berufsgruppen darüber liegende Lohnsteigerungen bekommen haben, da ja anscheinend manche jetzt „mehr in den Taschen hätten“.

    AFAIK dürfte doch die meisten nach wie vor einen Reallohnverlust haben?

  24. Corona war irgendwie traumatisch, man hat gemerkt wie trügerisch das Gefühl der Sicherheit ist. Ökonomische Absicherung wirkt jetzt viel wichtiger.

  25. Hae? Wir haben doch extra die Zinsen erhoeht damit weniger Geld im Umlauf ist und die Inflation sinkt.

    Ist das nicht der erwartete effekt?

  26. Was? Natürlich, die Verbraucher müssen schuld sein! Nun, da sich ihr Gehalt verdoppelt hat, füllen die deutschen Mittel- und Unterständler lieber ihre Bade- oder Duschwannen mit Kleingeld und Essensmarken, um darin zu schwimmen und sich das kostbare Gut auf den Kopf prasseln zu lassen!!
    /s

    Ehrlich, wer hier die Schuld beim Konsumenten sieht und den Faktor der überraschenden Gierflation ignoriert, der hat den Knall nicht gehört und sollte sich als Volkswirtschaftler vielleicht mal in Richtung Ruhestand bewegen.

  27. Meine schlechte Konsumlaune schadet der Wirtschaft. Es tut mir leid, ich werde besser dienen.

  28. Sparen sie wirklich, oder haben sie gemerkt, dass der meiste Mist der letzten Jahre eigentlich unnötig war, als das Geld lockerer saß?

  29. Ich WILL auch einfach aktuell nichts. Ich habe überhaupt keine Ahnung was ich mir bspw zum Geburtstag wünschen würde. Was ich brauche habe ich. Und gefühlt werden viele Produkte auch immer beschissener.

  30. Ich entschuldige mich fürs existieren! Ich versuche in Zukunft einfach nur alle zwei oder drei Tage etwas zu essen um mehr zu Konsumieren!

  31. auf social media hat man dieses gefühl nicht, die influencer tragen jeden tag ein neues sportoutfit (sei es ihnen gegönnt) und wollen dass ihre fans auch jede woche zwei neue teile mit ihren codes kaufen. Aber bei mir selbst ja, ich gebe echt wenig geld aus seit 2020

  32. 7€ für Einweghandschuhe, kann mir bald das putzen nicht mehr leisten

  33. Zwanzig Jahre wurden Schulden als Teufelei der unreflektierten und faulen bezeichnet, der Niedriglohnsektor ausgebaut und Sparsamkeit mit Riester & Co angepriesen.

    Und nun – wenn es darum geht, dass der Binnenkonsum die schwächelnde aber auf Billiglohn aufgebaute Exportindustrie gesamtwirtschaftlich auffangen soll, weil die Weltwirtschaft schwächelt – wundern sich noch Menschen, dass der Binnenkonsum nicht in Schwung kommt. Nachdem die Reallöhne mehrere Jahre gesunken sind und mehr Inflationsängste durchs Land getrieben worden sind, als Schweine in der Vorstandsebene von Tönnies sitzen.

    Das ist doch eine Nummer aus der Anstalt, oder?

  34. Dauert das nicht eine Weile bis die Löhne sich anpassen? As in: 10+ Jahre, wenn überhaupt? Bei 1-3% Lohnerhöhung im Jahr bräuchte es doch erstmal einige Zeit mit minimaler Inflation bis das auf vor-2020-Niveau ist, oder wo ist mein Denkfehler?

    Mindestlohn signifikant rauf, Mieten stark gesetzlich regulieren (Indexmiete verbieten), vielleicht so?

  35. Hach ja, das Gejammer des Handels geht wieder los.

    Hat man Preise gesenkt, als zwischenzeitlich die Energiepreise rückläufig waren? Scheinbar nicht, wenn man sich z.B. seinen wöchentlichen Einkaufsbon an der Kasse anschaut.

  36. Mal davon ausgehend, dass die Sparquote tatsächlich gestiegen ist:
    Ein freiwilliger Konsumverzicht ist bzw. sollte nie ein Problem sein. Dieses “Wir müssen mehr konsumieren damit die Wirtschaft wächst” geht gegen jegliche ökonomische Vernunft. Konsum ist ja gerade das Ziel des Wirtschaftens, und (in einem funktionierendem System) niemals Mittel zum Zweck.
    Wenn weniger konsumiert wird, stehen mehr Ressourcen für Investitionen zur Verfügung. DIESE sind dann letztlich die wahren Wachstumstreiber.

  37. Hier meinen Wert aus der Praxis: bin Einzelhändler in einem Touristengebiet. Das heißt gleich doppelt getroffen von den niedrigeren Konsumausgaben. Ich habe für vergleichbare Artikel seit zehn Jahren dieselben Preise und wenn ich auch nur Versuche die um 10 – 15% anzuheben dann sind die Artikel komplett unverkäuflich. Trotzdem steigen meine Ausgaben für Miete Strom Personal und Wareneinkauf massiv.

    Die Umsätze sind seit Oktober erschreckend stark eingebrochen, wir reden hier um Umsatzeinbrüche von 50 bis 60% gegenüber den nicht corona-jahren.

    Ich bin der Meinung jetzt müssen wir uns warm anziehen

  38. Soll uns Olaf was vom CumEx Konto überweisen, dann gönn ich mir mal wieder was.

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