
“Pflege, come in and burn out” ist das Motto bei vielen Streiks. Und das stimmt! Schnappt euch eure Blutdrucktabletten und kommt mit mir zum schlimmsten Spätdienst auf einer chirurgischen Station hier im ach so Modernen und fortschrittlichen Deutschland, den ich je erlebt habe. Aus diversen Gründen nutze ich einen neuen Account für diesen Bericht. Solche Erlebnisse betreffen nicht nur mich, nicht nur meinen Bereich, sondern alle in der Pflege. Besonders die Patienten, Klienten, Bewohner, euch, eure Angehörige.
Ich bin im ersten Lehrjahr in der Pflege, kurz vor dem zweiten, vorher habe ich bereits in anderen Bereichen in der Medizin gearbeitet, auch auf Stationen, daher nicht ganz so grün hinter den Ohren. Ebenso hatte ich in dieser Ausbildung bereits Dienste, die mehr als nur gefährlich personell unterbesetzt waren. Bisher gab es aber keine so extremen Vorfälle. Sehr viel Stress natürlich, aber noch nie so etwas, sogar die Kollegin mit fast 20 Jahren Erfahrung war mehr als an ihrem Limit:
Ich komme bereits um 12 Uhr auf Station, da ich wegen eines Frühdienstes am nächsten Tag nur bis 20 Uhr statt 21:30 arbeiten soll. Mal schauen was draus wird…
Von 12 -13 Uhr gibt es nur ein paar Bestellungen zum Auspacken, der Frühdienst hat den Laden noch fest im Griff und alles scheint noch “überschaubar” zu sein. Um 14 Uhr übernehmen ich und 2 examinierte Pflegerinnen die Station. Eigentlich sollten wir 4 Personen sein, aber eine examinierte Kollegin ist ausgefallen. Auf unserer Station sind über 30 Patienten, die teils frisch aus dem OP oder der Notaufnahme kommen, entlassen werden oder noch komplett neu aufgenommen werden sollen. Kaum als wir gerade unsere erste Runde mit den nachmittags Infusionen beginnen möchten, klingelt eines der Zimmer. Als ich reinkomme, liegt da ein älterer Herr mit Schwellungen im Gesicht und Brust, klagte ebenso über Atemnot. Sofort rief ich die Kollegin dazu und wir stellen sicher, dass die Vitalwerte stabil und die Atemwege frei bleiben. Die Kollegin nimmt das Telefon, um den Arzt zu erreichen, dieser sagt wir sollen ihn überwachen, bis er zu seiner geplanten Untersuchung abgeholt wird. Die Kollegin verbleibt mit ihm im Raum, währenddessen starten ich und die andere Kollegin die Runde auf der anderen Seite der Station, sollte irgendwas schlimmer werden, würde die Kollegin den Alarmknopf drücken und wir würden angerannt kommen.
Kaum einige Zimmer weiter klingelt ein Patient, der sehr verdächtig rot erbrochen hat. Nach einem Test konnten wir Bluterbrechen fürs erste ausschließen. Auch er wird einer genaueren Beobachtung bedürfen. Das nächste Zimmer klingelt und ein an Demenz erkrankter Patient möchte zur Toilette was ich mit ihm ausnahmsweise gut hinbekomme, dieser ist eigentlich für eine medikamentöse Therapie bei uns aber diese lehnt er immer wieder ab und wird je nach “Laune” handgreiflich, tags zuvor hat er Kollegen gekratzt, versucht mit der Faust zuzuschlagen und mir beinahe das Oberteil zerrissen. Zwingen können wir ihn zu dieser Medikation eh nicht. Also wird diese verworfen und die Ablehnung dokumentiert. Gegen 15 Uhr wird endlich der Mann mit der Schwellung abgeholt und weiter untersucht.
Als ich mich gerade am PC angemeldet habe um zu dokumentieren höre ich wieder die Klingel. Eine Dame soll für eine Darmspiegelung vorbereitet werden. Das heißt sie bekommt sehr viel Abführmittel. Da sie aber bettlägerig ist wird das ein Job für uns das wegzumachen. Kaum haben wir sie sauber, inklusive dem Bett, klingelt der Mann mit dem verdächtigten Erbrochenem wieder. Seine Werte haben sich etwas verschlechtert und er erbricht schwallartig. Der Arzt wird informiert und gibt die Anweisung eine Magensonde zu legen. Dies müssen wir verschieben da sich plötzlich ein weiterer Notfall ankündigt. Einem Patient droht der Blinddarm zu platzen und eine OP ist nur in einem anderen Klinikum möglich, daher müssen wir ihn direkt mit RTW verlegen lassen. Das heißt Sachen packen und ihn überwachen bis der Rettungsdienst da ist. Was sehr schnell geht, er konnte stabil die Station verlassen. Währenddessen fiel uns auf das die Notaufnahme uns mit Patienten zu “bombardieren” wollte. Angeblich hätten wir etliche freie Betten, was nicht stimmte, also mussten wir das denen erklären. Eines hatten wir aber noch frei da kam ein weiterer aufwendiger Pflegefall rein. Also jemand der absolut nichts selbst übernehmen kann, inklusive nicht selbst essen.
Endlich habe ich wieder eine Lücke gefunden, um die Patienten am PC weiter einstufen zu können, da geht wieder ein Notfall los. Ein Patient klagt über Herzschmerzen, also muss ich los rennen und ein EKG Gerät auftreiben. Im EKG sieht man eine Veränderung, der Arzt möchte Blut abnehmen. Wann? Keine Ahnung, auf den anderen Stationen brennt die Hütte auch gerade in voller Ausdehnung. Die Ärzte kommen vor lauter Fällen kaum hinterher. Da der Patient vital stabil ist und sonst keine weiteren Beschwerden hat, wird er ebenso wie die anderen Notfälle von uns öfter mal gemessen und überwacht. Da es Gott sei Dank einer der wenigen Patienten ist, die klar bei Verstand sind, kann er sich jederzeit selbst wieder an uns wenden, wenn er merkt, dass was schlechter wird.
Mittlerweile gehen wir auf 16:30 Uhr zu. Langsam mischt sich zu dem Frust den man innerlich verspürt, auch der Hunger, aber die Pause kann man für die nächste Stunde erstmal vergessen, Schokolade, Haribo und Mineralwasser sind das Lebenselixier. Die Einstufung der Patienten muss auch wieder warten, es muss Blutzucker gemessen werden. Gefühlt 80% der Leute haben Diabetes. Aber auch dieses muss ich wieder unterbrechen weil ein dementer Patient am schreien ist, keine Medikamente nehmen, einen Arzt sprechen will und uns beleidigt. Versuche ihn zu beruhigen scheitern, wir beschließen ihn in Ruhe zu lassen und gehen raus. Das sorgt dann tatsächlich für Ruhe.
Nach dem ich bei den meisten Patienten um etwa 17 Uhr den Blutzucker gemessen habe sehe ich meine Kolleginnen in eines der hinteren Zimmer eilen. Eine Patientin hat einen psychischen Ausnahmezustand und entwickelt eine Panickattacke. Nach einer Gabe von Schmerzmitteln und einem längeren Gespräch (Wofür man leider kaum noch Zeit hat!!) konnten sie die Dame wieder beruhigen. Gegen 17.45 Uhr können wir tatsächlich ein Brötchen essen und etwas trinken. Kaum runtergeschluckt geht es wieder zu der Patientin mit der Darmspiegelung die wieder sauber gemacht werden muss, inklusive dem kompletten Bett. Danach können wir endlich die Magensonde bei dem Herren mit dem dunklen erbrochenem legen. Während wir die legen erbricht er weiter, was bis zu einem gewissen Punkt “normal” ist, das dunkle was da raus läuft erinnert mich, so krass und doof das klingen mag, an die Zombies aus The Walking Dead wenn die das alte Blut von ihren Opfern aus dem Mund laufen haben. Aber laut Test ist es kein Blut, sonst wäre der Herr schon längst vital deutlich schlechter und ebenso mit seinem Bett auf der Intensivstation.
Gegen 19 Uhr kann ich endlich den letzten Patienten pflegerisch einstufen, was ich eigentlich noch gar nicht soll aber an diesem Tag sind Regeln eh so eine Sache, besonders die Personalzahl. Das Dienstzimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld, überall liegen Patientenakten auf den Tischen. Zum Sortieren bleibt keine Zeit, muss der Nachtdienst machen. Die Kollegin muss sich neben dem ganzen Chaos noch um teils, entschuldigt bitte diesen Kommentar, schwachsinnige Anfragen von Angehörigen kümmern und muss sich am Telefon fast schon auf die Zunge beißen. Gegen 19.30 Uhr nehmen wir noch einen neuen Patient auf und sehen endlich etwas Licht im Tunnel. Vollkommen orientiert, selbstständig, nicht fast palliativ, wo jeglicher Eingriff so manche moralische Frage aufwerfen sollte. Mal ein Bett, wo wir nicht alle 10 Minuten nachschauen müssen, ob der jenige noch lebt, hingefallen oder gar abgehauen ist. Leider sind genau diese Fälle die, die uns schnell wieder verlassen, was natürlich gut für den Patienten ist, aber für uns heißt es meistens wieder irgendeinen “sehr aufwendigen” Fall zu bekommen, der bei solchen Diensten schnell den kürzeren ziehen könnte. Als Beispiel dafür kann man einen Patienten nehmen der mich ansprach da seine Vorlage voll ist und er gerne frisch gemacht werden möchte, dies konnte ich erst nach über einer Stunde erledigen. Wer von euch möchte gerne über eine Stunde in seinem eigenen Stuhlgang liegen? Niemand! Aber das ist noch “im Rahmen”, manche liegen sogar länger so rum. Ist nicht unser gewünschter Standard, aber was sollen wir machen?
Als einige Patienten wieder frisch gemacht und in die Nacht verabschiedet wurden, war es kurz vor 20 Uhr. Feierabend, den morgen muss ich wieder um 6 Uhr früh da sein… Hahaha.. Feierabend.. der Witz war gut…
Gegen 20 Uhr meldet sich der Patient mit den Schwellungen, dessen Gesicht mittlerweile komplett zugeschwollen war und er haufenweise Schleim aushustete, und gab an Brustschmerzen zu haben. Also wieder los laufen und das EKG holen. Dieses Mal war es unauffällig trotz der Schwellung. Vitalzeichen auch weiterhin stabil. Der Nachtdienst kommt gegen 20.40 Uhr und hilft beim Aufräumen der Station, während ich die Dame mit der Darmspiegelung zum gefühlt 10. Mal versorge. Ob ich die Patienten alle komplett richtig eingestuft habe, bleibt ungeklärt, aber da diese täglich neue Einstufungen bekommen, ist es eh fast schon egal.
Um 21:30 geht es endlich in den Feierabend, eigentlich dürfen wir Azubis keine Überstunden machen. Aber was soll ich sonst machen? “*Jo Kollegen viel Spaß mit dem sinkenden Schiff und den teils fast Intensiv pflichtigen Patienten, ich bin dann mal weg. Viel Glück das euch keiner stirbt!”* Die Kollegen blieben sogar noch bis 23 Uhr.
Eine heiße Dusche, 2 Scheiben Brot und eine Handvoll Gummibärchen später ging es gegen 23:30 mit Wut und Frust ins Bett. Wecker auf 4:30 Uhr gestellt, der Frühdienst kommt, ist aufgrund von ausnahmsweise vollzähligem Personal etwas weniger stressig. Nach dem Frühdienst steige ich wieder übermüdet und angepisst in den Bus nach Hause. Aufgrund meiner Müdigkeit und des Frustes geige ich noch einem Autofahrer der meint mich beim Abbiegen beinahe vor meiner Wohnung überfahren zu müssen lautstark meine Meinung, normalerweise würde ich nur die Hand heben, ihn angucken und warten das er sich kurz mit einer Geste entschuldigt aber an diesem Tag nicht. So wütend und müde war ich seit Jahren nicht.
Falls Ihr aktuell denkt, dass die Zukunft besser aussieht für uns und eure Versorgung. Leider nicht. Bis 2049 werden [wir 280.000 – 690.000 mehr Kollegen benötigen](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_033_23_12.html). Woher diese kommen werden? Keine Ahnung, so chaotisch wie vieles in diesem Bereich abläuft, besonders politisch echt unterirdisch, muss man sehr viel Geduld und Motivation haben, um nicht direkt zu verschwinden und sich was anderes zu suchen, was bereits sehr viele Azubis tun. Über diese teils chaotische generalistische Ausbildung, die für extrem viel Chaos und Verwirrung sorgt, könnte ich mich den ganzen Tag aufregen. Aber hey, noch 2 Jahre, dann gehe ich wie die meisten aus meinem Kurs in einen Funktionsbereich (z.B Notaufnahmen, Endoskopien, Chirurgien usw.), nicht auf eine Station. Dort wiederum werden die Kollegen meist immer älter im Durchschnitt, wer da in 10, 15 oder 20 Jahren sein wird, ist eine Frage, die man sich kaum traut zu stellen. Juckt aber auch die Gesellschaft nicht wirklich, weil immer nur die anderen alt und krank werden. Man selbst ist ja niemals betroffen. Und falls doch wird sich garantiert irgendeiner um einen kümmern. Oder?….
Bleibt gesund, mehr kann ich euch nicht empfehlen um dem Chaos und Leid zu entgehen!
by NurseRage007
21 comments
Leider traurige Wahrheit.
Danke für deinen Einsatz.
Und das alles an EINEM Arbeitstag! Heftig. Mit so einer Arbeitsintensität, Überstunden und Personalmangel ist dein Frust verständlich. Deine Frage Stelle ich mir auch, Deutschland wird älter, die Pfleger weniger. Wie das gelöst wird? Denke durch Arbeiter ausm Ausland. Wie heute schon praktiziert wird. Eine Lösung aus Deutschland? Ob das machbar ist?
Pass auf Dich auf und bleib gesund. Vor allem in deinem Kopf.
ich bin kein fan von diesem beklatschen gesellschaftlich relevanter versorgungsberufe. ich finde das einfach aus vielerlei gründen unangemessen und irgendwie … schwach.
aber ich habe mir diesen text hier sehr aufmerksam durchgelesen und beschlossen, ihn als leseempfehlung an einige mir wichtige personen weiter zu geben. ferner stelle ich, wiederholt, fest, dass mich solche detaillierten berichte aus der echten welt immer in einen regelrechten gefühlsmix eintauchen lassen.
ich kann nur hoffen, dass meine wahlkreuze und die vieler anderer irgendwann mal früchte tragen werden. bis dahin kann ich mich nur aufrichtig bei all den vielen zehntausenden menschen bedanken, die in wirklichkeit unsere gesellschaft am laufen halten.
bis mir jemand etwas anderes sagt, habe ich das gefühl, nichts anderes tun zu können.
vielleicht doch: dem nächsten politiker, der mit presse im anhang und einem präsentkorb in der hand auf station kommt, würde ich einen einlauf verpassen. oder das zumindest androhen. ganz ohne lächeln und nicht sehr medienwirksam.
> Aber was soll ich sonst machen? “Jo Kollegen viel Spaß mit dem sinkenden Schiff und den teils fast Intensiv pflichtigen Patienten, ich bin dann mal weg. Viel Glück das euch keiner stirbt!”
Ganz unironisch: Ja. Es wird sich erst etwas ändern wenn das System kollabiert. Aus eurer Opferbereitschaft, so löblich sie vielleicht im Grunde wäre, lernen Politik und Management nur das alles ja trotzdem irgendwie läuft. Das das langfristig das Personal verbrennt ist ja egal, das ist das Problem des Nachfolgers.
Dankt für die Schilderung. Das ist wirklich frustrierend. Ich frage mich, wie das System stabilisiert werden kann. Bei den aktuellen Beitragssätzen ist es ja auch nicht Mal eben möglich, diese noch weiter zu steigern. Schließlich kommen ja so schon viele Menschen kaum noch über die Runden und die Mieten werden weiter steigen.
Einfach nur übel. Da versaut man sich doch das ganze Leben mit. Ich glaube auch nicht, dass das Problem durch die Politik zu lösen ist. Ich denke in dem Bereich wird es irgendwann eher eine technische Revolution durch Roboter geben. Bis das soweit ist wird man dort noch weiter die wenigen guten Menschen die das vom Wesen und der Belastbarkeit überhaupt schaffen gnadenlos verheizen.
Es gibt die Möglichkeit, sich auch als Mitarbeiter:in an die zuständige Heimaufsicht (in NRW z.B. WTG-Behörde genannt) zu wenden und dort die Problematik zu schildern. Bei der Beschwerde kann auch um anonyme Behandlung gebeten werden.
Es muss nicht unbedingt helfen, aber es ist besser, als mit dem Frust alleine zu sein.
Nicht länger bleiben. Nur einspringen, wenn du unmittelbar einen anderen Tag frei bekommst. Nur für solche Anfragen zur Verfügung stehen, wenn du gerade auf Station bist. Oder einfach “Nein!” sagen. Besonders jetzt in der Ausbildung. Schau dir diese Scheiße der Examinierten gar nicht erst ab.
Sonst bist du die unnötige Maximaltherapie für das präfinale Gesundheitssystem. Solange die Verantwortlichen nicht merken, dass das System kollabiert, ändert sich nichts. Wenn du als Azubi schon als quasi-Examiniert mitarbeitest, kannst du nichts lernen. Du lernst höchstens alles falsch zu machen, weil es dir niemand richtig zeigen kann.
Gewerkschaft beitreten nicht vergessen!
Edit: Lösung des Problems kommt in 20-40 Jahren von selbst, wenn alle Boomer gestorben sind.
Bis dahin muss der Beruf attraktiver gemacht werden: verbindliche Personaluntergrenzen, sonst Bettensperrung wie auf den Intensivstationen; höhere Zulagen für Nacht- und Wochenenddienste
Kommentar für den Algorithmus.
Danke für deinen Einsatz meine Ausbildung beginnt in 3 Wochen, ich bin gespannt.
Bin selbst Pflegekraft und rate dir das was ich allen Auszubildenden rate. Nimm die Beine in die Hand und lauf. Such dir einen anderen Beruf, in einer anderen Branche, hier wirst du nur zu Grunde gehen.
Rette.Dich.Selbst!
Wow du lässt meinen Job als Sozial-/Sonderpädagogin ja entspannt wirken. Hut ab und hoffentlich werden die nächsten Dienste nicht ganz so schlimm.
Dein Pflegebrudi hier. Ich fühl dich. Kurze Anmerkungen (die du vielleicht nicht brauchst):
* Schwellungen im Gesicht/Atemwegsbereich ist IMMER ein Notfall. Wenn der Atemweg zu ist hat er nur noch in Häusern mit Supermaximalversorgung eine Restchance.
* ST-Streckenveränderungen (im Vergleich zum Aufnahme-EKG) ist IMMER ein Notfall. Frühe Intervention falls im Labor bestätigt (oder sehr eindrucksvolles Bild) ist der Weg.
* Schwallartiges Erbrechen, egal wovon, kann auch schnell ein Notfall sein wenn der Patient mit der Menge nicht zurecht kommt. Eine Pneumonie nach Gallenaspiration bei Ileus hat eine extrem hohe Mortalität. In Häusern der Supermaximalversorgung. Ganz zu schweigen vom akuten Ileus an sich.
Was tun?
* Situation an Stationsleitung/Klinikleitung eskalieren (gern Privatnummern in solch einer Situation), wenn sie cool sind organisieren sie von anderen Stationen jemand zum aushelfen.
* Überlastungsanzeige (auch im Nachhinein) sichert euch ab denn ihr müsst den Arbeitgeber auf den Mangel aufmerksam machen. An Verwaltung, Personal-/Betriebsrat und Stationsleitung. Und Kopie aufbewahren.
* Die beiden Punkte oben brauchen Eier und Mensch kriegt gern Gegenwind darauf. Deshalb Gewerkschaft beitreten. Kostenlosen Rechtsbeistand und die lieben das sich wegen Repressalien nach solchen Schichten mit dem AG anzulegen. Mensch kann Ver.Di zu Recht kritisieren, aber eine Alternative gibt es nicht.
[https://mitgliedwerden.verdi.de/](https://mitgliedwerden.verdi.de/)
Dauert drei Minuten, hilft für immer.
Ach und mit Oma/Opa reden, dass die dement oder maximal abhängig so einen Scheiß ablehnen wollen. Vorsorgevollmacht zu gunsten des Enkels vom Fach.
Danke für die Schilderung!
Etwas- nicht direkt zur Sache – ist mir allerdings aufgefallen:
> Langsam mischt sich zu dem **Frust** den man innerlich verspürt, auch der Hunger, aber die Pause kann man für die nächste Stunde erstmal vergessen, **Schokolade, Haribo** und Mineralwasser sind das Lebenselixier. […] **Gefühlt 80% der Leute haben Diabetes**.
Du hast da in wenigen Sätzen einige der Risikofaktoren für Diabetes II genannt: [Stress](https://www.nature.com/articles/nrendo.2017.64) und [hoher Zuckerkonsum](https://link.springer.com/article/10.1007/s00394-020-02401-2).
Hey danke für den Post. Ich finde es irgendwie wohltuend die andere Seite zu hören. Ich höre meistens die Angehörigen von Verstorbenen und deren Erfahrung mit dem System. Viel Kraft für deinen Dienst.
>Falls Ihr aktuell denkt, dass die Zukunft besser aussieht für uns und eure Versorgung. Leider nicht. Bis 2049 werden wir 280.000 – 690.000 mehr Kollegen benötigen. Woher diese kommen werden?
Keine Sorge, gibt doch genug insolvente oder unter Schutzschirmstehende Krankenhäuser!
Es gibt nur eins: kündigen.
Das System muss zusammenbrechen, damit sich was ändert.
Liebe Grüße, ehemaliger rettungsidiot, der es viel zu lange mit sich hat machen lassen.
Wegen solchen Geschichten bin ich dankbar, dass ich nur für Zahnmedizin und nicht für Human nen Platz bekommen haben. Kein Interesse als PJler oder als Assistenzarzt in solch einem System ausgenutzt zu werden.
Ja. Mittlerweile gekündigt ab dem 31.03 arbeite ich nicht mehr als Pflegekraft (werde sie stattdessen aber noch ausbilden)
Erstmal volle Zustimmung zu deinem Post, liebe/r Ex-Kolleg/in.
Die aktive Zeit in der Pflege ist bei mir schon ein paar Jahre her, aber beim OP Text stutze ich von Satz zu Satz mehr. Ende Unterkurs sollten andere Formulierungen/Begriffe genutzt werden. Einiges im Verhalten klingt mir zu unprofessionell. Die Erkrankungen auf der Station hören sich auch mehr so nach Resterampe an. Was ist das für ein Haus? Größe? Gegend?
Ich war vor einigen Jahren Zivildiener im Krankenhaus. Auch auf einer Station. Ich war damals schon den ganzen Tag nur am Laufen… Im Winter kam dann noch eine große Grippewelle, mit Betten am Gang. War nicht so toll wir waren alle ziemlich angeschlagen.
Respekt vor diesem Beruf! Ich hab da früh morgens immer die Betten gemacht. Musste mich die ersten Wochen fast selbst übergeben, bis ich mich dran gewöhnt habe.
Hab aber auch schöne Momente erlebt, wenn man merkte die Leute werden wieder besser, bzw sind dankbar, dass sich jemand um sie bemüht.
Ich hab während der Pandemie mal überlegt, ein paar Monate Bundesfreiwilligendienst zu machen. Einfach, damit man nicht tatenlos rumsitzt und um die Pflegekräfte irgendwie zu unterstützen. Allerdings verdient man da so wenig, dass kann sich kein normaler Mensch, der nicht mehr bei den Eltern wohnt, leisten. Mir ist klar, dass man als “Aushilfe” nicht das Gehalt einer Vollzeitstellle bekommt, aber mit 450€ kann man nicht Miete + Rechnungen bezahlen.