Also führt das Gesetz dazu, dass Post-Docs jetzt schon nach vier Jahren auf die Straße geschmissen werden? Weil dür mehr feste Stellen wird das Gesetz nicht sorgen…
> Vorgesehen ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach ihrer Promotion künftig nur noch vier statt sechs Jahre befristet beschäftigt werden dürfen
Ist das echt die einzige Änderung? Die 6 Jahre waren bisher schon Makulatur, denn auf Projektmittel (und die Wissenschaft besteht hauptsächlich aus Projektmitteln) darf aktuell unbegrenzt befristet eingestellt werden. Das würde dann also fast gar nichts ändern, außer dass die PostDocs eben früher direkt Projekten zugewiesen werden müssen, statt mal hier mal da was zu machen.
Auf eine weirde oder pervertierte Art und Weise kann das tatsächlich als gute Änderung interpretiert werden. Aus eigener Erfahrung würde ich sagen: es gibt viel zu viele “Verlegenheit-Post-Docs”, bei der die Verlegenheits-Promotion schon in erster Linie dazu diente, sich nicht mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft auseinandersetzen zu müssen und so in der kuscheligen Komfortzone bleiben konnten. Es gibt eine ganze Reihe von PostDocs da weiß eigentlich jeder, dass die es nie und niemals zur Professur schaffen werden, alleine schon weil denen die soziale oder organisatorische Kompetenz fehlt sich in der Wissenschaftswelt zu behaupten.
Durch die Reduktion der möglichen PostDoc Zeit gibt man diesen Leuten eventuell den Arschtritt um sich dann mal früher mit ihren Alternativen auseinandersetzen zu müssen. Dann hat man halt nicht die Mitte bis Ende 30er Experten mit ihrer tiefen Expertise für topologische Quantenfeldtheorie oder das Spätwerk von Ludwig Wittgenstein die dann für den nicht-akademischen Arbeitsmarkt kaum noch vermittelbar sind.
Solange nicht mehr dauerhafte Stellen im akademischen Mittelbau geschaffen werden ändert das alles nichts an der Situation. Grundsätzlich ist es schon die richtige Idee die Kettenbefristung abzuschaffen, aber wenn man es einfach so macht vergrault man halt einfach nur die Leute aus der akademischen Forschung.
Und ich würde mal vermuten das da immer noch genug Lücken drin sind die es zulassen die Regeln zu umgehen. Finde es generell auch sehr fragwürdig wie viel zum Teil mit Stipendien gearbeitet wird und dadurch Doktoranden aber auch PostDocs teilweise gar nicht richtig angestellt sind.
Geile Verschlimmbesserung. Bin echt froh aus der Wissenschaft raus zu sein
Das ist ein Witz oder? Das ist doch im Endeffekt wieder so eine Sparmaßnahme der FDP und leiden muss die Qualität der Forschung.
4 Jahre ist doch eine viel zu kurze Zeit für viele Postdoc Vorhaben. Da merkt man, dass diese Gesetz von Laien ohne Einsicht in die Akademia beschlossen wurde.
Das Nadelöhr akademische Karriere ist jetzt schon zu eng und Stellenaussichten aktuell sehen düster aus dank Demographie und Sparpolitik. Einzige Hoffnung bleibt ein schnelles Abdanken der Boomer ansonsten bleibt Leuten, die nach Mitte der 90er geboren wurden, nur der Weg ins Ausland.
Und bevor ich hier was von 4 Jahre sind genug lesen muss ein kurzes Beispiel:
Nach der Promotion bleiben viele noch einige Zeit im alten AK, um Papier zu veröffentlichen, sich nach der neuen Stelle umzusehen, eventuell Anträge schreiben. Dann mit Glück 2 Jahre Förderung mit Arbeitsvertrag z.b. MSCA. Und dann hat man maximal noch 1.5 Jahre, wenn alles glatt ging, um ne feste Stelle zu finden und ein zweiter Postdoc ist fast unmöglich. Ansonsten “Good Bye Wissenschaft”. In welcher Welt ist das realistisch?
Je nach Regelung ist bei so einer Karriere nicht mal mehr ein Tenure möglich.
Wenn nicht mehr feste Stellen für die Habil/Fixed Tenure geschaffen werden, ist das Gesetz effektiv eine Personal Verringerung von Postdocs an Unis um 33%.
4 Jahre für ‘ne Habilitation, ja moin.
Wie dumm ist das eigentlich, Leute sie man gerade ausgebildet hat, direkt weg zu schicken. So hält man keine qualifizierten Wissenschaftler an der Uni.
Mal als Einordnung: das bedeutet, dass man nach dem PhD nur noch einen Postdoc machen darf, und dann arbeitslos ist.
Leute, geht bitte, bitte nicht in die Wissenschaft. Oder zieht durch, und sucht euch mit 30/Anfang 30 eine dauerhafte Karriere fürs danach
Vielleicht will ich ja keinen unbefristeten Vertrag weil ich an Projekten hänge und nicht an einem institutionellen Arbeitgeber?
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Also führt das Gesetz dazu, dass Post-Docs jetzt schon nach vier Jahren auf die Straße geschmissen werden? Weil dür mehr feste Stellen wird das Gesetz nicht sorgen…
> Vorgesehen ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach ihrer Promotion künftig nur noch vier statt sechs Jahre befristet beschäftigt werden dürfen
Ist das echt die einzige Änderung? Die 6 Jahre waren bisher schon Makulatur, denn auf Projektmittel (und die Wissenschaft besteht hauptsächlich aus Projektmitteln) darf aktuell unbegrenzt befristet eingestellt werden. Das würde dann also fast gar nichts ändern, außer dass die PostDocs eben früher direkt Projekten zugewiesen werden müssen, statt mal hier mal da was zu machen.
Auf eine weirde oder pervertierte Art und Weise kann das tatsächlich als gute Änderung interpretiert werden. Aus eigener Erfahrung würde ich sagen: es gibt viel zu viele “Verlegenheit-Post-Docs”, bei der die Verlegenheits-Promotion schon in erster Linie dazu diente, sich nicht mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft auseinandersetzen zu müssen und so in der kuscheligen Komfortzone bleiben konnten. Es gibt eine ganze Reihe von PostDocs da weiß eigentlich jeder, dass die es nie und niemals zur Professur schaffen werden, alleine schon weil denen die soziale oder organisatorische Kompetenz fehlt sich in der Wissenschaftswelt zu behaupten.
Durch die Reduktion der möglichen PostDoc Zeit gibt man diesen Leuten eventuell den Arschtritt um sich dann mal früher mit ihren Alternativen auseinandersetzen zu müssen. Dann hat man halt nicht die Mitte bis Ende 30er Experten mit ihrer tiefen Expertise für topologische Quantenfeldtheorie oder das Spätwerk von Ludwig Wittgenstein die dann für den nicht-akademischen Arbeitsmarkt kaum noch vermittelbar sind.
Solange nicht mehr dauerhafte Stellen im akademischen Mittelbau geschaffen werden ändert das alles nichts an der Situation. Grundsätzlich ist es schon die richtige Idee die Kettenbefristung abzuschaffen, aber wenn man es einfach so macht vergrault man halt einfach nur die Leute aus der akademischen Forschung.
Und ich würde mal vermuten das da immer noch genug Lücken drin sind die es zulassen die Regeln zu umgehen. Finde es generell auch sehr fragwürdig wie viel zum Teil mit Stipendien gearbeitet wird und dadurch Doktoranden aber auch PostDocs teilweise gar nicht richtig angestellt sind.
Geile Verschlimmbesserung. Bin echt froh aus der Wissenschaft raus zu sein
Das ist ein Witz oder? Das ist doch im Endeffekt wieder so eine Sparmaßnahme der FDP und leiden muss die Qualität der Forschung.
4 Jahre ist doch eine viel zu kurze Zeit für viele Postdoc Vorhaben. Da merkt man, dass diese Gesetz von Laien ohne Einsicht in die Akademia beschlossen wurde.
Das Nadelöhr akademische Karriere ist jetzt schon zu eng und Stellenaussichten aktuell sehen düster aus dank Demographie und Sparpolitik. Einzige Hoffnung bleibt ein schnelles Abdanken der Boomer ansonsten bleibt Leuten, die nach Mitte der 90er geboren wurden, nur der Weg ins Ausland.
Und bevor ich hier was von 4 Jahre sind genug lesen muss ein kurzes Beispiel:
Nach der Promotion bleiben viele noch einige Zeit im alten AK, um Papier zu veröffentlichen, sich nach der neuen Stelle umzusehen, eventuell Anträge schreiben. Dann mit Glück 2 Jahre Förderung mit Arbeitsvertrag z.b. MSCA. Und dann hat man maximal noch 1.5 Jahre, wenn alles glatt ging, um ne feste Stelle zu finden und ein zweiter Postdoc ist fast unmöglich. Ansonsten “Good Bye Wissenschaft”. In welcher Welt ist das realistisch?
Je nach Regelung ist bei so einer Karriere nicht mal mehr ein Tenure möglich.
Wenn nicht mehr feste Stellen für die Habil/Fixed Tenure geschaffen werden, ist das Gesetz effektiv eine Personal Verringerung von Postdocs an Unis um 33%.
4 Jahre für ‘ne Habilitation, ja moin.
Wie dumm ist das eigentlich, Leute sie man gerade ausgebildet hat, direkt weg zu schicken. So hält man keine qualifizierten Wissenschaftler an der Uni.
Mal als Einordnung: das bedeutet, dass man nach dem PhD nur noch einen Postdoc machen darf, und dann arbeitslos ist.
Leute, geht bitte, bitte nicht in die Wissenschaft. Oder zieht durch, und sucht euch mit 30/Anfang 30 eine dauerhafte Karriere fürs danach
Vielleicht will ich ja keinen unbefristeten Vertrag weil ich an Projekten hänge und nicht an einem institutionellen Arbeitgeber?