Warum eine ukrainische Ärztin in Trier als Verkäuferin arbeiten soll

by Professional_Class_4

23 comments
  1. Was ich nicht verstehe wieso man nicht einen guten online Kurs macht. Klar ist in Person besser aber wenn man fast ein Jahr auf einen Platz wartet? Hätte den Vorteil dass motivierte Leute schneller durch kommen würden und Personen mit Kindern flexibler wären. Für C1 Medizin gibt es online Kurse aber nur mit ~30 Teilnehmern. An der Uni muss man ja zT auch durch Grundlagenvorlesungen mit 1000+ Teilnehmern.

  2. Nicht der russische Soldat sondern die deutsche Bürokratie ist der Endgegner, aber mal im Ernst kann sehr gut verstehen wenn die Ukraine endlich Frieden gefunden hat das all diese Leute trotz guter Integration und Sprachkenntnisse wieder zurückkehren.

  3. >Auch anderen hochqualifizierten Frauen geht es ähnlich wie der Ärztin.
    Eine Frau, die in der Ukraine als selbständige Unternehmerin tätig war,
    sollte in Trier Müll sortieren. Einer Lehrerin wurde vom Jobcenter eine
    Stelle als Putzfrau angeboten.

    Kann ich bestätigen. Kenne auch eine Ukrainerin, die in ihrer Heimat als Bauingenieurin gearbeitet hat. Hier wurden ihr nur Putzjobs angeboten.

  4. Warum?
    Weil der “Jobturbo” Beschluss dazu führt dass bei der Ablehnung einer Stelle jetzt die Geflüchteten länger auf ihre Deutschkurse warten müssen. Möglicherweise eine “angemessene” Idee für Niedrigqualifizierte aber eine Ärztin sollte halt schnellstmöglich Deutsch lernen dürfen. Ähnliches Problem bei anderen hochqualifizierten Geflüchteten.

    Mich wundert es aber ehrlich gesagt ein wenig dass es da für engagierte Menschen nicht Lösungen gibt? Kann man als Geflüchteter nicht “einfach” bspw zu einer Volkshochschule und sich das vom Arbeitsamt bezahlen lassen?

  5. Deutschland, damit meine ich die Behörden und die Politik wollen nicht das Ausländer hier arbeiten. Egal wie gut die qualifiziert sind. Die Ausländerbehörden sind nur dafür da es den Leuten so schwer wie möglich zu machen hier in Deutschland Fuß zu fassen. Ausländische Fachkräfte bekommen nur eine begrenze Arbeitserlaubnis ohne Familiennachzug. Bei uns ind der Firma hat im Lager jemand gearbeitet, der war Bauingenieur, aber aus Osteuropa und das war vor 20 Jahre, seit dem hat sich nichts geändert.

    Bei uns bewerben sich Leute mit Abgeschlossenem Studium aus Nordafrika für eine Ausbildungsstelle, weil der Abschluss nicht in Deutschland anerkannt wird. Physik, Chemie und Mathematik sind dort auch nicht anders als hier.

    Ich reg mich über den Scheiß jeden Tag auf.

  6. Mal zum Thema Sprachkurs. Ist das wirklich so? Ich habe über einen Freund, der selbst aus der Ukraine stammt, Einblick in ein großes Flüchtlingsheim in Norddeutschland. Dort findet täglich ein Sprachkurs statt – allerdings vor weitgehend leeren Sitzen. Nur ein oder zwei Leute verirren sich dort hin. Viele, meist syrische Bewohner, haben sich zwar eingeschrieben, kommen aber tatsächlich nur die 1. Woche, dann nie wieder. Wer will, kann da sofort einsteigen.

  7. Nach Definition der Rechten und Vulgärliberalen wäre sie eine aus der Masse der Totelverweigerer falls sie deshalb den in den Augen des JCs zumutbaren Job ablehnt.

    Edit: Typo

  8. Meine Mutter ist in den 90ern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. In Kasachstan hatte sie 1,5 Jahre Ingenieurwesen studiert (allerdings ohne Abschluss, da sie mitten im Studium emigriert ist). Hier hatte sie plötzlich nichtmal Abitur, sondern nur noch einen Realschulabschluss – obwohl sie in Kasachstan sogar Deutsch als Fremdsprache gelernt hatte.

    Und dann durfte sie sich von MEINEM Mathelehrer am Gymnasium anhören, dass sie mir ruhig mehr mit den MINT-Fächern helfen soll, weil das in den Ex-Sowjetländern viel besser unterrichtet wird als in Deutschland (mein Mathelehrer ist häufiger auf Studienreisen in Kasachstan gewesen). Das ist doch völlig absurd alles, sie kam sich da schon ein bisschen verarscht vor. Will mir gar nicht vorstellen wie sie innerlich gekocht haben muss.

  9. Also beim Goethe-Institut kostet ein Online-Gruppenkurs pro Niveaustufe ca. 500 Euro. Das Geld hätte ich mir notfalls irgendwie zusammengeborgt und ggf. später über Kostenersatz mit dem Jobcenter gestritten um so schnell wie möglich auf C1 zu kommen und als arztin zu arbeiten (realistisch bekommt man eine Art Approbation light mit der man im KH unter besonderer Anleitung arbeiten darf bis die Anerkennung der ausländischen Approbation mit ggf Nachprüfungen durch ist). Da wäre ich mir zu schade für den bürokratischen Blödsinn des Jobcenters und solchen unverschämten Forderungen wie Regale einzuräumen.

    Ohne mir jetzt die zugrundeliegenden Vorschriften anzuschauen sagt mir mein Judiz als Jurist aber, dass da mit sicherheit Ermessensvorschriften relevant sind, oder jedenfalls die rechtliche Situation deutlich weniger “zwingend” ist als dargestellt oder vom Jobcenter präsentiert.

  10. Ist ein ukrainisches Medizinstudium vergleichbar mit einem deutschen Medizinstudium bzw. mit dem EU-Standard? Das ist nicht sarkastisch gemeint.

  11. Ist auch etwas bloed, weil sie ja dann in Konkurrenz zu geringqualifizierten Deutschen steht, und das dann wieder zu ein bisschen mehr Auslaenderfeindlichkeit in Form von “Die Auslaender nehmen uns die Arbeitsplaetze weg” fuehrt…

    Das ist ja bei Aerzten ganz anders, da haben wir ja einen signifikanten Mangel.

    Allerdings klingen einige Details im Artikel jetzt auch nicht so schlimm wie ich erwartet hatte:

    > So kommt es, dass Geflüchtete mit Studienabschluss und Erfahrung in ihrem Beruf erst einmal ausgebremst werden.

    Ist schonmal besser als wenn sie ihn garnicht ausueben koennen.

    > Ärztin soll bei der Arbeit im Supermarkt Deutsch lernen

    Natuerlich weit weg vom Optimum, aber ich denke schon, dass es besser als garnichts ist.

  12. gerade bei unserem ärztemangel kann ich so etwas absolut nicht nachvollziehen. dass sie nicht mal die möglichkeit bekommt, als arzthelferin zu arbeiten und währenddessen deutsch zu lernen ist meiner meinung nach absolut nicht nachvollziehbar. so würde sie direkt die fachsprache mitlernen und solange das deutsch noch nicht allzu gut ist, besteht immer noch die möglichkeit, auf englisch zu kommunizieren.

  13. Wäre schön, wenn so etwas auch für Spätaussiedler gegeben gätte. Wenigstens hat man aus Fehlern gelernt.

  14. Alles easy, wenn wir in Deutschland eines im Überfluss haben, dann qualifizierte Ärzte! /s

  15. Darf ich die Frage stellen warum zum Teufel eine Ärztin überhaupt Deutsch lernen muss? Deutsch ist scheiße schwierig und die Sprachprüfung für Mediziner stelle ich mir als zweites Studium im Grunde vor.

    Die meisten Ukrainer können unproblematisch Englisch, nur in im großartigen Land von Goethe muss natürlich Amtssprache Deutsch sein, weil sonst Opa Dieter einen zweiten Herzinfarkt bekommt.

    Die FDP hat mal einen guten Vorschlag gemacht, Englisch als zweite „ Amtsprache light“ einzuführen. Ist sofort gestorben nachdem im ÖD es eine absolute Revolte gab.

    Und jetzt mal ohne Scheiß. Auf dem Land will ich lieber eine ukrainische Ärztin als gar keine Ärztin.

  16. Was mich ehrlich gesagt wundert. In meinem alten Krankenhaus hatten wir viele Kollegen aus dem ehemaligen Ostblock, fast die komplette Neurochirurgie kam aus irgendwelchen zentralasiatischen *stans, genau wie die halbe Kardiologie (die andere Hälfte war vom Balkan). Bei einigen Kollegen waren wir ziemlich sicher, dass sie gefälschte Approbationen hatten, da sie von Tuten und Blasen wirklich null Ahnung hatten (“Das CRP sinkt!” – “Dann substituier es doch!”) und das Sprachniveau erst… wir hatten eine Ärztin in der Notaufnahme, der ein halbes Jahr lang eine Russisch sprechende Schwester hinterhergedackelt ist, weil sie einfach kein Deutsch konnte. Daher kann ich die Forderung nach einer entsprechenden Sprachqualifikation durchaus nachvollziehen, vor allem im medizinischen Bereich *und vor allem in der verfickten Notaufnahme* ist eine adäquate Kommunikation mit dem Patienten das A und O.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Kollegin ihren Facharzt schon hat und wenn nicht, dass sie viel aus der Ukraine anerkennen lassen kann. Das ist laut ausländischen Kollegen wirklich ein Problem, denn die hier genossene Weiterbildung wird erst ab dem Erhalt der Approbation anerkannt, und die zu bekommen dauert mitunter eine halbe Ewigkeit. Die kriegen zwar eine Arbeitserlaubnis, aber keine Approbation und sich rückwirkend die Zeit anerkennen zu lassen funktioniert auch nicht. Während der Zeit werden sie auch als Ärzte in Weiterbildung und nicht als Fachärzte bezahlt, was dem Krankenhaus natürlich gelegen kommt, wenn es einen Facharzt hat, diesen aber mit Assistenzarztgehalt abspeisen kann (nach Dienstjahren gestaffelt, wenn du frisch in D bist, kriegst du erstmal die niedrigste Stufe, egal ob du frisch von der Uni bist oder 20 Jahre Erfahrung hast). Natürlich nehmen Krankenhäuser solche Leute mit Handkuss, auch wenn es Ausbeutung ist. Gottseidank war ich in einem kommunalen Haus, in privat geführten Häusern muss das wohl noch schlimmer sein.

  17. Ich würde behaupten, dass jeder studierte Arzt auf dieser Erde mindestens die Chance auf Klausuren und Eingliederung im Praxisdienst verdient. Humanmedizin ist nirgendwo ein Studiengang, den Unfähige bestehen und die Ukraine ist auch kein Land, das für Kurpfuscher bekannt ist.

  18. Das ist gewollt so. Sind Anfang der 90er aus Russland gekommen, bei keinem meiner Verwandten wurde der Abschluss annerkannt. Und die haben alle Deutsch Kurse besucht, konnten auch schon deutsch. Meine Tante, war früher Lehrerin, hat es dann in Angriff genommen und ist Jahrelang zur Schule gegangen, um einen Realschulabschluss zu bekommen und hat eine Ausbildung zur Kindergärtnerin gemacht. Das waren mindestens 7 Jahre. Gleichzeitig hat sie sich viel anhören dürfen, dass sie deswegen ihre beiden Kinder vernachlässigt. Dazu musst du halt bereit sein.

    Würd gern einen Deutschen sehen, der 2 mal Schul- und Berufsausbildung machen würde.

    Deutsche wollen nicht, dass Ausländer arbeiten dürfen. Denn dann würden sie auf einer Stufe stehen mit den deutschen, denen Arbeit alles bedeutet. WENN dann werden die “Fachkräfte” aus einem anderen Land heraus abgeworben und dürfen dann mit sehr begrenzten Visas hier arbeiten. Auf keinen Fall darf der Ausländer dann seine Familie nachholen oder sich hier wohl fühlen. “Am Ende schnorrt der und seine Nachfahren sich sowieso durch unser Sozialsystem”.

    Ist auch kein Zufall, dass die Sozialleistungen merklich abgebaut wurden, nachdem Türkische Gastarbeiter sich hier angesiedelt haben. Man wollte sie zwar, weil sie hart arbeiten und die Klappe halten, aber sie wollten nicht, dass sie die selben Vorzüge genießen können wie die restlichen Deutschen. Darunter haben zwar auch extrem viel deutsche gelitten und tun es bis heute, aber das interessiert niemanden.

  19. > Sie braucht Sprachniveau C1, also fast wie Muttersprachler.

    C1 ist hoch, aber erst C2 ist fast wie Muttersprachler.

  20. So ein Problem gab es vor 35 Jahren auch schon Mal. Viele Uni Abschlüsse von ehemaligen DDR Bürgern wurden auch nicht anerkannt. Mein Opa war Architekt, meine Oma technische Zeichnerin im “Tal der Ahnungslosen”. Nach der Wende arbeitete meine Oma als Küchenhilfe in einer Steakrestaurant Kette und mein Opa auf dem Bau. Das hat bei denen zu sehr viel Verdruss geführt. Ich find es zwar nicht gut, dass sie mitlerweile in ihren 80ern irgendeinen AgD Stuss nachschwurbeln, aber ich kann ihren persönlichen Verdruss, der sie dazu geführt hat zumindest teilweise nachvollziehen. Die AgD mit ihrer gespielten permanenten Opferwurstrolle ist halt ein perfektes Auffangbecken, für die, die durch bestimmte historische Entwicklungen echt einen Rückschlag erfahren haben. Und an Sprachbarrieren hat es damals definitiv nicht gehapert.

  21. Man kann in so einem hoch spezifischen Bereich einfach nicht arbeiten wenn man die Sprache nicht suffizient beherrscht. Hab ich während der Ausbildung im Krankenhaus gesehen, da kamen wir mit dem Rea-Team auf ITS und weder der Russisch sprechende Dienstarzt noch seine Kollegin welche Hintergrund hatte, mit selbingen Sprachkenntnissen übrigens. Konnte is sagen was die Patientin hatte, es kam nur “ich kenne Patientin nicht.”

    Jetzt Problem auf der Rettungswache, das Sozialamt hat die RD-Schule bequatsch dass aus der Immigrations-RettSan-Klasse alle besehen müssen. Es sind natürlich alle durchgefallen aber haben trotzdem ein Zeugnis bekommen. Es wäre ein Vorzeigeprojekt und die fahren ja eh nur KTW.
    Jetzt haben wir den Salat und die Wachleitung hat die auf den RTW eingesetzt, Grund des Durchfallens war übrigens mangelnde Sprachkenntniss, man muss ja auch verstehen was gefragt wird. Versteht mich bitte nicht falsch, das sind nette Kollegen und die geben sich Mühe, nur reicht das eben in diesem Berufsfeld vorn und hinten nicht aus ,man kann sich mit Ihnen teilweise nicht unterhalten weder auf Deutsch oder Englisch. Anweisungen werden nicht verstanden, man bekommt falsche Medikamente angereicht, es werden andauernd kleinere Unfälle mit den RTW gebaut. Usw. es ist eine Katastrophe und nur eine Frage der Zeit bis ein kritischer Fehler passiert weil man übermüdet und überarbeitet nicht immer alles abfedern kann.
    Sowas muss und darf eigentlich nicht passieren, es ist auch sehr anstrengend wenn man sich auf seinen Sani nicht blind verlassen kann.

    Die Wachleitung unternimmt natürlich nichts, kein Angebot von Sprachkursen, keine Versetzung auf den KTW. Hautpsache die Karren rollen, Qualität rettet Leben! FML

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