>Nämlich: 20-Jährige waren schon immer weniger heiß auf lange Arbeitszeiten als die 45-Jährigen. Das war aber auch schon vor 30 oder 40 Jahren so.
Citation needed. Hier wird einfach das Gegenteil von Herbeireden gemacht. Es lohnt sich halt einfach nicht in dieser Generation hart zu arbeiten. Das ist ein echter Unterschied, und echte Spaltung.
Wer wird denn da eigentlich interviewt?
>[Martin Schröder] has recently published a book that shows the circumstances under which people are satisfied with their lives. His 2018-book has shown why people usually do not feel that their life is getting better, even though it objectively does. In several research articles, he has shown that people accept more income inequality when more inequality exists and that life satisfaction is lower when inequality increases in a country, but not when it is higher than in another country. He also combined Varieties of Capitalism and Esping-Andersen’s welfare regimes into a unified typology of capitalism.
Ah, deutscher Steven Pinker.
Ich würde mal behaupten, jede Generation seit Erfindung der Schrift (und sicher auch davor, aber die haben das nicht schriftlich festgehalten) hat über ihre Jugend gejammert, und jede junge Generation war angeblich die schlimmste ever.
Ich halte Generationen als Reibungspunkte und Kontrastgrenzen auch für Unfug.
Ich habe mit Boomern und Gen Alpha, die sich für gleiche Dinge interessieren, mehr Kontakt und Bezugspunkte als mit einem frühen Millenial oder einem GenY aus irgendeiner Subszene, die mich nicht betrifft.
Jahrgang 93 bin ich ziemlich nah an so einer ominösen Grenze, manche sagen 1995, manche 1998 und die Struggles von denen, auch aus 2002, sind auch meine.
Kein Soziologe glaubt an [Generationen](https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_(Gesellschaft)), so wie wir sie populär benutzen, es gibt kein globales, altesbedingtes Millieu, wir sollten dieses Konzept einfach mal streichen. (Also schon irgendwie, aber die Signifikanz und Relevanz sind anzuzweifeln)
Sämtliche Generationskonflikte sind mediengemacht – so schlimm wie das manche Medien herbei schreiben habe ich das nicht im Ansatz im beruflichen, privaten oder Hobby Bereich kennen gelernt. Ganz im Gegenteil: es gibt so viel mehr was einen verbindet als Sachen die einen trennen.
So sehr wie hier auf Reddit gegen “die Boomer” gewettert wird oder in konservativen Medien gegen “die Millenials” oder “die Gen-Z” halte ich das mittlerweile echt für eine dieser russischen Desinfo-Kampagnen, welche die Gesellschaft spalten soll.
Vielleicht ist das auch eine Frage der Bildung, aber in meiner Familie reden so viele Alte so unerträglich viel Blödsinn. Und schwimmen damit ganz gut die Welle der AfD/CDU und Springer Medien.
Ich stelle fest, dass das nur im Netz passiert. Im real besteht das Problem nicht. Es schreibt und lästert sich im Schutz der Anonymität halt so leicht
Oft ist auch so, Ältere haben Erfahrungen gemacht, die junge Menschen (noch) nicht nachvollziehen können und umgedreht.
Das spaltet natürlich.
Beispiel:
Boomer Frau an der Kasse regt sich auf über einen 10 Jährigen, der mit einem kleinen Pausenbrot und Getränk da steht und nicht genug Geld zum Zahlen hat.
Die jüngere Kollegin springt sofort und zahlt für das Kind.
Ältere Frau regt sich auf, meint man sollte nicht dem Kind angewöhnen, dass man immer zahlen wird, wenn es nicht genug dabei hat.
Klang natürlich erst bitter und schlecht.
Dann fiel mir auf, das Kind war gut angezogen und gepflegt. Hatte z.B. ein Minecraft-Sweatshirt an und auch ich weiß, dass diese nicht günstig sind.
Ja kann sein, dass es trotzdem in einer Notlage war. Aber ich arbeite auch nicht an der Kasse und habe nicht dieselbe Lebenserfahrung wie diese Frau.
Schwierig.
Trotzdem kann es zwei Arten von Generationenkonflikten geben, unabhängig davon, ob sie nun unterschiedlich ticken oder nicht: Erstens können auch herbeigeredete Unterschiede Konflikte hervorrufen und zweitens können Entscheidungen älterer Generationen nachteilige Auswirkungen auf die Lebensumstände der jüngeren haben.
Mir fehlen im Interview die Quellen und Bezüge (ja… ich weiß… das ist auch nicht der Anspruch eines solchen Interviews). Beruflich wie privat habe ich schon länger meine Probleme die gängigen Generationen-Zuschreibungen *so zu glauben*, darum hat dieser Soziologe mein Interesse an seiner Arbeit geweckt.
Wen die Hintergründe zu den Behauptungen im Interview auch interessiert (im Sinne einer ausführlicheren Argumentation und einigen wissenschaftlichen Bezügen dazu) –> ich hab etwas genauer nach Martin Schröder gegoogelt und fand auf seinem Blog einen echt interessanten, das Thema umfassend beleuchtenden Beitrag. [https://www.martin-schroeder.de/2023/07/17/warum-es-keine-generationen-gibt/](https://www.martin-schroeder.de/2023/07/17/warum-es-keine-generationen-gibt/)
“Generationen” in diesem Sinne sind eine Erfindung der Neuzeit und haben praktisch kaum wissenschaftlichen Nutzen, sie sind so etwas wie Sternzeichen für möchtegern-Soziologen.
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>Nämlich: 20-Jährige waren schon immer weniger heiß auf lange Arbeitszeiten als die 45-Jährigen. Das war aber auch schon vor 30 oder 40 Jahren so.
Citation needed. Hier wird einfach das Gegenteil von Herbeireden gemacht. Es lohnt sich halt einfach nicht in dieser Generation hart zu arbeiten. Das ist ein echter Unterschied, und echte Spaltung.
Wer wird denn da eigentlich interviewt?
>[Martin Schröder] has recently published a book that shows the circumstances under which people are satisfied with their lives. His 2018-book has shown why people usually do not feel that their life is getting better, even though it objectively does. In several research articles, he has shown that people accept more income inequality when more inequality exists and that life satisfaction is lower when inequality increases in a country, but not when it is higher than in another country. He also combined Varieties of Capitalism and Esping-Andersen’s welfare regimes into a unified typology of capitalism.
Ah, deutscher Steven Pinker.
Ich würde mal behaupten, jede Generation seit Erfindung der Schrift (und sicher auch davor, aber die haben das nicht schriftlich festgehalten) hat über ihre Jugend gejammert, und jede junge Generation war angeblich die schlimmste ever.
Ich halte Generationen als Reibungspunkte und Kontrastgrenzen auch für Unfug.
Ich habe mit Boomern und Gen Alpha, die sich für gleiche Dinge interessieren, mehr Kontakt und Bezugspunkte als mit einem frühen Millenial oder einem GenY aus irgendeiner Subszene, die mich nicht betrifft.
Jahrgang 93 bin ich ziemlich nah an so einer ominösen Grenze, manche sagen 1995, manche 1998 und die Struggles von denen, auch aus 2002, sind auch meine.
Kein Soziologe glaubt an [Generationen](https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_(Gesellschaft)), so wie wir sie populär benutzen, es gibt kein globales, altesbedingtes Millieu, wir sollten dieses Konzept einfach mal streichen. (Also schon irgendwie, aber die Signifikanz und Relevanz sind anzuzweifeln)
Sämtliche Generationskonflikte sind mediengemacht – so schlimm wie das manche Medien herbei schreiben habe ich das nicht im Ansatz im beruflichen, privaten oder Hobby Bereich kennen gelernt. Ganz im Gegenteil: es gibt so viel mehr was einen verbindet als Sachen die einen trennen.
So sehr wie hier auf Reddit gegen “die Boomer” gewettert wird oder in konservativen Medien gegen “die Millenials” oder “die Gen-Z” halte ich das mittlerweile echt für eine dieser russischen Desinfo-Kampagnen, welche die Gesellschaft spalten soll.
Vielleicht ist das auch eine Frage der Bildung, aber in meiner Familie reden so viele Alte so unerträglich viel Blödsinn. Und schwimmen damit ganz gut die Welle der AfD/CDU und Springer Medien.
Ich stelle fest, dass das nur im Netz passiert. Im real besteht das Problem nicht. Es schreibt und lästert sich im Schutz der Anonymität halt so leicht
Oft ist auch so, Ältere haben Erfahrungen gemacht, die junge Menschen (noch) nicht nachvollziehen können und umgedreht.
Das spaltet natürlich.
Beispiel:
Boomer Frau an der Kasse regt sich auf über einen 10 Jährigen, der mit einem kleinen Pausenbrot und Getränk da steht und nicht genug Geld zum Zahlen hat.
Die jüngere Kollegin springt sofort und zahlt für das Kind.
Ältere Frau regt sich auf, meint man sollte nicht dem Kind angewöhnen, dass man immer zahlen wird, wenn es nicht genug dabei hat.
Klang natürlich erst bitter und schlecht.
Dann fiel mir auf, das Kind war gut angezogen und gepflegt. Hatte z.B. ein Minecraft-Sweatshirt an und auch ich weiß, dass diese nicht günstig sind.
Ja kann sein, dass es trotzdem in einer Notlage war. Aber ich arbeite auch nicht an der Kasse und habe nicht dieselbe Lebenserfahrung wie diese Frau.
Schwierig.
Trotzdem kann es zwei Arten von Generationenkonflikten geben, unabhängig davon, ob sie nun unterschiedlich ticken oder nicht: Erstens können auch herbeigeredete Unterschiede Konflikte hervorrufen und zweitens können Entscheidungen älterer Generationen nachteilige Auswirkungen auf die Lebensumstände der jüngeren haben.
Mir fehlen im Interview die Quellen und Bezüge (ja… ich weiß… das ist auch nicht der Anspruch eines solchen Interviews). Beruflich wie privat habe ich schon länger meine Probleme die gängigen Generationen-Zuschreibungen *so zu glauben*, darum hat dieser Soziologe mein Interesse an seiner Arbeit geweckt.
Wen die Hintergründe zu den Behauptungen im Interview auch interessiert (im Sinne einer ausführlicheren Argumentation und einigen wissenschaftlichen Bezügen dazu) –> ich hab etwas genauer nach Martin Schröder gegoogelt und fand auf seinem Blog einen echt interessanten, das Thema umfassend beleuchtenden Beitrag. [https://www.martin-schroeder.de/2023/07/17/warum-es-keine-generationen-gibt/](https://www.martin-schroeder.de/2023/07/17/warum-es-keine-generationen-gibt/)
“Generationen” in diesem Sinne sind eine Erfindung der Neuzeit und haben praktisch kaum wissenschaftlichen Nutzen, sie sind so etwas wie Sternzeichen für möchtegern-Soziologen.