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Wer sich schon ein bisserl länger mir erneuerbarer Energie und Energiewende beschäftigt und vielleicht auch die eine oder andere Diskussion mitgemacht hat, kann sich vielleicht noch erinnern, wie man noch vor 3 bis 10 Jahren über PV Strom gesprochen hat.

Unmöglich umzusetzen, Nutzlos, Flatterstrom, Linksgrünes Ideologiegebilde.
Wie willst den ganzen Strom überhaupt verteilen? Alleine die ganzen Stromtrassen, die im ganzen Land neu gebaut werden müssen um Sonnenstrom zu transportieren sprengen jeden finanziellen Rahmen. Das wird sich nie auszahlen, und wofür auch? Der Strom ist gut leistbar, PV extrem überteuert, das Gas aus Russland so günstig.

Auf Wikipedia findet man unter LCOE einen recht schönen Graph, laut dem die Photovoltaik
2010 billiger wurde als Gas Peaker
2011 billiger wurde als Solarthermie
2013 billiger wurde als Geothermie, Kohle und Atomstrom
2015 billiger wurde als Gas

Wie ging eigentlich der Netzausbau voran, wo sind die ganzen neuen Stromtrassen?
Transportiert wird aktuell jedenfalls recht viel PV-Strom – genug jedenfalls, um diesen gerne um 0-5 Cent zu verkaufen und den Abnehmern in Extremfällen auch 10-20 Cent zu zahlen.
Ja, den Großteil machen wir immer noch mit Wasserkraft. Aber wo sind die laufenden Blackouts, weil die PV unsere Netze überlastet? Da waren einige Bürger sehr besorgt und bis heute haben PV Anlagen das Netz eindeutig mehr unterstützt als belastet.

Natürlich geht es bei der Energiewende nicht nur um Photovoltaik. Heizen und Verkehr machen noch einen großen Teil unseres Energiebedarfs aus, und diese lassen sich doch bei Gott nicht elektrifizieren. Günstiger als Öl oder Gas heizen geht kaum, und wie soll das mit den Autos gehen? Wenn plötzlich alle ein E-Auto haben sind doch unsere Netze überlastet und alles bricht zusammen – hieß und heißt es zumindest aus manchen Kreisen.

Aktuelles Beispiel E-Autos: Die Wasser Laufkraftwerke müssen teilweise gedrosselt werden weil nicht genug Abnehmer da sind.
Alleine gestern wurden in Österreich von 10 bis 16 Uhr rund 12GWh PV Strom produziert ( https://app.electricitymaps.com/zone/AT – Produktionswert Daumen mal Pi) – also 12.000.000kWH. Geht man von 25kWh Verbrauch pro 100km aus (auch wenn 15kWh/100 durchaus realistisch sind) komme ich auf – korrigierts mich bitte – 48 Millionen PKW Kilometer, die während der Arbeitszeit aus der Schuko hätten kommen können, nur von der gestrigen PV Leistung alleine. Also rund ein Drittel der täglich gefahrenen Kilometer: lt Google 5 Millionen PKW zugelassen und täglich je nach Quelle 25 bis 35km Fahrleistung im Schnitt.
Also im Schnitt. Inklusive dem Roadtrip nach Kroatien, inklusive den ich-fahr-im-Monat-4-Tausend-km-weil-lustig Fahrern (kenne so einen). Das tägliche Pendeln wäre sich also schon für viele ausgegangen, nur aus dem PV Strom.
Und dabei haben wir noch nicht mal über Öffis, Fahrgemeinschaften oder E-Bikes nachgedacht.

Beispiel kochen: ein Induktionsherd braucht ein Drittel der Primärenergie verglichen mit einem Gasherd. Hab ich jemandem mal empfohlen und bekam zu hören, dass Gasherde einfach alternativlos sind im Altbau, weil wie will man da den vielen Strom reinbringen, sind ja alles alte Kabel?
Schuko Einphasig Brudi, ziemlich Easy. Aber lass dir ruhig einreden, was alles nicht gehen wird.

Und ja, Heizung auf Wärmepumpe umzustellen ist preislich ziemlich heavy, aber eben auch um ein vielfaches effizienter als weiter mit Öl und Gas zu heizen. Aber klar wollen einem heute alle die Pelletsheizungen andrehen, sind ja so eine nachhaltige Alternative. Einfach wieder mit Holz heizen, weil es ja endlos vorhanden ist /s

Bitte, bitte, bitte lassts euch nicht von den schwurbligen Facebook posts verarschen. Die Technologie die wir brauchen um die Kurve zu kriegen ist längst da.

Obligatorischer Oachkatzerlschwoaf fürs viele Lesen – dankeschön.

by pickingnamesishard69

2 comments
  1. PV ist eine geniale Technologie, allerdings (noch) nicht Grundlastfähig, weils nicht durchgehend mit derselben Leistung am Netz hängt. Wie du sagst, man musste ein Wasserkraftwerk drosseln, weil die PV mehr Strom produziert hat und zu wenige Nutzer im Netz waren. Heißt, es macht keinen Unterschied ob die PV da war oder nicht, das Wasserkraftwerk hätte den Bedarf gedeckt.
    Trotzdem hat man zwei Kraftwerke die Geld kosten, was halt auch nicht effizient ist. 

    Da braucht man effiziente Speichermöglichkeiten und Alternativen um den Strom zu produzieren, sollte mal eine Woche kaum dir Sonne raus kommen. Ich wäre für Wasserstoff als Speicher, das lässt sich leicht produzieren, leicht Speichern und auf lange Sicht auch als Alternative für Gas ins Gasnetz einspeisen. 

    Mit PV Anlagen begeben wir uns auf kurz oder lang in Abhängigkeit von China, was ja auch nicht das Ziel ist. China und Taiwan sind die Vorreiter in Sachen Halbleitertechnologie, >90% der Halbleiterelektronik kommt von dort, wir können in Europa NIE so billig produzieren. 

    Auf privater Ebene ist das ganze ein bissi anders. Für den Eigenbedarf gibt es Speichermöglichkeiten, dazu werden zum Beispiel alte Autobatterien oder EAuto Batterien (Tesla Power Wall) verwendet.
    Der Eigenbedarf lässt sich unter Tags damit gut decken und das gesamte System rentiert sich in absehbarer Zeit (~10-20 Jahre) 

    Technischer Hintergrund, warum viele Leute Blackouts befürchten:
    Besonders der private Sektor macht den Netzbetreibern „Sorgen“ (die haben aber zum Glück eh alles im Griff). 
    Wie gesagt ist die Photovoltaik sehr schwankend (volatil, nicht durchgehend verfügbar). 
    Dadurch wird innerhalb kürzester Zeitspannen mal mehr und mal weniger Strom produziert und ins Netz eingespeist.
    Der private Sektor kann vom Netzbetreiber nicht einfach so vom Netz genommen oder zugeschaltet werden, wie ein Kraftwerk, wo die den Betreiber anfunken „Wir brauchen in einer Stunde diese Leistung, bitte hochfahren“. 
    Eine erhöhte Leistung bedeutet eine verringerte Netzfrequenz und umgekehrt. Wenn die Netzfrequenz schwankt (49.98<f<50.02) bedeutet das auch, dass die Generatoren in den Kraftwerken schneller oder langsamer drehen und bei großer Schwankung kann das im schlimmsten Fall zur Zerstörung der Kraftwerke führen. Dann müssen der Generator und/oder die Turbine getauscht werden und das dauert, weil man solche Ersatzteile nur in geringen Stückzahlen zur Verfügung hat. 

    Je mehr Leute also privat einspeisen, desto instabiler kann das Netz werden, weil man diese nicht regeln kann wie ein kommerzielles Kraftwerk. Gleichzeitig findet eine Art „Glättung“ statt, das heißt, je mehr einspeisen, desto mehr stabilisiert sich das von selbst, weil die Leute ja auf einem Verteiler sitzen und dann „gemeinsam“ ins 110,220, 380kV Netz usw. einspeisen und dann quasi die „Summe“ zählt. 

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