
Gestern war Tirol in Zusammenhang mit verantwortungslosem Skiparty-Betrieb wieder in [den Medien](https://www.heute.at/s/naechste-wilde-omikron-party-im-ho-club-in-kitzbuehel-100185890). Auch wenn reißerische Begriffe wie “Omikron-Party” nicht von Qualitätsjournalismus zeugen, so verstehe ich den öffentlichen Unmut darüber sehr gut.
Als Tiroler schäme ich mich für solche Aktionen sehr. Nicht nur, dass es völlig rücksichtslos und dumm ist, bei steigenden Inzidenzzahlen und auftretenden Mutationen solche Parties zu veranstalten, es zieht auch den bundesweiten Ruf vom Skibetrieb und von Tirol komplett in den Dreck.
Skifahren, Skitourismus und Après Ski sind verschiedene Paar Schuhe. Die Bergbahnbetreiber bei uns haben enormen Aufwand betrieben, den Betrieb an sich maßnahmenkonform umzusetzen. Die Liftkarten werden ohne gültigen 2G-Nachweis nicht freigeschaltet, die FFP2-Tragepflicht wird konsequent kontrolliert. Skifahrer ohne FFP2-Maske dürfen nicht einsteigen oder können eine FFP2-Maske entweder vor Ort kaufen oder bekommen die sogar geschenkt.
Das rein sportliche Skifahren, also Bewegung an der frischen Luft und Sonne tanken, ist insofern völlig konform mit den Maßnahmen umsetzbar und sollte in Maßen auch problemlos im Einklang mit
Problematischer wird es aber schon beim Thema Skitourismus. An den Wochenenden strömt halb Bayern in die Tiroler Skigebiete, füllt schnell die Kapazitäten und hat natürlich entsprechend riskanten Austausch zur Folge. Wenn sich die in Bayern anstecken, es nach Tirol bringen, und dann ihrerseits in der Gondel die Masken abnehmen und andere anstecken, sind wir wieder schuld. Statt einfach das ganze zu entzerren, und nicht nach der allerersten Abfahrt in der Früh zu geiern, die man sich am Wochenende sowieso stecken kann, weil man sich die mit 100 Preissn teilen wird, muss auf Biegen und Brechen ganz Bayern um 07:30 im Stau auf der A8 am Irschenberg stehen.
Hauptsache eine Gondel früher oben sein, statt einfach mit seinem Haushalt zusammenzubleiben und die Lifte möglichst nicht zu teilen.
Da sehe ich die Schuld auf beiden Seiten – uns Tirolern hier alleinig den Vorwurf zu machen und UNS dann von bayerischer Seite aus zu sanktionieren (Looking at you, Markus Söder), ist sicher nicht ganz gerechtfertigt.
Dann natürlich die üblichen Skilehrer-Cluster, von Seiten britischer oder niederländischer Skilehrer. Ich kann mir ganz genau vorstellen wie das abläuft: “Ihr seids eh geimpft oder so?” -“Ja”, “Ok, ja, wird scho passen”. Dank den Wapplern können dann örtliche Skischulen, an denen auch Arbeitsstellen hängen, zusperren.
Zu guter Letzt aber der Après-Ski-Betrieb, und das ist der Punkt, an dem ich absolut kein Verständnis mehr habe. Das ist nämlich genau der Katalysator in Hinblick auf die Inzidenzzahlen und Mutationen. Das hat rein gar nichts mehr mit Skibetrieb in Pandemiezeiten zu tun, und ich kann euch schwören, dass sich die Betreiber (zumindest bei uns) ganz klar davon distanzieren, da es schließlich auch für sie nur negative Konsequenzen haben kann, und die teuren Maßnahmen zunichte macht.
Ich denke nach den Skandalen in und rund um Ischgl hat(te) Tirol die Chance, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen, und jetzt greifen die Unbelehrbaren wieder ins Klo und lassen die, die sich den Arsch aufreißen, schlecht dastehen.
Bin absolut leidenschaftlicher Skifahrer und habe dank Saisonkarte das Glück, dass ich mir die Tage aussuchen kann, an denen ich Skifahren gehe. Aber Skifahren **muss** wieder auf den sportlichen Aspekt reduziert werden, maximal mit stark reglementiertem Verpflegungsgastronomiebetrieb. So wie es jetzt ist, ist es wieder nur zum Schämen.
13 comments
Danke für den ausführlichen Post. Ganz der Meinung. Skifahren ist ja an sich nicht schlimm. Es ist alles drum herum. So liebend gerne ich auch gerne Snowboard fahren gehen würde, als Wiener ist das halt einfach gerade echt nicht nötig. Sollen sich alle Tiroler daran erfreuen, wenn sie dort leben, wo man direkt Skifahren kann, aber jeder andere kann doch wohl noch warten. Skifahren/Snowboarden ist jetzt kein Lebensbedürfnis (so amüsant es auch ist, gerade wenn man so bescheuert unterwegs ist wie ich)
Unterlandler fühlt mit dir. Die Automassen aus Deutschland verstopfen an den Wochenden die Straßen rund um Kufstein. Bin froh dass sie die Fahrverbote wieder eingeführt haben.
Und sonst kann nur zustimmen. Ski fahren an sich kein Problem, aber Apres Ski und gierige Touristiker nerven.
alle haben am anfang der saison gewusst was in virol passieren wird und jeder der jetzt überrascht tut ist ein ziemlich schlechter lügner.
> Da sehe ich die Schuld auf beiden Seiten – uns Tirolern hier alleinig den Vorwurf zu machen und UNS dann von bayerischer Seite aus zu sanktionieren (Looking at you, Markus Söder)
das sind genau die dinge die im vornhinein klar waren, klar sind die betreiber schuld und nicht die touristen. Was für Sanktionen hätten die Bayern denn gegen sich selbst fahren sollen, einreiseverbot aus tirol für bayern?
Ich geb dir zu 100% Recht und verabscheue die heimische Touristikermafia. Den Bayern kann man’s ja nicht mal vorwerfen, dass die in Massen hier einfallen – es ist ja wirklich schön. Und wir haben einfach keinerlei Handhabe mehr, um das irgendwie zu beschränken. Vor allem sind diejenigen, die für Lenkungsmaßnahmen sorgen könnten, ja genau die, die am meisten von dem Ausverkauf profitieren.
Im Endeffekt wird wohl der Klimawandel das Problem lösen.
Sie scheissen auf die Gesundheit der Gäste und der Menschen generell – Hauptsache die Kassa klingelt.
Als Tirolerin kann ich dir nur zustimmen. Sprichst mir von der Seele. Und sage dazu nur… Adlerrunde…
Es war leider zu erwarten, als Frau Köstinger im Herbst das Maßnahmen Paket für den Wintertourismus vorgestellt hat. Was in Bildungsreinrichtungen geschieht oder gesehen soll war vollkommen egal.
Wir werden von ein paar Seilbahnbetreibern regiert! Und ganz ehrlich, mittlerweile hab ich echt kein Mitleid mehr mit den Arsch******, die jetzt noch Apres-Ski Partys machen. Erklärt das mal einer 4-köpfigen Familien in einer 85 m² Wohnung in einer beliebigen Landeshauptstadt im Lockdown oder in Quaratäne!
Sollens zusperren die Top-Gastronomen, ich sehe überhaupt nicht mehr ein, das solche Betriebe irgendwas gefördert bekommen. Die müssten die zumindest die Coronahilfen von dem Quartal zurück zahlen und für zumindest ein Jahr für Hilfen gesperrt werden. Wenn das nochmal auftritt, entziehe ich ihnen den Gewerbeschein und die Konzession!
Zahl mal eine Rechnung nicht, fahr mal um 15 km/h zu schnell oder hab 0,1 Promille zu viel (schon klar, keine Kavaliersdelikte!), da bekommt der Rechtsstaat Muskeln. rant out.
Und wenn wir Italien fragen, ob sie Nord gegen südtirol tauschen wollen?
Bin selber aus Tirol, bin jede Woche Skifahren und Skitour und kann Dir nur zupflichten.
Mir selbst geht es nur ums Skifahren, der ganze andere Schmarrn drumherum (Apre Ski) hat nix damit am Hut, wirft aber leider ein schlechtes Licht auf diejenigen (die Masse), die einfach nur Skifahren möchten.
Ich kann euch versichern, dass wir Einheimischen zum Großteil die Regeln beachten und einfach nur froh sind, mit unsren Brettern den Berg runterbrettern zu können. Die negativen Meldungen sind leider (und das ist Tatsache) auf uneinsichtige Touristen zurückzuführen, die sich in ihrem schweineteuren Skiurlaub ja unbedingt jeden Abend die Birne zuknallen müssen. Das sie schlechte Skifahrer sind, nicht ihrem Können entsprechend fahren und teilweise richtig gefährlich am Weg sind, ist wieder eine andere Sache.
Auf jeden Fall: i bin einfach froh, dass i Skifoan gian kann 🙂
Situation ist ernst, random Tiroler nimmt Stellung zu tat die nicht von ihm verübt wurde.
Schuldfrage hin oder her, es wär vieles nicht so schlimm, wenns halt noch **MASS UND ZIEL** gäbe. Aber das gibts ja nicht mehr. JEDES Wochenende Stau, JEDES verlängerte Wochenende (auch im Sommer) fliegt ganz Deutschland über Tirol drüber, dazu noch Holländer und der halbe Ostblock. Immer noch mehr und mehr und mehr LKW, seit 30 Jahren heißt es, es soll mal alles weniger werden, aber es wird immer mehr. Jeder muss individuell auf Teufel komm raus um die halbe Welt wenn mal ein paar Minuten frei sind.
Im ersten Lockdown hat man gemerkt, wie gemäßigt es zugeht, wenn sich mal jeder ein bisschen zusammenreißt. 2 Monate später war wieder jedem alles egal. “Sollen halt die anderen daheim bleiben, ich flieg für 5€ nach Malle oder fahr skifahrn”
Dass wir die Pandemie in Tirol nicht in den Griff bekommen ist quasi auf kleinem Maßstab dasselbe wie die Welt, die den Klimawandel nicht in den Griff bekommt.
versteh nicht warum immer so auf den Apres ski geschumpfen wird. wo genau sieht man eig den unterschied zw apres ski und normaler bar ?
ich geh gerne touren Ski und dann geth man danach halt auch mal in die bar wie es momentan ja auch erlaubt ist 2G wird überall kontrolliert was will man denn mehr ? Wieder alle bars zusperren am besten gasthäuser gleich mit `?
Ok. Grundsätzlich geb ich dir Recht. Es ist nur so: 2g wird am lift und sicherlich auch im restlichen Österreich zu 99% falsch kontrolliert. So lange sie nicht mit einem Ausweis abgleichen ist es für die Katz. Zu einfach kann ich mit einem Screenshot 2g aushebeln. Aber egal, das ist bestimmt nicht der grund für die hohen Fallzahlen in Skigebieten.
Zweitens: apres ski bringt einfach enorm viel Geld und viele Betriebe und Familien sind von diesem Einkommen abhängig. Genügend Urlauber kommen nur wegen dem Spaß an der Party nach Tirol. Dass dies in der Pandemie nicht möglich ist, ist klar. Die Betriebe bekommen aber nicht die nötige Unterstützung und versuchen daher einen eingeschränkten, den regeln entsprechenden betrieb um über die Runden zu kommen.
Drittens: Man kann leuten nichts verbieten. Wenn sie sich besaufen wollen tun sie das auch im sitzen, bei leiser Musik, nachmittags. Betrunkene Menschen ignorieren die regeln und so entstehen die Videos die wir alle kennen. So schnell kann man die gar nicht rauswerfen. Dass es bei diesen Situationen schwarze Schafe unter den Betrieben gibt bestreite ich nicht.
Wir können Alkohol verbieten. Wir können keine Promillegrenze einführen. Wir können nicht in jedem Lokal die Security anzahl verdreifachen. Wir können apres ski verbieten und die davon direkt und indirekt abhängigen Betriebe uneingeschränkt solidarisch finanziell unterstützen. Ich glaube nicht dass dies eine gute Lösung ist. Ein schneller Umstieg überall auf “sanften Tourismus” ist ebenso illusorisch.