
Bildungsforscher ziehen Bilanz: Fast alle schulpolitischen Maßnahmen seit dem ersten PISA-Schock sind – gescheitert
by M______-

Bildungsforscher ziehen Bilanz: Fast alle schulpolitischen Maßnahmen seit dem ersten PISA-Schock sind – gescheitert
by M______-
10 comments
Tja. Machste nix. Bundesregierung hat sich auch gefälligst aus dem Thema Schulbildung rauszuhalten, das ist immerhin Ländersache. Aber wo wir schon beim Thema sind: Mehr Geld bitte, danke.
Solange der Föderalismus einer tatsächlichen, bundesweiten Reform im Wege steht und die Landesfürsten schlicht nicht bereit sind, auch nur ein bisschen Kontrolle abzugeben, um die Situation nachhaltig zu verbessern, wird auch der zweite PISA-Schock keine Konsequenzen mit sich ziehen.
Aber gut, bei der aktuellen Bildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger sind die 4 Jahre eh verloren. So eine deplatzierte Person…
Ich kann diese PISA Hysterie nich mehr hören. Jetzt legen hier weider in den Kommentaren alle los mit ihren geilen Ideen woran es jelegen hat und vor allem wie man es ganz bestimmt viel besser machen kann als die dummen Verantwortlichen oder Lehrer oder Eltern oder was weiß ich. Deutschland ist im internationalen Vergleich immer noch in jedem Bereich über OECD-Durchschnitt und immer im obersten Drittel anzutreffen. Eine der zentralen Punkte der PISA-Studie, die in der Tat immer noch ein riesen Problem ist in Deutschland sind nicht die Leistungen, die sind akzeptabel im Vergleich (wenn auch schlechter werdend). Es ist die verdammte Ungleichheit der Bildungschanchen für Kinder aus Bildungsfernen Familien die besonders heftig ist in Deutschland. Es ging nie darum den einsträngigen Ganztag einzuführen, um die Kinder schlauer zu machen (hier wurden ja kognitive Effekte gemessen), sondern um die Durchlässigkeit für sozial schwächer gestellte zu erleichtern. Klappt aber leider nur bedingt, weil unterfinanziert.
Wir haben nichts am System geändert wieso wurden keine besseren Ergebnisse erzielt ? /s
Nein, doch, oh.
Es wurde einiges an der faktenbezogenen/inhaltlichen Lehre herumgeschraubt und sozial alles gelassen, wie es ist. Jedes zweite Grundschulkind erlebt Gewalt und/oder Ausgrenzung [(Quelle)](https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-04/studie-grundschueler-ausgrenzung-gewalt).
Mindestens 25% der Interaktionen mit Lehrern sind für die Kinder verletzend/negativ [(Quelle)](https://www.fr.de/panorama/gewalt-an-schule-lehrer-wie-oft-gewalttaetig-schulbarometer-lehrer-gegen-schueler-psychisch-zr-93078388.html). Kaum jemand will den Job zu den bestehenden Konditionen noch machen, deshalb dürfen die fragwürdigem Gestalten die man selbst noch kennt fröhlich unkontrolliert weitermachen, von innerer Kündigung bis Anführen den Mobbing-Rudels war da ja schon zu meiner Zeit alles dabei. Die paar motivierten Lehrer*innen, die es als Nadel im Heuhaufen immer mal gibt, werden von Bürokratie und der Haltung der Kollegen zerrieben.
Aber ja, lasst uns mal ein paar iPads kaufen, das rettet es bestimmt.
Da bin ich aber wirklich – platt.
Solange niemand zwischen Bund und Ländern bereit ist, signifikante Geldmengen in die Hand zu nehmen, um die Bildungsbudgets zu verdoppeln, zu verdreifachen oder gar zu vervierfachen, wird sich da auch bei allen pädagogischen Neuausrichtungen und Projektideen wenig ändern.
Flächendeckend kleinere Klassen, hohe Betreuungsschlüssel an Sozialarbeitern, Krankenpfleger und Psychologe an jeder Schule, besser finanzierte Jugendämter, höhere Lehrergehälter oder zumindest attraktivere Arbeitsbedingungen durch geringere Stundenzahlen, eine Entlastung durch verpflichtende und professionelle vorschulische Sprachförderung für Nichtmutersprachler, finanzierte Nachhilfe für Kinder aus finanziell benachteiligten Familien, permanente Doppelbesetzung in Klassen mit integrativ beschulten Kindern (oder zumindest ein viel höheren Schlüssel als aktuell), Renovierung vieler baufälliger Schulgebäude und Klassenzimmer und eine vernünftige Essens- und Aktivitäteninfrastruktur für eine Ganztagsbetreuung.
Das Land will halt nur bildungspolitisches Wunderwirken zum Preis von Notbetreuung.
Das geht schon, gewinnt man nur anscheinend keine Wahlen mit.
Ist schon echt erstaunlich. Es wird immer weniger für Bildung ausgegeben und dann sowas. Damit konnte man nicht rechnen /s
> Leistungsschwache […] Schüler sollten nicht mehr sitzenbleiben, sondern besser gefördert werden, um Verzögerungen in der Schulkarriere zu vermeiden. „Dies hat zu einer Reduktion verzögerter Schulkarrieren geführt“, bilanziert das MINT Nachwuchsbarometer.
Weniger Jahre Schule = weniger Jahre Schule? Genius
Was ist denn “Verzögerung der Schulkarrieren” überhaupt für ein Maß? Einerseits heißt es immer jeder habe sein eigenes Lerntempo, andererseits sollen aber bitte alle gleich schnell fertig sein und dann den gleichen Bildungsstand haben?
Und der moderne Gedanke eines durchlässigen Schulsystems, wo alle zusammen sind, ist ja löblich, aber das System “ein Lehrer vor 30 Kindern funktioniert” da einfach nicht mehr. Bei einer homogenen Gruppe ging das gerade noch so, aber wenn nun jeder einzeln gefördert werden soll (und wenn keiner durchfällt ggf. nicht mal annähernd den richtigen Wissensstand hat), darf man sich nicht wundern, dass das nicht funktioniert. Ist dann vielleicht gerechter, weil jeder die gleiche Chance hatte, aber vom Ergebnis nicht besser, weil es für alle schlechter wird.
Wir wissen was sonst auch noch helfen würde und wenn man sich die Frage stellt, warum hier wie mit dem Skalpell um das Problem herum operiert wird, dann kommt man dem eigentlichen Problem etwas besser auf die Spur.
https://www.deutschlandfunk.de/bildungsgerechtigkeit-soziales-armut-bildung-100.html?utm_source=pocket_saves
“Burghardt weißt darauf, dass Begabung keine Rolle spielt. Vielmehr handele es sich um eine Ideologie, über die „gesellschaftliche Ungleichheiten naturalisiert, erklärt und eben legitimiert“ werden, so Burghardt. Daraus kann resultieren, dass Leistung von Kindern aus einkommensschwachen Familien deutlich schlechter bewertet wird als die gleiche Leistung von Kindern aus wohlhabenderen Familien.”
” Welche Lösungsansätze gibt es für mehr Bildungschancen?
Ein Baustein auf dem Weg zur Chancengleichheit sei die spätere Verteilung auf verschiedene Schularten, sagt der Bildungsforscher Ludger Wößmann: „Es müsste dazu kommen – und das ist in Deutschland ein heikles Thema –, dass wir nicht schon nach der vierten Klasse aufteilen auf verschiedene Schularten. Denn dann haben die bildungsfernen Schüler wenig Chancen gehabt, ihr volles Potenzial zu zeigen. De facto wird dann nach der dritten Klasse entschieden, wo ich hingehe. Wenn das so früh ist, dann sehen wir sehr stark, dass diese Entscheidung besonders stark von dem familiären Hintergrund abhängt und gar nicht so sehr von dem wirklichen Potenzial der Kinder. Länder, in denen das später geschieht, schaffen es, dass am Ende der Schulzeit größere Chancengleichheit besteht.“