Prognose: Musisch-künstlerische Bildung in Schulen geht weiter den Bach herunter – Lehrermangel in Musik und Kunst weitet sich aus

by hydratereload

10 comments
  1. Ich würd den Job schon übernehmen, aber mir hat’s hald nie jemand gelernt

  2. Hat Jemand Erfahrung damit wie das so möglich wäre mit eine BA in Kommunikationsdesign als Quereinsteiger für Kunst zu unterrichten?

  3. Man muss einfach anfangen Lehrer effizienter einzusetzen. Jemandem wie mir Kunst oder Musik beizubringen ist einfach die totale Verschwendung, weil es mich nun mal null interessiert. Ich hätte gerne mehr MINT fächer in der Schule gehabt, andere hätten lieben mehr Kunst und Musik gehabt. Setzt die Lehrer da ein wo sie was bewirken und Schülern weiter bringen können.

    Wenn wir allen, alles ein bisschen beibringen, dann können wir als Gesellschaft hinterher auch alles nur durchschnittlich gut. Wenn jeder aber eine Sache richtig gut kann und andere evtl. richtig schlecht, dann können wir als Gesellschaft hinterher auch alles überdurchschnittlich gut. Wir weisen den Menschen nach der Schule ja schließlich nicht einfach zufällig die Jobs zu.

  4. Musik war an meiner Grundschule und meinem Gymnasium vor 25 Jahren schon einfach das Fach, wo du ohne Vorkenntnisse oder Gesangstalent nur versagt hast. Den Kindern mit vorhandener Instrumentenerfahrung wurde gehuldigt, alle anderen lernten nix und bekamen auch nix.

    Und bei Kunst ging es immer nur ums Ego der Lehrkraft anstatt um das eigene Entdecken und Ausprobieren. Wer auch hier schon was konnte, der traf öfter bessere Noten, weil es zumindest handwerklich gut war.

    Ist doch klar, dass solche Konstrukte überhaupt nichts befeuern außer Hass und völlige Lustlosigkeit auf diese Themen, wenn Tyrannen die ganze Erfahrung beherrschen.

    Genauso ging es mir bei Sport. Hat vollständig die Lust an Bewegung zerstört. Das musste ich selbst erst erlernen als Erwachsener.

  5. Da ich noch nie gute musisch-künstletische Bildung erlebt habe, bin ich gerade sehr überrascht, dass es da noch den Bach runter gehen kann, dachte wir wären schon auf dem Teichboden…

  6. > Kunst und Musik sind keine verzichtbaren Nebenfächer – sondern fester Bestandteil einer zeitgemäßen Bildung, zu der die Fähigkeit zur kreativen Problemlösung gehört.

    Ok, an sich Zustimmung.

    Aber diese Beschreibung deckt sich nicht mit meiner schulischen Erfahrung. Provinz im Westen NRWs, generell gut aufgestellte Gegend. Kein Lehrermangel am örtlichen Gymnasium, zumindest nicht zu meiner Schulzeit. Ausreichend Geld für Kunst und Musik. Für die Tonne war der Unterricht trotzdem.

    Sowohl in Kunst als auch Musik konnten die Kinder die eh gut darin waren bzw. sich in ihrer Freizeit damit beschäftigen, sich in verschiedenen durchaus interessanten Projekten zwar mehr oder weniger austoben. Aber das ist ja nicht der Sinn des Ganzen. Es gab absolut null Anstrengung, den ganzen Rest zu begeistern oder zu involvieren. Im Zweifel gabs immer am Ende die 3+ fürs Triangel spielen. Ich hab beide Seiten der Medaille erlebt (mehrere Instrumente gespielt, aber in Kunst bis heute nicht ganz das Niveau eines dreijährigen erreicht) und glaube nicht, dass diese Fächer in der Form wie es sie bei uns an der Schule gab eine wirkliche Daseinsberechtigung hatten.

  7. Kunst war bei mir damals ausschießlich: Malt mal was.

    Die jenigen die das woanders gelernt hatten bekamen dann gute Noten und alle anderen waren halt schlecht. Da bei mir der Unterschied zwischen Abgeben und nichts Abgeben eine 5 zu einer 4- war, weils halt selbst im besten Fall scheiße aussah, stand ich recht schnell auf Kriegsfuß mit den lehrer*innen.

    Die können von mir aus gerne alle aussterben, aber es ist halt schade drum. So wurde eine Generation erzogen Kunst zu hassen, Moderne Kunst für Blödsinn zu halten und ohne jedwedes Verständnis zur Kunsthistorie. All das musste ich mir Jahrzehnte später privat selbst zusammen suchen und das halt auch nur so halb.

    Musik hatte ich Glück. Der Lehrer hat tatsächlich versucht uns was beizubringen. Die Geschichte des Jazz und der Werdegang von dort in den Pop / Rock war wirklich spannend.

  8. Als ich Anfang der 2000er in der 1. Klasse war, ist wenige Wochen nach meiner Einschulung der einzige Musiklehrer an der Grundschule verstorben. War glaube ich keine drei Jahre vor der Rente zu dem Zeitpunkt, also hätte die Stelle ohnehin irgendwann bald neu besetzt werden müssen. Aber dennoch hat sic kein Ersatz gefunden. Ich hatte von der 1. bis zur einschließlich 4. Klasse effektiv keinen Musikunterricht, bis auf die ersten paar Wochen und irgendwann einen random hilflosen Versuch unserer Klassenlehrerin (die offenbar keine Ahnung von Musik hatte), uns Notenlängen zu erklären.

    Keine Ahnung, ob das bei mir eine lokale Besonderheit war, oder ob das Problem schon so alt ist. Dann fehlt mir wirklich jegliches Verständnis, wieso offensichtlich absolut gar nicht gegengesteuert wurde.

  9. Ich habe in 13 Jahren Schulzeit genau eine Lehrkraft in diesen beiden Fächern erlebt, die keine pädagogische Vollkatastrophe war. Das ist selbst fürs deutsche Schulsystem beachtlich, und da “ändern wir das deutsche Schulsystem” in etwa so realistisch ist wie “geben wir der Bundeswehr die Fähigkeit zur nuklearen Abschreckung” bin ich dafür den Scheiß einfach einzustampfen. Wenn Kinder sinnvoll Kunst/Musik lernen sollen müssen das die Eltern idR eh schon privat stemmen.

  10. Erschreckend, dass hier manche fordern, diese scheinbar “ineffizienten” Fächer sogar noch weiter zu streichen, zumindest nach Wahl. Ihr wollt also lieber Fachidioten sein, die abseits ihrer eigenen Fächer nix kapieren? In den Lehrplänen wird an solchen Stellen ja wenigstens noch so getan, als wäre das Leben mehr als nur Arbeit und Effizienz.
    Ihr wisst ja gar nicht, was euch in diesem Feld alles entgeht! Klar, nicht alles ist für jeden geeignet, logisch. Aber ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Kunst und Kultur auf der Strecke gelassen werden und in Vergessenheit geraten, während alle fröhlich vor sich hin burnouten.

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