„Kein großer Akteur möchte zu sehr vom Weltmarkt abhängig sein“ – Ex-Siemens-Chefin Brigitte Ederer und SPÖ-Politiker Niko Kowall über gute und böse Globalisierung, unbequeme Wahrheiten und warum es auch gut sein kann, wenn China Werke in Europa baut.

by wegwerferie

4 comments
  1. Kowall: Möglicherweise müssen wir auch Grundstoffe wie seltene Erden wieder selbst abbauen.

    Profil: Das ist eine sehr unpopuläre Forderung.

    Kowall : Wenn wir wollen, dass Europa eine gewisse Autonomie hat, dann heißt das Staub, Schmutz und Lärm. Und zwar hier bei uns und nicht nur in Brasilien oder Indonesien. Und das muss man auch ganz klar sagen.

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    Ich finde das eine sehr spannende Debatte. Ob sie auch nur annähernd realistisch ist weiß ich nicht. Dass Leute wie die SPÖ das wollen weil bei allem schlechten Ruf von diesen Berufen, das waren genau die Art von Berufen wo sich früher die Arbeiter formiert haben.

    Und wir könnten das in Europa vermutlich so organisieren dass diese Berufe nicht ganz so schlimm wären/dass eben nicht ganz so rauchig und stinkig abgebaut wird, dankt moderner Technologien. Aber genau dieses “wir können es weniger oarsch machen” macht es ja teurer, ganz unabhängig von höheren Lohnnebenkosten (wäre ja nicht zwingend in Österreich sondern vielleicht in Rumänien oder so).

    Darum die Idee diese zwingenden Umweltauflagen einzuführen damit entweder die Entwicklungsländer gezwungen werden auch mehr klimbin darum zu machen wenn sie nach Europa exportieren wollen oder die heimischen sind doch wettbewerbsfähig.

    Die interessante Frage hier ist wie sich die Grünen dazu positionieren würden, ob da doch das Nimby-sein nicht gewinnen würde.

    Ala, ich will keine Fabrik mit 50% stink in meiner halbnähe, auch wenn dann auf Umweltsicht zig mal besser ist als eine Fabrik mit 100% stink in Übersee UND die erzeugten Produkte von dort müssen über die halbe Welt verschifft werden.

  2. Finds gut, dass das wieder ein bisserl breiter thematisiert (und vor allem auch den Leuten wieder mal klar und direkt vor Augen gehalten!) wird. Seit ungefähr 7-8 Jahren, find ich, is die öffentliche Debatte dazu (→ Globalisierungskritik, Alterglobalisierung, Importsubstitutionspolitiken, …) komplett zum Erliegen gekommen, nachdems einige Zeit lang durchaus in der öffentlichen Wahrnehmung präsent gewesen is. Aber man hat dann angefangen, einfach überall “nachhaltig”, “Öko”, “grün” usw draufzuklatschen und die meisten Leute ham sich damit zufriedengegeben, ohne sich weiter und tiefergehend mit der Problematik zu beschäftigen.

    Die Leute müssen einfach *dringend* übernosern, dass die Themen “nationale Selbstständigkeit”, “Demokratie”, “Lebensstandard”, “Lebenseinstellung (Konsum oder doch mehr?)” sowie “Migration” *engstens* miteinander verbunden sind, aber die werden großteils als getrennte Probleme betrachtet – oder ihr Zusammenhang kurzsichtig und falsch verstanden.

  3. Wie willst ihn einem Land voller NIMBYs eine Tagebauindustrie aufziehen? Hier sind die Leute schon gegen Gasbohrungen im Nirgendwo oder Windkraftwerke in 5km Entfernung.

    Außerdem können wir unmöglich beim Preis mithalten. Im Osten Kongos verdienen „Artisanal Miners“ $100-200/Monat. Bei uns im Bergbau mit den ganzen Lohnnebenkosten wirst eher so auf €4000-€5000/Arbeiter kommen. Klar, hier wär das effizienter als die, die dort von Hand schürfen, aber ob man diesen Gap aufholen kann.

  4. Wenn wirs nicht machen, machts wer anders. Siehe Lithiumabbau auf der Koralpe. Australisches Unternehmen baut Lithium ab und das wird sofort wegtransportiert. Also haben wir davon NUR Staub, Schmutz, Umweltverschmutzung und -zerstörung und ein paar Arbeitsplätze. Von Wertschöpfung kann hier kaum gesprochen werden. Jedenfalls nicht für Österreich.

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