Paus: Steuerklassen-Reform soll Ehegattensplitting beenden

by KnackigeCurrywurst

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  1. Paus: Steuerklassen-Reform soll Ehegattensplitting beenden

    Die Ampel-Koalition will die Steuerklassen reformieren – und laut Familienministerin Paus (Grüne) damit auch das Ende des Ehegattensplittings einleiten. Dieses “veraltete Instrument” sei ungerecht. Das von der FDP geführte Finanzministerium kontert.

    Mit der geplanten Reform der Steuerklassen will die Bundesregierung aus Sicht von Familienministerin Lisa Paus (Grüne) den Weg hin zu einer Abschaffung des Ehegattensplittings ebnen. “Der Abschied vom veralteten Instrument des Ehegattensplittings ist überfällig”, bekräftigte Paus im Gespräch mit der “Bild”-Zeitung.

    Zum Artikel “[Steuerreform für Ehepaare: Was würde sie für Familien bedeuten?](https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/steuerreform-fuer-ehepaare-das-wuerde-sie-fuer-familien-bedeuten,UAb3lMQ)”

    **Die Ministerin will “Familienvielfalt fördern”**

    Das Ehegatten-Splitting sei “ein Instrument, das allein die klassische Ehe steuerlich begünstigt. Und das, obwohl vielfältige Familienmodelle längst Teil unserer Gesellschaftsrealität sind”, so Paus. Die Modernisierung des Steuersystems werde “diese Ungerechtigkeit beenden und Familienvielfalt fördern – unabhängig davon, ob Patchwork oder alleinerziehend”.

    **Ehegattensplitting seit Jahren in der Diskussion**

    Um das Ehegattensplitting gibt es seit Jahren immer wieder Diskussionen. Bei dem Verfahren wird das gemeinsame Einkommen eines Paares rechnerisch halbiert, die darauf entfallende Einkommensteuer berechnet und die Steuerschuld anschließend verdoppelt.

    Davon profitieren bei der Steuer vor allem Paare, bei denen einer viel und der andere wenig verdient. Begründet wird dies traditionell mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie.

    Zum Artikel “[Ehegattensplitting: Was eine Abschaffung bedeuten würde](https://www.br.de/nachrichten/bayern/ehegattensplitting-abschaffen-die-folgen-laut-ifo-studie,TkRJtSS)”

    **Lindner-Ressort kontert Paus**

    Ministerin Paus erklärte, die von der Ampel geplante Reform der Steuerklassen für Ehepaare sei “der Startpunkt in Richtung Abschaffung des Ehegattensplittings” – auch wenn man dabei noch “einen Weg” zu gehen habe.

    Im Finanzministerium von Christian Lindner (FDP) sieht man das allerdings anders. “Das Gegenteil der Einschätzung von Ministerin Paus ist der Fall”, hieß es. “Es gibt keinerlei Pläne oder auch nur politischen Willen zur Abschaffung. Ministerin Paus spricht nicht für die Bundesregierung, sondern nur für die Grünen.”

    Auch FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai widersprach der Familienministerin vehement. “Die Abschaffung des Ehegattensplittings käme einer massiven Steuererhöhung für die Mitte der Gesellschaft gleich – das ist mit der FDP nicht zu machen”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Djir-Sarai wies Paus’ Einschätzung zurück, die Reform der Steuerklassen sei die Vorbereitung eines solchen Schrittes. “Schließlich haben wir eine Abschaffung des Ehegattensplittings im Koalitionsvertrag auch nicht vereinbart”, betonte der FDP-Politiker.

    Die Soziologin Jutta Allmendinger hatte demgegenüber jüngst argumentiert, das Ehegattensplitting zementiere die wirtschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen. Die Regelung führe zu einer systematischen Schlechterstellung von Frauen, sagte Allmendinger der Zeitschrift “Herder Korrespondenz”. Es subventioniere “die Ehe bei großen Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen”. Das Modell schaffe Argumentationslinien, wonach sich die Frau um das Kind kümmern solle, anstatt einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, so Allmendinger.

    **Gesetzentwurf soll Steuerbelastung gerechter machen**

    Mit dem Entwurf eines zweiten Jahressteuergesetzes 2024 hatte Finanzminister Lindner eine Reform bei den Steuerklassen auf den Weg gebracht. In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und FDP vereinbart, dass statt der Steuerklassen 3 und 5 künftig das sogenannte Faktorverfahren in Steuerklasse 4 genutzt werden soll.

    Damit werde die Lohnsteuerbelastung gerechter auf die Eheleute, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner verteilt, heißt es im Gesetzentwurf.

    ​

    Infobox:

    ​ Was ist Ehegattensplitting?

    Das Ehegattensplitting bezeichnet ein Verfahren zur Einkommensteuerberechnung, das bei zusammenveranlagten Ehegatten und Lebenspartnern zum Einsatz kommt und in §32a des Einkommensteuergesetzes geregelt ist. Die beiden Partner bilden hierfür – im Gegensatz zur getrennten Einzelveranlagung – eine Einheit.

    Beim Splittingverfahren wird das gemeinsame zu versteuernde Einkommen beider Partner zunächst addiert, anschließend durch zwei geteilt (“gesplittet”) und zu gleichen Teilen auf beide Partner verteilt. Für das halbierte Einkommen wird schließlich die Einkommensteuer berechnet und verdoppelt.

    Ein Vorteil entsteht dabei für Paare, bei denen einer der beiden Partner Alleinverdiener ist oder deutlich mehr verdient als der andere (z.B. wenn ein Partner in Elternzeit ist oder in Teilzeit arbeitet), da sich das zu versteuernde Einkommen des höher Verdienenden verringert und somit auch die progressive Steuerlast.

    Beispielrechnung:

    Einzelveranlagung

    Jahreseinkommen Partner 1 = 15.000 € = 1.085 € Steuerlast

    Jahreseinkommen Partner 2 = 45.000 € = 10.244 € Steuerlast

    Gesamtsteuerlast = 11.329 €

    Ehegattensplitting

    Jahreseinkommen Partner 1 + 2 = 60.000 €

    Halbierung/Splitting = 30.000 €

    Einkommensteuer auf gesplittetes Einkommen = 5.187 €

    Verdoppelung zur Gesamtsteuerlast = 10.374 €

    Splittingvorteil : 955 €

    Politisches Ziel des Splittings ist es, v.a. Familien mit Kindern steuerlich zu entlasten. Das Verfahren gerät aber immer wieder in die Kritik, da auch Paare ohne Kinder sowie Spitzenverdiener vom Splittingvorteil profitieren können.

    Quellen: [https://www.bmfsfj.de/resource/blob/76434/129f4f687bc76e2279de569e368487a7/splitting-expertise-data.pdf](https://www.bmfsfj.de/resource/blob/76434/129f4f687bc76e2279de569e368487a7/splitting-expertise-data.pdf) [https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__32a.html](https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__32a.html) [https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/was-ist-das-ehegatten-splitting.html](https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/was-ist-das-ehegatten-splitting.html)

  2. Wieso weitet man das Splitting dann nicht auf “vielfältige Familienmodelle” aus?

  3. Auf Nachfrage kann Paus wahrscheinlich nicht erklären warum Paar A was 50.000 und 30.000 Euro verdient anders besteuert werden soll als Paar B was 40.000 und 40.000 Euro verdient.

    Zumal das neue Faktorverfahren praktisch nichts ändert. Warum sie das nicht verstanden hat kann sie anscheinend auch nicht erklären.

    Aber ein Interview mit Falschaussagen zum besten geben funktioniert.

  4. Ich finde auch dass Kinder (auch bei unverheirateten Paaren) noch stärker gefördert werden, als dass über das Ehegattensplitting zu tun. Aber auch bei dem Gemecker über das Ehegattensplitting sollte man nicht verbessert, dass mit der Ehe auch immer gegenseitiger Unterhalt ins schweren Zeiten selbst zu stemmen ist (auch über das Ende der Ehe hinaus).

  5. Steuerhöhungen bei Familien ist ja eine super Idee…

    Dann sorg halt für anständige Kinderbetreuung im Land, dann muss nicht ein Partner auf Teilzeit runter

  6. Allmählich finde ich es echt kurios (weil auch politisch dumm) dass Grüne und SPD außer Forderungen nach Steuererhöhungen (meist auch noch für die breite arbeitende Bevölkerung) wirklich überhaupt nichts zum Thema Steuern zu sagen haben. Steuern erhöhen, Mindestlohn erhöhen, mehr gibt’s nicht auf der Platte. Dann wundern, warum niemand einen wählt.

  7. Okay, aber dann muss man sich langsam auch mal überlegen wie man mit anderen Sozialleistungen umgeht. Beispiel: Ich lebe seit vielen Jahren mit meinem Freund zusammen und ich studiere. Wir sind eine Bedarfsgemeinschaft, daher bin ich wegen seines Einkommen nicht Bafögberechtigt, nicht wohngeldberechtigt, muss mir meine eigene Krankenkasse zahlen. Logisch wäre zu heiraten, weil wir dann Splitting und die Krankenkasse geteilt hätten. Lasst doch das Splitting wegfallen, aber dann auch diesen Bedarfsgemeinschaftsscheiß bitte auch.

  8. Hier mangelt es massiv an Klarheit was man will und warum.

    * will man das Ehegattensplitting wirklich im Inhalt abschaffen? Das fickt Familien mit ungleichen Einkommensverhältnissen oder sogar Alleinverdiener aber ganz schön… das sind schnell mal 300€+ im Monat bei recht durchschnittlichem Familieneinkommen. Das ist nicht wirklich verkraftbar
    * will man nur die Steeuerklassen 3 und 5 abschaffen und dann das Splitting mit Umwegen haben? Da verstehe ich einfach nicht warum. Zumal man da auch gucken muss, dass man da nicht krass in Vorleistung geht und dann dem Finanzamt jedes Jahr 4000€ in Vorkasse gibt. Das ist dann auch wieder ziemlich schwer zu stemmen für viele

  9. Was ein Bullcrap…

    Ich verstehe die Grundidee aber dazu müssten doch ganz andere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

    In meinen Augen das Wichtigste: Bei Partnern wo einer daheim bleibt passiert das ja nicht weil “Ehegattensplitting so geil ist” sondern weil Kinder oder Verwandte betreut werden müssen.

    Wenn ich den Paaren also jetzt Geld wegnehmen würde, nötige ich sie zu mehr Arbeit (die Typen vom ifo sagen ja selber dass sie die Partner auf den Arbeitsmarkt “motivieren” wollen), dann müssen Betreuungslösungen her die das Mehreinkommen durch Mehrarbeit nicht wieder auffressen.

    Ausschließlich an der Splitting-Schraube drehen ist nur ne Steuererhöhung durch die kalte Küche.

    **EDIT** Nachtrag zur Klärung: Ich bin ebenso absolut für strukturelle Änderungen und auch gegen Stereotype und Rollen für Geschlechter (Bevor jemand glaubt ich befürworte *”Frauen nach Hause”*) aber die Lösung ist nicht BEIDE Elternteile in die Tretmühle zu zwingen und DAS unter dem Mäntelchen der ‘Gleichberechtigung’.

  10. Unter dem Deckmantel der Förderung der Gleichberechtigung müssen Ehepaare am Ende mehr Steuern zahlen als vorher. Und wie man aktuell sieht wird das gigantische Steueraufkommen ja nicht mal für die Zivilbevölkerung genutzt..

  11. Mal ein wenig off topic: hat jemand einen guten Rechner, bei dem man sehen kann, ob Ehegattensplitting sich lohnt oder nicht? Google wirft tatsächlich zu viel Müll aus

  12. Ist das dann nicht wieder eine versteckte Steuererhöhung?

  13. 1. Das „Ehegattensplitting“ sorgt allein dafür, dass ein Ehepaar mit ungleichen Gehältern aufgrund der Progressivität der deutschen Einkommenssteuer nicht mehr (!) Steuern zahlt als ein Paar mit gleichem Einkommen.

    2. Derzeit macht es keinen Unterschied, ob ein Paar 100k und 0k, 70k und 30k oder 50k und 50k verdient. Dank Splitting ist die Steuerlast exakt gleich. Was auch sinnvoll ist, weil der Haushalt in allen Fällen 100k verdient.

    3. Da die allermeisten Ehepaare in Deutschland ein unterschiedliches Einkommen aufweisen, bedeutet die Abschaffung des Splittings eine Steuererhöhung für einen Großteil der verheirateten Bürger. Frau Paus fordert hier eine Steuererhöhung für einen erheblichen Teil der deutschen Bevölkerung.

  14. Ich verstehe die Problematik insgesamt nicht, vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen:

    * Die gewählte Steuerklasse spart absolut keinen einzigen Cent an Steuern, da das Finanzamt erst bei der Steuererklärung festlegt, was nun wirklich fällig war – Steuerklasse 3/5 entspricht daher nur einer vorab Steuerrückzahlung
    * Dank dem Splitting kann meine Frau deutlich weniger verdienen als ich, da wir bei der Steuererklärung als gleichberechtigte Beitragszahler behandelt werden – Davon profitiert absolut jeder, denn es blickt auf die Einkommensgemeinschaft und nicht auf das Individuum

    Es ist doch nunmal so, dass die tatsächliche Ungerechtigkeit des deutschen Steuersystems von der kalten Progression her kommt, die den Steuerhöchstsatz seit Jahrzehnten immer weiter zu mittleren Einkommen her verschiebt, anstatt bei den Höchstverdienern zu bleiben. Wer mehr als 64.000€ verdient zahlt den gleichen Steuersatz, wie jemand, der 260.000€ verdient – Das ist gerademal das 30% mehr, als der deutsche Durchschnitt und alles andere als ein extrem hohes Einkommen.

    Was genau will man denn verbessern? Klingt für mich insgesamt nach einer Steuerehöhung für Familien, ohne jeden Gegenwert.

  15. Regierung: Wir können die Steuern nicht erhöhen, dann Vierteilt uns das Land und die AfD erhält 30% der Stimmen

    Paus: Ich hätte da ne Idee, dafür feiern uns unsere Restwähler sogar.

    Regierung: Ernsthaft?

    Paus: Lasst mich nur machen… Btw. wir können dann für supi Honorare durch Talk-Shows tingeln, und immer behaupten, wir wüssten nicht, wieso die Rechten immer stärker werden.

  16. Beeindruckend, dass Frau Paus einzige Leistung bisher war die Bedingungen für Menschen mit Kind zu verschlechtern (Elterngeld).

    Und nun geht‘s munter so weiter. So kann man seine Kernzielgruppe auch endgültig vergraulen

  17. Geil, mehr Steuern. Als Familie kannst du dir von der Ampel einfach nur verarscht vorkommen.

  18. Kann einer kurz erklären warum und vor allem ob ich dadurch schon wieder weniger Geld habe?

  19. Bei dem Thema verrennen sich manche. Wieso möchte man unbedingt hier eine Steuerhöhung? Die, wenn man konsequenterweise Bedarfsgemeinschaften bei Sozialleistungen nicht mehr mitzählt, vielleicht ein Nullsummenspiel ist… nur um im Namen der vermeintlichen Gleichberechtigung Lebensvielfalten finanziell in Richtung Erwerbsarbeit zu drücken.

    es gibt niemanden, den man damit hilft. Man kann damit somit keine einzige Stimme gewinnen, nur verlieren.

  20. Als Teilnehmer einer Ehe mit einem Partner ohne Gehalt muss ich mich also darauf vorbereiten, dass das verfügbare Haushaltseinkommen sinkt. Das führt nicht dazu, dass sich an der Arbeitssituation hier etwas ändert, sondern schlicht dass wir wirtschaftlich absteigen.

  21. Absolute Frechheit, die nur dafür sorgt, dass die Leute weniger liquide pro Monat sind und stärker auf die Steuererklärung angewiesen sind. Was hat das bitte mit Gleichberechtigung zu tun?? Ihr wollt doch nur erzwingen, dass Mütter vollzeit arbeiten gehen

  22. Der Punkt ist doch das es am Ende total bescheuert ist das abzuschaffen.
    Die Familien die 3/5 brauchen um im Monat ein wenig mehr zur Verfügung zu haben sind am Ende doch sowieso verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben und am Ende des Bescheides steht da der gleiche Steuersatz wie bei einem paar (mit genau gleichem Einkommen eben nur anders verteilt auf die Partner) was Steuerklasse 4/4 hatte

  23. Wenn man ernsthaft aus purer Ideologie (traditionelles Familienbild = böse) ein System abschaffen will, wo tatsächlich mal großteils die Mittelschicht (also die echte, nicht die von Merz) in großer Breite von profitiert, dann ist das einfach politischer Selbstmord.

  24. Da kann man sich schon freuen, wenn man als Alleinverdiener nochmal 300€ weniger im Monat hat, während die Frau 370€ Elterngeld bekommt und man eh schon zusehen muss wie man klar kommt.

  25. > Im Finanzministerium von Christian Lindner (FDP) sieht man das allerdings anders. “Das Gegenteil der Einschätzung von Ministerin Paus ist der Fall”, hieß es. “Es gibt keinerlei Pläne oder auch nur politischen Willen zur Abschaffung. Ministerin Paus spricht nicht für die Bundesregierung, sondern nur für die Grünen.”

    Die gute Frau spricht hier nicht mal für die Grünen, da gibt es dazu nämlich keine einheitliche Meinung.

  26. Das ist eine sehr schlechte Idee. Anstatt monatlich etwas mehr zu bekommen, muss man bis zur Steuererklärung und dem zugehörigen Bescheid sowie die anschließende Auszahlung warten. Das ist einfach nur Wahnsinn.
    Auch die Umsetzung der Änderungen bei den Finanzämtern etc. kostet Millionen und das alles wofür? Dass die Mitbürger ihr rechtmäßiges Geld nun 1 Jahr später über Umwege erhalten. Tolle Leistung.

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