Streit über Sprache: Hat es sich bald ausgegendert?

by RomanesEuntDomusX

23 comments
  1. > Für Riemann ist Gendern »unlogisch, ungerecht und unnötig«, weil es davon ausgehe, dass »Frauen keinen den Männern gleichberechtigten Status haben, sondern erst einmal ›inkludiert‹ werden müssen«.

    Frauen haben halt leider keinen den Männern gleichgestellten Status, und alle anderen Nicht-Männer genauso wenig. Auf Papier, also im Gesetz vielleicht, aber nicht im echten Leben.

    > Doch es ist nicht die AfD allein, die gegen die geschlechtersensible Sprache auftritt. Immer stärker setzen auch die Bürgerlichen auf das populistische Potenzial von Verboten der Gendersprache. Zuletzt war es der von der CSU und den Freien Wählern regierte Freistaat Bayern, der seinen Behörden, Schulen und Hochschulen untersagte , Gendersonderzeichen in offiziellen Schreiben zu verwenden, gültig seit April.

    Schon mutig, die CSU und die Freien Wähler als “Bürgerliche” zu betiteln. So viele rechtspopulistische Positionen, wie die vertreten, ist da wenig “bürgerliches” mehr. Oder sind die “Bürger” einfach konservativ im Sinne von “gegen jeden sozialpolitischen Fortschritt”?

  2. Interessant. Und spiegelt auch meine Erfahrungen wider.

    Neutralisierungen wie Studierende und Doppelformen wie Busfahrerinnen und Busfahrer setzen sich wohl durch oder werden zumindest akzeptiert. Sternchen, Unterstriche und Sprechpausen nicht.

  3. >»Der große Trend geht zur Neutralisierung«, sagt Burel, also zu geschlechtslosen Partizipien, Synonymen, Umformulierungen.

    Finde ich persönlich noch viel schlimmer als die Sonderzeichen mitten im Wort, weil es das Potential bietet, dass Menschen noch mehr aneinander vorbeireden indem sie anfangen, sich neue Wörter auszudenken, nur weil ihnen irgendein Begriff nicht passt. Nicht jeder Backende ist ein Bäcker. Und Einwohnende sind rechtlich etwas anderes als Bürger. Sprache dient dazu, Informationen zu übermitteln. Das wird erschwert, wenn Sender und Empfänger nicht das gleiche Verständnis für einen Begriff haben.

  4. Es versteht aber auch nicht das gleiche unter gendern.

    Für viele ist es nur das *, für andere schon ‘innen.

    Eine Frau Kollege nennen ist unmöglich (wörtlich “was ein Bauer”) einen Raum mit Frauen Kollegen nennen geht auch nicht, sobald aber ein Mann dabei ist, ist es ok.

    Was man für Diskussionen führen muss.

  5. > Auffällig ist zugleich, dass alle, die sich gegen gendersensible Sprache engagieren, stets betonen, wie unwichtig das Thema doch eigentlich sei. Dass es wahrlich Wichtigeres zu tun gäbe als diese »Luxusdebatte« – was auch stimmt. Und dann drehen sie sich um und kämpfen weiter mit Vehemenz auf dem Nebenschauplatz.

    schön gesagt.

  6. > Der Rat bestellt auf Vorschlag der*des Bürgermeisterin*Bürgermeisters eine*n Bedienstete*n der Stadtverwaltung zum*zur Schriftführer*in«, dann ist das kaum mehr lesbar.

    Oh ja, viel weniger lesbar als dieses originale Zitat:

    > Für den Fall ihrer oder seiner Verhinderung bestimmt die beziehungsweise der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit eine Beamtin oder einen Beamten ihrer beziehungsweise seiner Behörde zur Vertreterin oder zum Vertreter.

  7. Das dumme jetzt ist das die Rechten den Sieg gegens gendern abfeiern, während eig. jedem klar gewesen sein sollte, dass die regeln von Effizienz und Sprachgefühl das von alleine wieder entfernen, sobald der Hype vorbei ist, ganz unpolitisch und ohne Agenda.

  8. Dass Komplettumkrempelungen der Sprache irgendwie durch “Erhöhung der Sichtbarkeit von Frauen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen” legitimiert werden sollen, fand ich immer schon reichlich lächerlich. Dass es neben Männern auch Frauen gibt, da brauche ich nur im Zweifelsfall eine Partnerin, Mutter kennen oder kurz aus dem Fenster schauen.

    Dass Frauen trotzdem weniger verdienen usw. scheint also weniger an der Sichtbarkeit gelegen zu haben, sondern dass man sie **trotz** der Sichtbarkeit in Rollen gedrängt hat, und dementsprechend denke ich bei Gendersternchen & Co. ausschließlich daran, dass etwa blinde Menschen, an deren Inklusion denselben Gender-Proponenten ja auch etwas liegen sollte, nun ihren Screenreader aus dem Fenster schmeißen können.

    Hat man also eine Verschlechterung der Umstände für Frauen also durch eine Verschlechterung der Lebensqualität für Blinde und Sehbehinderte ersetzt. Sehr effektiv….

  9. Nur machen diese neutralen Versionen auch nix anders. Die ‘gegenderten’ Nomen meinen im eigentlichen Sinne ja auch alle. Jetzt einfach andere Nomen mit anderen Endungen zu nehmen, wird am Ende zu den gleichen Annahmen führen wie jetzt, wenn sich die Realität nicht ändert. Bin deswegen eher immernoch dafür, -in endlich wieder abzuschaffen. Es gibt eben Lehrerin aber nicht Lehrerer.

  10. In ihrer bubble sollen die Leute von mir aus Klingonisch reden, das ist mir total egal. Im Umgang mit Leuten außerhalb ihrer bubble sollten sie ihre moralische Überheblichkeit bzw. die Unterstellung von Sexismus anderer aber abstellen.

  11. Aber worüber sollen Journalist:innen dann den ganzen Tag lang schreiben, wenn das Thema Gendern vom Tisch ist?

  12. Oh, wieder so ein Artikel wo alle das für eine rein theoretische Debatte halten, ohne Mal die Leute zu fragen, die jeden Tag ohne Stern, Pause, Doppelpunkt  sprachlich ermordet werden und irgendwann dann halt auch in echt. 

    Yay. Ich feier.

    Viel Spaß beim Runtervoten, aber mich gibt es halt trotzdem.

    Wird ein lustiger Abend für mich. Haut ruhig raus, muss die Blocklist weiter befüllen.

  13. Ich versteh beim besten Willen nicht wieso man sich immer auf Mann und Frau versteift, Es gibt doch schon eine Sprache die Mann und Frau mit einbezieht in dem man z.B einfach Mitarbeiter und Mitarbeiterin sagt. Das Gendern hat doch überhaupt nichts mit Mann und Frau zutun, es geht darum alle anderen die sich eben nicht als Mann oder Frau indentifizieren mit einzubeziehen und dann halt z.B Mitarbeiter*innen sagt. Was z.B auch sehr viel kürzer und einfacher zu sagen ist und auch noch jeden miteinbezieht.

  14. Also ich persönlich finde ja Busfahrende noch schlimmer als Busfahrer*innen

  15. Warum ist der Artikel im “Conntest Mode”? Verstehe ich nicht.

  16. Also den Kids, die ich unterrichte ist das sehr wichtig. Generell die ganzen U 25 legen sehr sehr viel Wert darauf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich hält.

  17. Wieso erfinden wir nicht zusätzlich zu den rein weiblichen Bezeichnungen nicht einfach noch rein männliche Bezeichnungen? Beispielsweise Lehrerin und Lehrerer. Als Bezeichnung für gemischtgeschlechtliche Gruppen gibts dann Lehrer.

  18. Fand diese ganze Debatte, deren Gegenwind lächerlich extrem ausfiel, immer sehr albern. Wie einige Leute beispielsweise bei der Arbeit getobt und geschimpft haben, nur wegen dieser winzig kleinen Sprechpause, als eine Kollegin bei einer Außenwirkungs-Sache mal “Kolleg:innen” gesagt hat. Wie viele dieser kleinen Sprachpausen so im normalen Alltagssprech vorkommen, kannst du denen gar nicht klarmachen.

    Irgendjemand hat es hier schon ganz treffend formuliert: Es geht schon lange nicht mehr darum, dass Leute, die es verwenden möchten, das auch aus freien Stücken tun, sondern dass mittlerweile sogar politische Instanzen es aktiv verbieten wollen. So sind die, die irgendwas mit “Sprachpolizei” in die Welt posaunen, auf einmal ganz schnell selbst die Sprachpolizei.

  19. Kann jeder machen wie er meint.

    Ich finde das Problem entsteht erst, wenn Leute meinen sie sind damit moralisch überlegen, weil sie ja Sexismus damit bekämpfen und andere eben nicht, also sind die anderen Sexisten es sei denn sie fangen auch mit dem Gendern an, und zwar auf die eine bestimmte Weise, die man gut findet.

    Und da wirds einfach zu einem völlig unnötigen Streitherd, weil es für andere einfach nicht wichtig ist und keinen relevanten Unterschied macht, der den extra Umstand wert wäre, und sich das eben nicht aufzwingen lassen.

    Ich bin in letzterer Gruppe, und ich bin es leid, das symbolische Gesten heutzutage so zentral im Scheinwerferlicht stehen, weil man sich so als gute Person profilieren kann, aber nur wenige machen sich tatsächliche Arbeit und leben was sie predigen.

  20. Dann halt generisches Femininum

    Das wird lustig werden zu sehen wie diese Diskussion niemals zu Ende geht

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