> Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll.
Teil der Moskauer Deklaration (1943) liest, aber das Nachfolgende
> Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.
weglässt, dann kommt man flott zum Status des reinen Opfers.
Es is tatsächlich komplizierter als viele Leute glauben mögen. Österreich hatte durchaus eine eigene relevante nationalistische Bewegung, die sich gegen den Deutschnationalismus gestellt hat und schließlich ned wenige Menschen, die sich wirkmächtig gegen den NS-Staat gestemmt hatten (zB indem sie Widerstand organisiert oder sich bsplw dem jugoslawischen Partisanenwiderstand angeschlossen haben); selbst diejenigen, die passiv geblieben sind, waren gedanklich oftmals keine Freunde der neuen Ordnung, sondern “innen drin” noch immer verhaftet in einem selbstständigen Österreich.
Die politischen Führer des neuen Österreich nach 1945 waren jedenfalls großteils tatsächliche NS-Gegner und oftmals auch Gegner des Anschlusses konzeptionell (der vielbekannte Rennersche Ausspruch is auch recht kontrovers: jedenfalls aber steht Renner damit auch ein bisserl allein da); sehr viele von ihnen saßen in den Konzentrationslagern, bis zum Ende, wurden in die Emigration getrieben oder anderweitig unterdrückt. Das Nachkriegsösterreich konnte sich also durchaus realistisch und glaubwürdig auf einen allfällig nationalistischen NS-Widerstand beziehen.
Mir fehlt leider in der Zeit persönlich viel, was umgesetzt gehört hätte, denn bekanntlich ist die österreichische Republik stets, großteils ein ewiges Provisorium geblieben, aber naja…
Gesamtgesellschaftlich hatten sehr viele Menschen in Österreich sehr pragmatische Hoffnungen zum Anschluss, insofern war er mit Sicherheit *von denen* gewollt, zumindest in ähnlicher Weise wie das bei vielen Deutschen der Fall war. Österreich war auch – wie generell die Marken des Deutschen (also die Grenzregionen) – eine wichtige “Personalquelle” für (radikalen) Deutschnationalismus.
Naja, um das Ganze ned allzu lange werden zu lassen: Es is halt kompliziert. Ein Teil der Gesellschaft war diesem ganzen Schmarrn von vornherein negativ gegenüber eingestellt, ein Teil überhaupt positiv und ein Großteil pragmatisch-positiv (“wurschtig”). Das Nachkriegsösterreich (bis in die 1990er hinein ungefähr) wurde *sehr stark* (wenn nicht sogar: vor allem) durch die Opfer des Nationalsozialismus geprägt und gestaltet, deswegen darf sich *dieser* bestimmte Staat sicherlich Opfer nennen. Das Staatsvolk als solches weder noch, aber das is eher ein philosophisches Problem.
War immer schon fucking bullshit! Natürlich is die Antwort ausführlich und differenziert aber “wir waren das erste Opfer” is einfach nur lächerlich und falsch.
Österreich ohne Anschluss:
Deutschnationalismus weit verbreitet – check
Antisemitismus weit verbreitet – check
Autokratische Tendenzen in der Bevölkerung – check
Die Bolschewiken als Feindbild – check
Faschistische Elemente – check
Diktatur – check
Akso in Anlehnung an ‘halb zog sie ihn, halb sank er hin’ möcht ich sagen – der Schritt heim ins Reich war kein großer und außer dem abgesetzten Regime und seinen Handlangern die ihre Machtstellung an die Nazibüttel verloren haben, hatten wohl acht Neuntel der Bevölkerung kein Problem mit dem Anschluss.
Die Moskauer Deklaration war wohl großteils der Hoffnung/Illusion der Alliierten geschuldet, auch in AT eine Widerstandsbewegung zu stärken, indem man der bevölkerung ausgerichtet hat, sie wären wohl auf einem ähnlichen Stand wie Frankreich, Norwegen oder andere tatsächliche Opfer.
Ein dienlicher Mythos der uns das Schicksal Deutschlands erspart hat, entspricht halt nicht der Wahrheit. Dazu kommt noch, dass der Mythos nur durch die Existenz des hauseigenen Faschismus existieren konnte.
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Wenn man nur den
> Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll.
Teil der Moskauer Deklaration (1943) liest, aber das Nachfolgende
> Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.
weglässt, dann kommt man flott zum Status des reinen Opfers.
Es is tatsächlich komplizierter als viele Leute glauben mögen. Österreich hatte durchaus eine eigene relevante nationalistische Bewegung, die sich gegen den Deutschnationalismus gestellt hat und schließlich ned wenige Menschen, die sich wirkmächtig gegen den NS-Staat gestemmt hatten (zB indem sie Widerstand organisiert oder sich bsplw dem jugoslawischen Partisanenwiderstand angeschlossen haben); selbst diejenigen, die passiv geblieben sind, waren gedanklich oftmals keine Freunde der neuen Ordnung, sondern “innen drin” noch immer verhaftet in einem selbstständigen Österreich.
Die politischen Führer des neuen Österreich nach 1945 waren jedenfalls großteils tatsächliche NS-Gegner und oftmals auch Gegner des Anschlusses konzeptionell (der vielbekannte Rennersche Ausspruch is auch recht kontrovers: jedenfalls aber steht Renner damit auch ein bisserl allein da); sehr viele von ihnen saßen in den Konzentrationslagern, bis zum Ende, wurden in die Emigration getrieben oder anderweitig unterdrückt. Das Nachkriegsösterreich konnte sich also durchaus realistisch und glaubwürdig auf einen allfällig nationalistischen NS-Widerstand beziehen.
Mir fehlt leider in der Zeit persönlich viel, was umgesetzt gehört hätte, denn bekanntlich ist die österreichische Republik stets, großteils ein ewiges Provisorium geblieben, aber naja…
Gesamtgesellschaftlich hatten sehr viele Menschen in Österreich sehr pragmatische Hoffnungen zum Anschluss, insofern war er mit Sicherheit *von denen* gewollt, zumindest in ähnlicher Weise wie das bei vielen Deutschen der Fall war. Österreich war auch – wie generell die Marken des Deutschen (also die Grenzregionen) – eine wichtige “Personalquelle” für (radikalen) Deutschnationalismus.
Naja, um das Ganze ned allzu lange werden zu lassen: Es is halt kompliziert. Ein Teil der Gesellschaft war diesem ganzen Schmarrn von vornherein negativ gegenüber eingestellt, ein Teil überhaupt positiv und ein Großteil pragmatisch-positiv (“wurschtig”). Das Nachkriegsösterreich (bis in die 1990er hinein ungefähr) wurde *sehr stark* (wenn nicht sogar: vor allem) durch die Opfer des Nationalsozialismus geprägt und gestaltet, deswegen darf sich *dieser* bestimmte Staat sicherlich Opfer nennen. Das Staatsvolk als solches weder noch, aber das is eher ein philosophisches Problem.
War immer schon fucking bullshit! Natürlich is die Antwort ausführlich und differenziert aber “wir waren das erste Opfer” is einfach nur lächerlich und falsch.
Österreich ohne Anschluss:
Deutschnationalismus weit verbreitet – check
Antisemitismus weit verbreitet – check
Autokratische Tendenzen in der Bevölkerung – check
Die Bolschewiken als Feindbild – check
Faschistische Elemente – check
Diktatur – check
Akso in Anlehnung an ‘halb zog sie ihn, halb sank er hin’ möcht ich sagen – der Schritt heim ins Reich war kein großer und außer dem abgesetzten Regime und seinen Handlangern die ihre Machtstellung an die Nazibüttel verloren haben, hatten wohl acht Neuntel der Bevölkerung kein Problem mit dem Anschluss.
Die Moskauer Deklaration war wohl großteils der Hoffnung/Illusion der Alliierten geschuldet, auch in AT eine Widerstandsbewegung zu stärken, indem man der bevölkerung ausgerichtet hat, sie wären wohl auf einem ähnlichen Stand wie Frankreich, Norwegen oder andere tatsächliche Opfer.
Ein dienlicher Mythos der uns das Schicksal Deutschlands erspart hat, entspricht halt nicht der Wahrheit. Dazu kommt noch, dass der Mythos nur durch die Existenz des hauseigenen Faschismus existieren konnte.
https://m.youtube.com/watch?v=RArM7afevZc
Is eine super ARTE Doku zu dem Thema namens ‘Nazis -Made in Austria’