Warum rechnet niemand mit der deutschen Beamtenpension ab? | Die Anstalt



by Ta_Type

23 comments
  1. Weil es teil des lohns ist. Wenn man ein studium macht und einmal in den fängen des beamtentums ist, kommt man da nicht so einfach raus. Da kann man dann nicht so mal eben in ein unternehmen wechseln.
    Also rechnet man soch vorher aus ob es einem das wert ist und die pension ist nunmal ein argument. Ansonsten kann der staat halt mal schauen wie viel ingenieure für 25bis 30 prozent weniger lohn als in der wirtschaft noch arbeiten wollen. Ausserdem bezahlt der beamte ja auch ne private versicherung.
    Der staat hat jetzt schon probleme stellen zu besetzen. Das eine große argument ist halt die sorgenfreiheit. Man weiß beim staat wird man nicht reich aber man ist immer sicher auch im alter.
    Der staat wird es ohne dieses argument schwerer haben.

  2. Oh ich gespannt, wie das hier aufgenommen wird… Gefühlt sind hier viele unterwegs, die auf Lehramt studiert haben.

  3. Weiß nicht, ich lese ständig über die Unfairness der Pension und jedes Mal, wenn ich relativ fremde Menschen treffe und sie meinen Berufsstand erfahren, höre ich, dass es unfair ist, dass ich theoretisch in 35 Jahren mal eine Pension bekommen könnte. Ist’s ein Scheiß-System? Ja. Rechnet niemand damit ab? Gefühlt tut’s jeder.

  4. Ach ja, das Video wurde jetzt schon paar male gepostet. Viele Sachen davon sind richtig. Einige Themen werden aber gekonnt ignoriert.

    Es ist richtig, die Beamtenpension ist abartig hoch. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass das aktive Beamtentum verhältnismäßig wenig verdient (ausgenommen man hat Kinder (bestenfalls 3 oder mehr)).
    Nach abgeschlossenem Studium (Bachelor oder Diplom) fängt man mit A9/Erfahrungsstufe 3 an. Aufgrund der größtenteils verbreiteten 41-Stundenwoche landet man irgendwo bei 16/17 Euro Stundenlohn. Bei Lehrern sieht es finanziell etwas besser aus. Die fangen nach dem Masterstudium mit A13/Erfahrungsstufe 5 an. Da bleibt dann deutlich mehr über.

    Von den jeweiligen “Startbesoldungsgruppen” gibt es nur eine bedingte Karrierechance.
    Lange Rede, kurzer Sinn. Der 0815 Beamte wird nicht reich – und das obwohl der 0815 Beamte deutlich besser ausgebildet ist als es den meisten bewusst ist – Die Akademikerquote liegt meine ich über 70 % (eher Richtung 80%)
    Wenn es nach mir ginge könnte man die Pension gerne halbieren und dafür den Arbeitslohn um irgendwas zwischen 10 und 15 tausend Euro pro Jahr erhöhen. So stiege zumindest die Chance während der aktiven Phase tatsächlich Kapital zu sparen.

    Wahrscheinlich wird das hier gedownvoted, aber die Zahlen lügen nicht 🙂

  5. Ich glaub ein Kernproblem ist halt, dass verfassungsrechtlich der Staat den Beamten auch in der Pension an Hand seiner Laufbahn eine Versorgung bereitstellen muss.
    Heißt das ist ähnlich wie bei den Bürgergeldempfängern nur noch weiter nach oben gestaffelt orientiert an der kleinsten Besoldungsstufe.

    Zudem erreicht man das entsprechende Niveau auch erst nach den vollen 45 Dienstjahren.

    Jetzt kommt in dieser Vergleichsberechnung halt auch zum tragen, dass es seit Auflösung der Post auch keine Beamten mehr ohne Berufsabschluss gibt. Heute soweit ich weiß auch abgesehen von Polizei nicht mehr ohne Studiumsabschluss.

    Dass das Pensionsniveau in Relation zur Rente so viel Höher (70% bei 45 Jahren zu ca. 48% nach 45 Jahren) ist macht für mich rechnerisch nur mehr all so viel Sinn, dass in der Pension die Betriebsrente und die KV Kosten noch mit inkludiert sind.

    Ironischerweise werden Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rente gegen die Pension gerechnet.

    Meine ganz persönliche Prognose: Das Pensionsniveau wird vermutlich auf so 60% abfallen, bei allen niedrigeren Beträgen kann ich mir vorstellen, dass es verfassungsrechtlich wegen den KV Beträgen eng wird.

    Sache ist halt auch, dass man praktisch aufhören müsste auf das Beamtentum zu setzen, aber gleichzeitig will man, wie im anderen thread gesehen, auch mehr Steuerfahnder. Nicht-Verbeamtete Steuerfahnder sind aber jetzt teurer. Das gleiche geht ja durch alle Ebenen. Digitalisierung, aber mit Technikern wo maximal E11 4.000 Brutto zum Einstieg geboten wird, und noch idealerweise Master-Abschluss haben?

    Bei Staatsdienern ob Angestellt oder nicht ist es wie mit Infrastruktur: Wieviel ist man bereit als Gesellschaft zur gewisse Staatsleistungen zu zahlen.

  6. Ich kenn keine Behörde, die nicht sucht, ich kenn keine Schule ohne Lehrkräfte-Mangel.

  7. Weil ich ohne zumindest irgendeine Zukunftssicherheit als MINT Student sofort in die Wirtschaft gehen würde, ich nehme jetzt schon freiwillig das niedrigere Gehalt, weil ich gerne an der Schule bin, hab aber auch noch einen Master in Informatik und damit bin ich schnell finanziell besser dran.
    Wenn dann auch noch die Pension wegfallen würde, wird der Lehrberuf nur noch unattraktiver.

  8. Keine Angst, das macht unter anderem die Bild-Zeitung regelmäßig… Beamten-Bashing gehört da zum Standardrepertoire

  9. In den Bereich in denen ich wirklich Ahnung von den Gehältern beider Seiten habe, liegen die Gehälter in der freien Wirtschaft deutlich über denen der Beamten (Jura und Steuerberatung).

  10. Ohja, lasst uns die Pension senken anstatt ernsthaft das Rentensystem zu überarbeiten. Schließlich muss es allen gleich beschissen gehen. Wo kämen wir denn hin, wenn es allen gleich gut ginge?

  11. Als Kommunalbeamter einer Feuerwehr geht mir diese Diskussion mittlerweile echt auf den Keks. Klatschen während Corona konnte noch jeder, aber kaum ist das vergessen, möchte man am liebsten alles für umsonst haben. Aber hey, alle Beamte sind ja Lehrer und die haben es ja auch so gut.

    Hast du eine Ausbildung gemacht? Dann fang gerne bei uns an, wenn Beamte sich auch so privilegiert sind.

  12. 1. Erst mal ist die gute Pension bei Beamten einfach Teil des Soldes. Das ist mit eingepreist, wenn sich Menschen für eine Beamtenstelle entscheiden. Es ist Teil des Lebenseinkommens. Das ist kein überraschendes Geschenk zum Abschied, sondern eine wohldefinierte Leistung für die Arbeit, die Beamte machen. Wenn man das kürzen würde, wäre das einfach eine einseitige Gehaltskürzung. Das hätte ganz sicher keinen Bestand vor Gericht. Und selbst wenn man das irgendwie für neue Beamte kürzen könnte, würde das einfach nur die entsprechenden Stellen unattraktiver machen, wie jede andere Gehaltskürzung auch. Da bekommt sicher auch keinen besseren Öffentlichen Dienst von.
    2. Einige haben die Idee, dass eine Umstellung für neue Beamte auf Rente statt Pension ja die Rentenkassen entlasten würde, weil dann ja zwischenzeitlich nur neue Beitragszahler, aber keine neuen Empfänger dazu kommen. Das funktioniert aber nicht, denn es würde das Problem einfach woanders hin schieben. Z.B. zu den Ländern bzw. entsprechenden Ministerien. Die müssen dann nämlich gleichzeitig die Pensionen der aktuellen Pensionäre und die Umlagebeiträge der aktuellen Beamten zahlen. Diese doppelte Geld müsste auch irgendwo her kommen.
    3. Grundsätzlich bringt es bringt auch nichts für das Rentensystem, dass Beamte im Schnitt Besserverdienende sind. Das Rentensystem funktioniert nach dem Äquivalenzprinzip Prinzip. Je mehr ich einzahle, desto mehr Anspruch habe ich. Es hat eben keine soziale Komponente [abseits des Steuerzuschuss] wie Lohnsteuer oder GKV. Könnte man natürlich auch noch aufweichen, wird ja auch vorgeschlagen, ist aber an der Stelle auch irgendwie absurd.

  13. Weil man die Rechnung so natürlich aufmachen kann, aber dann muss man sich auch überlegen, was die Folgen wären, wenn man die Pensionen streichen würde. Das ginge schon damit los, dass auf einen Schlag eins der größten Argumente für die Beamtenlaufbahn weg wäre. Das ist insofern problematisch, als dass der Staatsdienst schon jetzt an Personalmangel leidet. Es fehlt an allen Ecken und Enden bei Richtern über Polizisten und Soldaten (auch wenn bei denen zugegebenermaßen nur ein Teil Pensionen bekommt) bis hin zu kommunalen Ämtern.

    Die Alternative wäre nun, die Gehälter massiv zu erhöhen, was auch wiederum Geld kostet, denn die Bruttogehälter von Beamten sind schon darauf ausgelegt, dass sie weniger Sozialabgaben zahlen. Dazu müsste vermutlich noch etwas oben drauf geschlagen werden, um die dann nötige private Vorsorge mit einzukalkulieren, aber das wäre noch nicht genug, denn der Staat müsste tatsächlich anfangen kompetetive Gehälter zu zahlen. Jetzt Vergleiche man das Gehalts eines Oberstleutnant A15 mal mit dem eines Arbeitnehmers, der in der freien Wirtschaft mehrere hundert Menschen unter sich hat, das eines Richters mit dem eines Juristen mit vergleichbarem Abschluss in einer großen Kanzlei, eines Schuldirektors mit leitenden Funktionen in der freien Wirtschaft mit mehreren dutzend Menschen im unterstellten Bereich.

    Dazu muss man bedenken, dass die Pension ein großer Anreiz ist, seine Verbeamtung auf biegen und brechen nicht verlieren zu wollen und damit zur Korruptionsprävention beiträgt und eng mit allen anderen Beamtenrechten und Pflichten verknüpft ist. Dabei handelt es sich um kommunizierende Röhren. Ja, Beamte haben viele Vorteile, sind aber dafür verpflichtet deutlich mehr zu tun als normale Arbeitnehmer. Ggf. Bundes- oder landesweite Versetzungen, Anstellung in andere staatliche Institutionen, kein Streikrecht, keine Möglichkeit selbst irgendwas an ihrer Position oder Vergütung zu verhandeln, besonderes Treue- statt reinem Vertragsverhältnis.

    Das muss alles berücksichtigt werden und ganz davon abgesehen: Es geht keinem einen Deut besser, wenn es den Beamten schlechter geht und letztendlich kriegen auch sie ihre Einzahlungen irgendwann wieder raus. Dass es z.B. in Österreich besser läuft, liegt eher daran, dass unsere Nachbar vier Prozentpunkte höhere Beiträge zahlen und ungefähr 5% mehr Steuerzuschuss in die Rente pumpen, man unter 15 Erwerbsjahren gar keinen Rentenanspruch hat und tatsächlich etwas weniger Schieflage in der Alterstruktur aufweist.

  14. Was sie immer alle schreien wie ungerecht das ist.

    Also wenn das Beamtentum ja anscheinend der heilige Gral ist, versteh ich beim besten Willen nicht warum wir hunderte unbesetzte Stellen haben, allein in unserer Behörde.

    Bitte kommt gerne alle zu uns, wir können jeden und jede gebrauchen die mit anpackt.
    Von A7 bis A16 ist alles dabei.

    https://www.berliner-feuerwehr.de/karriere/

  15. Ah, der wöchentliche “Alle Beamte gehören erschossen”-Post. Hatte mich schon gewundert, wo der bleibt.

  16. Leute, deren Gehälter über Rundfunkbeiträge finanziert werden machen Satire über Beamtenpensionen. Was darf Satire? 😀

  17. Man darf nicht vergessen, dass die Pension den ÖD erst attraktiv macht. Wenn man die jetzt wegnimmt, müsste man halt die Arbeitsbedingungen oder das Gehalt verbessern. Ansonsten würde viele den ÖD verlassen oder sich gar nicht mehr dort bewerben

  18. Ich finde diese Diskussion – oder vielmehr das Anstoßen und die Frontenbildung- immer wieder interessant. Auf das Thema will ich hier nicht eingehen, glaube aber, dass Beamte hinter Informatikern die Zweitgrößte (Berufs-)gruppe im deutschen Reddit sind.

  19. Ohne Pension würde ich aber auch gern streiken dürfen, da die PKV und die Pension ein Grund waren den Job zu ergreifen(neben der Arbeit mit jungen Menschen, die meist sehr erfüllend ist). Ich vermute da könnte der Lehrkörper Recht schnell dafür sorgen, dass die Gehälter um 50% steigen.

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