Kassenärzte beklagen mehr Gewalt in Praxen. »Schräge Einschätzung der eigenen Behandlungsdringlichkeit«: Laut den Kassenärzten häufen sich Übergriffe durch aggressive Patienten oder deren Begleitung. Praxispersonal müsse besser geschützt werden.

by bedbooster

23 comments
  1. Kenne das auch bei uns in der Vet. Medizin und im Tierheim.

    Edith: Und da ich vor lauter Hundepfeifen Kopfschmerzen bekomme: Die betreffende Personen fallen eher durch generelles Anspruchsdenken auf, als durch ihre Herkunft. Leute denen man anmerkt, dass ihnen im Leben noch nie jemand so richtig Einhalt geboten hat. Früher gabs für sowas Ritalin, heute Applaus oder so in der Art.

  2. Teilweise ist das Problem doch aber auch Hausgemacht.

    Was mir für Unverschämtheiten in den letzen Jahren, wobei angemerkt sei, daß das immer mehr wird, von inkompetenten “Sprechstundenhilfen” habe bieten lassen müssen, geht auf keine Kuhhaut mehr.

    Das Spektrum reicht dabei von 20 Minuten komplett ignoriert werden, weil man lieber mit Angehörigen telefoniert, während sich die Neuzugänge stapeln, bis zur Verweigerung einer ärztlichen Behandlung, mit dem Hinweis darauf, daß man sich gefälligst nicht so anstellen solle, toll, daß die mittlerweile auch Ärzte sind, hin bis zum angeschrien werden vor sämtlichen Anwesenden, weil man das gemacht hat, was die andere Kollegin vorher am Telefon geraten hat, nämlich trotz Coronaverdacht, eben wegen eines Tests vorbeizukommen, weil es ja ne Notfallspeechstunde gibt, die Kollegin aber darauf bestanden hat, daß man vor der Praxis stehend im Sichtbereich hätte anrufen müssen, und einen deshalb anschnauzen kann wie nen Fuhrknecht etc. pp.

    Ja, man kann trefflich argumentieren, daß das ein Henne-Ei Problem ist, und Überforderung mittlerweile zum Alltag gehört.

    Klar tragen auch die lieben Patienten mit dazu bei, aber sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschreiben ist auch nicht das gelbe vom Ei, um bei den Hühnern zu bleiben.

    Gut, Handgreiflichkeiten gehen gar nicht da wäre ich auch rigoros.
    Was da aber eine Strafverschärfung bringen soll, entzieht sich meiner Logik, da das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, bzw. die “Tat” schon gegangen wurde, und das dann juristisch aufzuarbeiten kostet auch Zeit und Geld, und das haben ja alle Beteiligten im Überfluss.

    Vielleicht wäre zu überdenken, Personal (besser) zu schulen um eben deeskalierend vorgehen zu können sinnvoller.

  3. Alle öffentlichen institutionen beklagen mehr Übergriffe – jedoch sehe ich nur eine lösung in sicht : aussitzen -.- /s

  4. Gewalt geht garnicht, aber dass auch bei Patienten die Nerven blank liegen kann man schon verstehen.
    Mindestens ein halbes dutzend Praxen abklappern (am besten in person, da per tel nichts geht) um nur zu hören “wir nehmen keine neuen Patienten an”. Wenn man dann doch das Glück hat irgendwo reinzurutschen bekommt man nen Termin in 3 Monaten (der Patient neben dir kommt übermorgen schon dran, PKV machts möglich). Nach mehreren Stunden im Wartezimmer sitzt man dann 3 Minuten bei einem überarbeiteten Arzt und geht ohne Lösung nach Hause, dafür aber mit Überweisung und darf das Spiel von vorne beginnen.

  5. Egal ob Praxis, Notaufnahme oder in meinem RTW. Die Leute werden gefühlt immer egoistischer und leider auch dümmer. Bildungsnotstand lässt grüßen.

    Ein kleines Quiz: es ist etwa 0 Uhr an einem Samstag. Ihr habt Schulterschmerzen nach dem ihr unbequem auf dieser geschlafen habt. Was tut ihr?🤔.
    Zum Hausarzt gehen wenn der Schmerz nicht weniger wird? Quatsch! Eventuell die 116117 anrufen und beraten lassen? Pff Amateur! Ja Genau, direkt einen RTW anfordern und die Sanitäter beschimpfen weil die euch nicht mit Schmerzmedikamenten abschießen wollen sondern nur einen Transport ins Klinikum anbieten können. Am Ende dann die Sanitäter bitten zu gehen und ankündigen sich bei deren Vorgesetzten beschweren wollen.

  6. Kann ich aus der Apotheke bestätigen. Die Leute werden einfach immer bekloppter.

    Ich wurde noch nie in meinem Leben so oft angeschrien, wie die 2 Jahre als Apotheker in der Öffentlichen. Und zwar von allen Bevölkerungsgruppen, alten Opas, Menschen mit Migrationshintergrund oder jungen Müttern.

    Wir werden in immer größere Versorgungslücken laufen als Gesellschaft hinsichtlich ärztlicher und pharmazeutischer Versorgung, da immer weniger Fachpersonal sich den Scheiß antun wollen mit den Menschen.

    Hinzukommt, dass man zu wenig verdient. Durch den Wechsel in die Pharmaindustrie bekomme ich 40% mehr Gehalt, arbeite nicht mehr samstags und kann home Office machen.

  7. Ich sag’s immer wieder , die Egos der Menschen werden immer größer , keine Ahnung ob es an den sozialen Medien liegt oder sonst was , die Ausrede mit Unzufriedenheit finde ich da zu einfach , jeder meint er wärs und meint damit natürlich immer oberste Priorität zu haben , ein soziales Miteinander existiert für diese Personen außerhalb ihrer Blase nicht mehr.

  8. Wollen wir vielleicht doch auf ein Gesellschaftsmodell umsteigen in dem die Kooperation under gesellschaftliche Zusammenhalt im Mittelpunkt steht, oder weiter wie bisher auf Konkurrenzkampf und Eigeninteresse? Sorry, aber wenn sich mal wieder über die Symptome beschwert wird muss ich fragen.

  9. Ich arbeite in einem eher kleinen Krankenhaus und selbst wir haben mittlerweile eine Security. Wurde zwar eigentlich während Corona eingeführt (weil da gefühlt jeder seinen gesunden Menschenverstand verloren hat) und sollte danach wieder gecancelt werden, aber nachdem die Mitarbeiter in der Notaufnahme wirklich gebettelt haben, ließ man es weiterlaufen.

    Habe früher auch immer wieder in der Notaufnahme gearbeitet und ich werd nie vergessen wie wir einen jungen Mann und seinen kleinen Sohn stundenlang versuchten wiederzubeleben nachdem sie ertrunken waren. Hat leider nicht geklappt, dann kommt man völlig am Ende raus und wird von einer Horde keifender Idioten empfangen warum das denn so lange dauert und ob wir alle Kaffee trinken. Sonntagnachmittag, lauter Arschgeigen die sich ihren scheiss Knöchel beim scheiss Fußball verdreht haben. Manchmal kann man Menschen nur hassen.

  10. Ich bin als Pflegekraft mehrmals – auch physisch – angegriffen wurden. Mich hat mal ein Angehöriger angegriffen, weil er meinte ich würde seine Mutter verhungern lassen weil ich ihr das Abendessen noch nicht gegeben hatte. Das seine Mutter nur polnisch spricht und schwer dement war und (wie sich später durch einen Übersetzer rausstellte) ihre Enkel gesucht hat und sich daher von mir hat kein Essen anreichen lassen hat er einfach nicht verstanden. Er hat mich über die Station gejagt und versucht zu verprügeln. Ich bin so froh, bin ich aus der Pflege ausgestiegen.

  11. Gewalt ist ein absolute No-Go und sollte nirgends als Lösung gesehen werden und auch strikt verfolgt und geahndet werden.

    Verwundern tut mich das alles aber nicht, egal ob jetzt hier in Arztpraxen, in Krankenhäusern, bei Apotheken oder auch Rettungsdiensten allgemein, was ich da für Erzählungen von meinem Vater höre als Feuerwehrmann, wenn mal was gesperrt werden muss wegen Löscharbeiten etc. kann man sich nicht vorstellen.

    Im Fall von Arztpraxen hier würde ich jetzt sagen: Klares Zeichen der steigenden Sozialen Ungleichheit, Verzweiflung und einfach Frustration, da man wie andere schon geschrieben haben, speziell nach Umzug oder langer “Gesundphase” kaum noch irgendwo einen Arzt findet wenn man nicht noch Selbstzahler / PKVler ist und wenn man doch einen Platz in einer Praxis hat, die Termine mit Glück in 3 Monaten frei sind, während dein Nachbar als PKVler schon übermorgen reinkommen darf.

    Dann hockt man mal in der Praxis und hat sich potentiell für den Termin freigenommen nur um dann in 3-4 Minuten schnell abgespeist zu werden, ohne große Arbeit zumindest für einen ersichtlich und die Schmerzen / Probleme bleiben weiter unbehandelt.

    Das Problem ist halt da können die wenigsten Ärzte und Ärztinnen etwas dafür, die Spielen ja auch nur im System, für die betroffene Person selbst aber ist da irgendwann der Kipppunkt erreicht und das merken wir leider immer häufiger.

    Oh und da oben drauf kommen natürlich noch die ganzen Egoisten die meinen alles muss sich um sie drehen, ja auch bei der Straßensperre wegen einem brennenden Haus müssen die ja durch weil es keine anderen 5 Wege gibt und dieser 2 Sekunden schneller ist damit sie ihren Termin bekommen.

    Tut mir echt leid für alle Personen im Gesundheitssystem sowie auch im Rettungs- und Hilfswesen und nein, keiner der ausübenden Personen im Gesundheitssystem ob Ärztin, Sprechstundenhilfe, Pflegerin oder Assistentin sind Schuld daran, dass es so ist wie es ist, weswegen hier nochmals die Gewalt sowieso die völlig falschen Menschen trifft und das Problem nur noch größer macht.

    Kleine Anekdote noch aus der Coronazeit was bis heute bei meinem Arzt weitergeführt wird. Infektionssprechstunde, man ruft morgens an, schildert seine Symptome bekommt einen Termin zwischen 10-11 und soll sich dann bei Ankunft vor der Praxis melden. Ja klar etwas viel Aufwand, aber ich find’s gut denn so ist die Möglichkeit andere Menschen ebenfalls noch mit xyz anzustecken geringer und sollte die Infektion länger bestehen so muss ich in der selben Woche bzw. Folgewoche nicht mehr rein und nehme den Ärzten auch etwas Arbeit ab. Erst wenn man dann über die 2 Wochen ist, gibt’s wieder ein Besuch oder wenn sich die Lage schlimmert, besser aber als für alles zum Arzt zu rennen.

  12. Es wird Zeit, dass solches Handeln Konsequenzen hat. Wieso akzeptieren wir als Gesellschaft so ein Verhalten? Diese Personen gehören ohne Behandlung der Arztpraxis verwiesen.

  13. Da müssen wir wohl alle toleranter werden mit den Menschen die das nicht sein können/s

    Wir sind allgemein eine so tolerante Gesellschaft geworden dass man mit allem nachsicht haben muss. Wir müssen den gegenüber verstehen und auf seine Sorgen die mit 120 dB sein Gesicht verlassen eingehen. Wir müssen freundlich die Menschen grüßen die straflos Infrastruktur in kleine Würfel hacken und natürlich wie in der Bibel geschrieben auch die Linke wange hinhalten wenn auf der rechten der Fuß angekommen ist. /s

    Derzeit kommt es mir so vor dass sich die Zivilgesellschaft auflöst und dabei jedem immer wieder eingebläut wird, wir müssen ja tolerant sein.

    Um das ganze nicht zu eskalieren muss der Staat hier beginnen sein Gewaltmonopol zu sichern um möglichst die nächsten Eskalationsstufen zu vermeiden.

  14. >Die Regel sei ein solches Verhalten nicht – die Probleme gingen auf eine “kleine, leider aber größer werdende Klientel” zurück, sagte Gassen. Am härtesten treffe es oft die Arzthelferinnen. “Dass sich Patienten nicht benehmen können und eine schräge Einschätzung der eigenen Behandlungsdringlichkeit haben, ist ein Nationen-übergreifendes Phänomen. Was sich allerdings auch häuft: Da ist einer krank, und sechs Leute kommen als Begleitung mit in die Praxis oder die Notaufnahme und machen Radau. Das ist bemerkenswert und extrem unangenehm.” [[Quelle](https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/gassen-gewalt-in-praxen-100.html)]

    Da wird die Polizei wohl mit Gewehr in der Hand bald nicht nur die Notaufnahmen beschützen müssen. [[Quelle](https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/149539/Streit-mit-blutigem-Ausgang-Berliner-Polizei-sichert-Notaufnahme-ab)]

  15. Es ist kein Problem der Kassenärzte, der Krankenhäuser und der Feuerwehr. Es ist eines mit dem die ganze Gesellschaft konfrontiert wird.

    Im Einzelhandel sind Beschimpfungen an der Tagesordnung. Denunziation in öffentlichen Bewertungen ist Volkssport. Handwerker die an der (lärmenden) Arbeit gehindert, beschimpft oder gar tätlich angegangen werden. Müllentsorgung oder ÖPNV. Der Streit ist auf jeder Tour vorprogrammiert.

    Es gibt einen (wachsenden) Teil der Gesellschaft die glaubt das “Recht” zu haben sich und sich allein in den Mittelpunkt stellen zu können. Das ist keine Frage des Alters, der Herkunft, der Erziehung oder der finanziellen Möglichkeiten. Es ist eine Grundeinstellung in der Egozentrik, Verantwortungslosigkeit und das Anspruchsdenkens alles andere ausschaltet.

    Es ist eine Form der moralischen Dekadenz.

  16. Viele witzeln (oder haben Angst) vor dem sog. Social Credit Score in China aber in dem Punkt hatten die Regionalregierungen in Fernost vielleicht doch recht gehabt. Solche Verfehlungen öffentlich zu machen ist immerhin ein gutes Mittel sie seltener werden zu lassen. Half ja schon im Mittelalter.

    Nennt die Arschlöcher damit man sie meiden kann.

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