(S+) Jenas FDP-Oberbürgermeister kritisiert Vorstoß seiner Partei: »Lebenswert wird eine Innenstadt, wenn Autos nicht im Weg sind«

by strangedreams187

7 comments
  1. > Lebenswert wird eine Innenstadt, wenn Autos nicht im Weg sind.

    […]

    > Ich kann nur von meiner Erfahrung hier vor Ort berichten. Die Wagnergasse, Jenas Kneipenmeile, ist der place to be für alle Studenten. Vor 25 Jahren sind da noch Autos gefahren, später durften nur noch Busse durch. Aber erst seit dem die Straße eine vollkommen verkehrsberuhigte Fußgängerzone ist, ist sie richtig aufgeblüht.

    Wo er Recht hat. Klingt allgemein sehr in Ordnung in dem Interview.

    Ist auch eine Ansage, wenige Stunden nach Beschluss der Parteiführung im Spiegel genau das Gegenteil zu sagen. Insbesondere wirkte die Pressekonferenz der FDP wie ein Wahlkampfmanöver für die FDP Brandenburg, der dortige Spitzenkandidat redete größtenteils. Da ist es doppelt spannend, dass Gegenwind aus Jena kommt.

  2. Zum Glück ist Kommunalpolitik meist etwas anders als Bundes- oder Landespolitik.

    Unser FDP-Bürgermeister ist auch ganz anders als bspw. Christian Lindner. Der versucht nämlich etwas für die Bevölkerung zu tun, so wie Herr Nitzsche auch.

  3. FDP abschaffen. Jetzt.

    Was die vorschlagen ist genau das Gegenteil von dem, was wir machen sollten.

    Unsere Städte müssen ohne Autos funktionieren. Der Wandel der Städte nach dem zweiten Weltkrieg mit der Ausrichtung auf Autos war ein riesiger Fehler. Hätten wir damals stattdessen auf ordentlichen ÖPNV gesetzt, hättej wir jetzt weit weniger Probleme: Weniger Luft- und Lärmverschmutzung, mehr Platz in dem Städten, mehr Gesellschaft und weniger Anonymität. Wir hätten es weit einfacher, unsere Infrastruktur zu pflegen, der ÖPNV wäre günstiger, die Bahn gepflegter und der Kampf gegen den Klimawandel wäre unendlich viel leichter.

    Dass jeder in seinem eigenen Auto sitzt, ist nicht nur eine alberne Ressourcenverschwendung, sondern trägt noch dazu zur Vereinsamung bei, und damit zu psychischen Krankheiten.

    Wir müssen über kurz oder lang unsere Städte sowieso Umdenken und zu mehr ÖPNV wechseln. Je früher wir das machen, desto besser ist es und umso weniger kostet es.

    Alternativ könnte man natürlich zuerst die Familie massiv subventionieren und die nächsten zwanzig Jahre alles Geld das irgendwie abkömmlich ist in die Förderung stecken, damit in 20 Jahren nicht das Rentensystem kollabiert. Und danach dann Städte umbauen

    Aber hey, wieso auch irgendwas aufwändiges starten das außerhalb der Legislaturperiode erst fertig wird – hat man ja nix von. Alles nur nervig und sowieso meh. Lass einfach weitermachen wie bisher, die dumme Bevölkerung checkt eh nicht dass es weiter bergab geht, Hauptsache tEcHnOlOgIeOfFeN und irgendwas mit Wasserstoff.

  4. Sehe ich in meiner Stadt auch so. Nur in der Fußgängerzone halten sich Menschen gerne auf, ist ja auch einfach nachzuvollziehen. Wer setzt sich denn gerne draußen neben einer Hauptstraße hin? Wer shoppt gerne vom überfüllten Bürgersteig aus, während Autos 80% der offenen Fläche für sich nehmen?

    Und ich sage das als Autofahrer. Wenn ich in die Stadt will fahre ich viel lieber auf einem Parkplatz am Rande und genieße es dann, ein bisschen durch die Innenstadt zu laufen.

    Mein Gott, da kann man als Stadt auch wunderbar einen Weinachtsmarkt aufbauen, sonstige Kulturangebote, Food Trucks, Bäume, kleine Grünflächen, whatever. All das geht nicht, wenn die Innenstadt mit Autos überrollt ist.

  5. Es ist absurd, dass eine Partei die sich mit Innovation, wissenschaftlichem Fortschritt und intelligenten Investionen rühmt von einem, für mich, mittlerweile erzkonservativen Armutshasser geführt wird. Die Aussagen von Herr Nitzsche spiegeln das wieder was viele Städteforscher seit Jahren sagen und einige westeuropäische Städte erfolgreich umsetzen ( Utrecht, Amsterdam, Paris, Barcelona, Kopenhagen…). Dass nicht alle unbedingt eine autolose Stadt wollen ist auch klar aber Herr Lindner verfolgt Ziele, die in den 90ern schon erreicht wurden und langsam könnte man anfangen auch mal auf andere Stimme zu hören als NUR auf die Stimmen die nach Geldscheinen klingen. Lobbyarbeit braucht wieder mehr Balance!

  6. Falls jemand wissen möchte, wie eine Innenstadt in FDP-Land aussehen könnte, dem empfehle ich ein Blick nach Krefeld. Die Stadt ist in der infrastruktur-Philosophie der 60er-Jahre stecken geblieben. 50 Jahre Stadtwicklung sind an der Krefeld nahezu spurlos vorüber gegangen. Das Ergebnis ist eine Innenstadt in einem “Grid-Layout”, in dem jede noch so kleine Nebenstraße bis an die Fußgängerzone und die mittlerweile leerstehenden Kaufhäuser ran gezogen wurde, Freifläche zu Parkplätzen umgebaut wurden, und Autoverkehr stellenweise die Fußgängerzone kreuzt. Fußgänger stehen alle paar zehn Meter an einer autofreundlich getakteten Ampel, und Radfahrer kriegen allenfalls mal einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn.

    Spoiler: Autofahrer haben trotzdem keinen Bock, in oder durch diese Innenstadt zu fahren, und der Einzelhandel kämpft sichtlich ums Überleben. Ich bin heilfroh, dass mein Arbeitgeber nächstes Jahr ein neues Gebäude an der Stadtgrenze beziehen wird und ich dann bei Nutzung der Öffis nicht mehr durch diese Innenstadt laufen muss.

    Ein paar Kilometer weiter liegt die Kleinstadt Kempen. bis auf ein paar strategisch platzierte Parkplätze und Anwohnerstraßen ist der historische Stadtkern nahezu komplett Autofrei und siehe da, hier möchte man sich gerne aufhalten und es siedeln sich Einzelhandels-Unternehmen an, die man in so einer kleinen Stadt nicht erwarten würde (aber offenbar lässt die in dieser Stadt sicherlich auch nicht verarmte Laufkundschaft genug Geld da, dass sich auch große Einzehandelsketten hier eine Filiale leisten können).

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