
Afghanistan: Die lange Schande von Kabul | 2021 verließ die Nato überhastet Afghanistan, die Taliban übernahmen. Ein Skandal, der heute wie verdrängt scheint. Die Schuld daran wird zu oft den Opfern gegeben.
by MartKad

Afghanistan: Die lange Schande von Kabul | 2021 verließ die Nato überhastet Afghanistan, die Taliban übernahmen. Ein Skandal, der heute wie verdrängt scheint. Die Schuld daran wird zu oft den Opfern gegeben.
by MartKad
11 comments
> Dies geschah auch, weil sich der Westen auf die falschen Leute in Afghanistan verließ, darunter zahlreiche berüchtigte Warlords und Kriegsverbrecher, jahrelang mit ihnen zusammenarbeitete und sie mittels Hilfsgeldern zu Multimillionären machte. Das passierte, obwohl zahlreiche afghanische Kritiker immer wieder auf diese Missstände sowie den womöglich katastrophalen Ausgang des Krieges, der letzten Endes dann auch eintrat, aufmerksam machten.
[Hier einmal ein Beispiel von den netten Leuten, auf die der Westen sich verlassen hat](https://www.nytimes.com/2024/05/22/world/asia/afghanistan-abdul-raziq.html), wie sollte da nur irgendjemand auf die Idee kommen, dass es mit den Taliban auch nicht schlimmer wäre?
Aber immerhin, wir lassen die Leute, die sich trotzdem für uns eingesetzt haben, nicht zurück:
> Bis zu 1.000 gefährdete Personen wollte man jeden Monat aufnehmen.
> …
> bis zum heutigen Tage nur 533 Personen über das Aufnahmeprogramm eingereist
– Leiter funktioniert nicht
– Oh no anyway. Leoparden aßen mein Gesicht oderso. Hätten die Afghanen eben Interesse an einer wehrhaften Armee haben sollen. Geld, Militärgüter und Ausbilder gab es zu genüge.
Wie lange hätten wir denn noch dort bleiben sollen?
Wir – als Westen – sollten anfangen zu akzeptieren, dass nicht jeder in der Welt unser Lebensmittel teilt. Viele WOLLEN gar nicht so leben.
die Afghanen gehören offenkundig dazu. Die Taliban wurden doch regelrecht willkommen geheißen, als die Westler das Land verlassen haben. Da haben unzählige Menschen nur auf deren Rückkehr gewartet.
Daran ändert auch nichts, dass unsere Journalisten sich primär auf die Handvoll Kollaborateure des Westens beruft und auf diese den Scheinwerfer richtet. Der/Die typische Afghanin sind das ganz offenkundig nicht. Zeit aufzuwachen.
Glückwunsch dabei an den “Dealmaker” Trump, der sich im Doha-Abkommen von den Taliban hat über den Tisch ziehen lassen.
Man kann viel Kritisieren. Aber letztlich ist und bleibt es dabei, dass kaum jemand in Afghanistan wirklich eine Regierung groß anders wollte. Die vorherige Regierung welche von der NATO unterstützt wurde hätte ja am liebsten selber vieles von dem umgesetzt was die Taliban gefordert haben. Das Problem ist, dass man so lange gebraucht hat das zu erkennen.
… was genau ist die Alternative?
Es ist dort zum ersten mal seit Jahrzehnten relativ friedlich. DAS ist ALLEN Menschen mit denen ich dort gesprochen hab viel viel viel wichtiger als irgendwelche westlichen Demokratievorstellungen.
Quelle: war vor 2 Monaten dort.
Ich finds ja persönlich gut das wird da raus sind, aber der Umgang mit den Ortskräften ist eine Schande. Bin da von meinen Sozis in der Regierung hart enttäuscht.
Kann man vermuten dass damals die Geheimdienste schon wussten dass es in der Ukraine bald los geht und man deshalb das ganze beschleunigen musste?
Kann den Artikel angesichts der paywall nicht lesen, aber das Thema nervt. Wir alle im Westen wären sicherlich glücklicher, wenn aus Afghanistan die friedliche Musterdemokratie geworden wäre, das hat nicht geklappt und letztendlich haben alle irgendwie ein bisschen dabei verloren (die Taliban vielleicht am wenigsten).
Wäre es rückblickend sinnvoller gewesen gar nicht reinzugehen? On balance vermutlich ja, aber dann wäre es einer ganzen Generation Afghanen genauso gegangen wie es heute den Afghanen geht. Das wird nach meinem Verständnis im Westen jetzt nicht als Erfolg gefeiert, vielmehr lese ich über die Taliban nach wie vor dasselbe wie schon immer: totalitär, Terroregime, Narcostate etc (jeweils mit unterschiedlichen Schattierungen, je nach Quelle).
Wäre es besser gewesen drin zu bleiben? Wohl eindeutig nein. Letztendlich lief es immer auf ein Ende mit Schrecken anstatt ein Schrecken ohne Ende heraus. Das nation building hat halt nicht funktioniert, da braucht man sich ja nicht in die Tasche lügen. Weder ökonomisch noch politisch hat sich in Afghanistan etwas durchgreifend verbessert. Man hat nur eine Weile für einzelne Gruppen (insbesondere Frauen) Verbesserungen künstlich aufrechterhalten, die jetzt leider wieder verschwinden, weil sie auch keinen durchgreifenden Rückhalt in der Bevölkerung genießen (aber natürlich auch weil es ein autoritäres Regime ist, das das durchsetzt).
Es gab m.E. keine wirkliche Alternative zu dem klaren cut. Trump und Biden kriegen dafür viel Kritik, aber es war letztlich der einzige Weg das ganze abzuschließen. Ein Skandal ist dies m.E.nicht, zumal wenn man die jahrelange Debatte seinerzeit verfolgt hat. Es hieß immer, man könne kein end date angeben, weil die Taliban darauf nur warten würden, gleichzeitig war jedermann klar, dass die Taliban nicht verschwinden würden. Wie sollte man denn dann aus der Zwickmühle raus? Ich darf kein end date angeben, ich weiß ich kann nicht gewinnen, ich will nicht für immer da sein, aber “überhastet” darf ich auch nicht raus? Das ist die Quadratur des Kreises, die da rückblickend gefordert wird.
Und alles drumherum ist auch etwas befremdlich. Natürlich hätten wir optimalerweise alle gefährdeten Ortskräfte aufnehmen sollen. Umgekehrt haben wir hier aber eine Vielzahl von Leuten aus Afghanistan aufgenommen, die keineswegs von den Taliban gefährdet waren und die wir letztlich zum einen aus praktischen Gründen und zum anderen wegen der dortigen schlechten Versorgungslage hier behalten. Es ist also keineswegs so schwarz-weiß, das “der Westen” sich seiner etwaigen Verantwortung entzieht. Bis heute leisten wir dort humanitäre Hilfe, was ich richtig finde, wo aber durchaus Kritik zu lesen ist, dass die Taliban weiterhin den Terror finanzieren und wir letztlich indirekt unsere Feinde stützen. Ob das wahr ist und wie es ausgeht werden wir in den nächsten Jahren sehen. Übrigens auch wie es mit den Taliban weitergeht. Angeblich eint diese derzeit vor allem, dass wenn ihre eigenen Differenze aufbrechen, das wieder zum Bürgerkrieg führen würde. Und das will dann auch wieder keiner.
Es wäre evtl gut gewesen sich nicht mit den Taliban zu verbünden gegen Al Kaida sondern die Taliban genau so als radikale Fanatiker zu sehen und dementsprechend zu agieren.
Nation-Building funktioniert nicht. Spätestens nachdem Bin Laden in Pakistan getötet wurde, hätte man die Sache da beenden müssen.