Deutlich weniger Neubauten – Trendwende bei Wohnungsbau nicht erkennbar

by Jumpy_Wish8739

10 comments
  1. > Die Zahl der Genehmigungen für den Wohnungsbau ist in Deutschland weiter zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurde im ersten Halbjahr der Bau von 106.700 neuen Wohnungen genehmigt. Das waren rund 21 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

    Die Ampel versagt beim Neubau komplett. Ein zentrales Wahlversprechen kann leider nicht eingehalten werden. Ich frage mich wirklich was die Bauministerin Geywitz (SPD) macht?

    Übrigens: der Nettozuzug war 2023 ca 660k Menschen. Wo sollen die alle Leben? Versteht das jemand in der Regierung? Weil ich sehe nicht wie das zusammenkommt. Ist ja gut wenn man Immigration will, wir brauchen die wegen des Demographischen Wandels. Aber man muss halt auch bauen damit die Leute wo wohnen können.

    https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/_inhalt.html#

  2. Bis 2023 ist die Anzahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe gestiegen. Es haben also viele Bürger – auch junge Bürger – wieder Lust auf das Bauhauptgewerbe. Das Beschäftigungsniveau ist aktuell höher als im Jahr 2002. [[Quelle](https://www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/arbeitsmarkt/beschaeftigung)]

    In der jüngeren Geschichte ging die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe in Deutschland vor allem zwischen 1995 und 2005 zurück. Bis 2023 haben wir einen Aufschwung erlebt und Teil dieser Geschichte sind auch viele junge Bürger. Es gibt hier also wenige Gründe mit der Demographie zu argumentieren oder auf eine “mangelnde Lust” bei jungen Erwachsenen zu verweisen. 2021 haben wir einen Hochpunkt bei den Auszubildenden erlebt. [[Quelle](https://www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/arbeitsmarkt/ausbildung)]

    Wenn wir aber jetzt den Wohnungsneubau einbrechen lassen und die Anzahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe zurückgeht, dann werden wir in der Zukunft noch größere Probleme bei Infrastrukturprojekten, bei der Energiewende oder beim Wohnungsneubau erleben. Die qualifizierten Handwerker gehen dann entweder in’s Ausland oder sie verlassen die Branche. Wir würden auch die neue Generation der Auszubildenden auf der Strecke liegen lassen, welche richtig Bock auf’s Handwerk hat.

  3. Vermieten lohnt sich für private einfach nicht. Wenn man sein Geld in etfs steckt hat man mehr Rendite bei deutlich weniger Arbeit.
    Viele meiner Freunde, die sich eine Wohnung leisten könnten, mieten lieber weil es billiger ist umd man alles auf den Vermieter legen kann was Reparatur etc. angeht.
    Und dann wundert man sich das weniger gebaut wird. Aha.

  4. In meiner Stadt gilt ab 20 Wohneinheiten für Neubau seit einigen Jahren:

    Nur Erbbaurecht, 50% Sozialwohnungsquote.

    Merkwürdigerweise auch seit einigen Jahren kaum noch große private Bauprojekte, es werden nur noch die Dinge in der Pipeline beendet, das war’s dann.

  5. Wir haben vor drei Jahren neu gebaut und ich bin froh, dass es vorbei ist. Es ist alles absurd.
    Allein was alles an Auflagen und Nebenkosten hinzu kommt. Wir verwalten uns zu Tode! Es ist kein Wunder, dass der Bau einbricht.

    Die Preise sind viel zu hoch. Das ist erstmal das Hauptproblem.
    Die Nebenkosten sind viel zu hoch. Hier könnte der Staat locker eingreifen, wenn er wollen würde. 6% Grunderwerbsteuer, nur weil ich das Grundstück kaufe (oder wenn ein Haus im Bestand erworben wird, dann natürlich auf den gesamten Baupreis). Bauanträge, die ewig dauern und viel Geld kosten. Ein Architekt muss verpflichtend den Bauantrag einreichen, selbst wenn es ein 0815 Fertighaus ist, welches hundertfach identisch gebaut wird. Dafür bekommt er natürlich auch wieder einige tausend Euro. Ein Vermesser muss das Grundstück einmessen. Nach dem Bau muss er das Gebäude einmessen und die Daten a das Katasteramt melden. Er erhält dafür gesetzlich festgelegte Gebühren, die sich natürlich nicht an Arbeitsaufwand bemessen, sondern an Gebaeudewert. Das Katasteramt nimmt wieder Gebühren, um die Striche im Kataster einzutragen. Der Notar benutzt 0815 Fertigverträge, um Eintragungen im Grundbuch vorzunehmen. Dafür erhält er gesetzlich festgelegte Gebühren. Die bemessen sich anhand des Kaufwertes. Weil ein Stück Papier wo 600.000€ drin steht natürlich aufwendiger ist, als wenn dort 200.000€ steht. Das Amtsgericht nimmt natürlich eigene Gebühren, um die Übereignung dann tatsächlich ins Grundbuch zu schreiben.
    Diese Akteure lassen sich übrigens für alles so viel Zeit, wie sie wollen. Man kann quasi nichts dagegen tun. Wir stehen jetzt nach drei Jahren im Grundbuch. Im Kataster ist die Gebäudeeinmessung zwei Jahre nach Fertigstellung noch immer nicht eingetragen.

    Und nur weil man dann Grundstücksbesitzer ist, kann man natürlich nicht bauen, wie man könnte. Der Bebauungsplan gibt alles vor. Versiegelte Flächen, Anzahl der Bäume, Art der Bäume, Anzahl der Nistkästen für Vögel, Anzahl der Stellplätze, Abstand des Hauses zur Straße, Art der Dacheindeckung, alles muss stimmen. Der Baum, der in der Baumschutzverordnung geschützt ist, steht im Weg? Dein Pech! Du kannst zwar nicht ausweichen, das Grundstück ist als Bauplatz für ein Wohnhaus vorgesehen, aber wie du das Problem löst, ist ganz allein dein Problem.

    Ach, du willst auch Strom, Wasser und Internet im Haus? Dann stell rechtzeitig die Anträge bei deinen Versorgern. Und zwar einzeln. Wer ist überhaupt dein Versorger? Dein Problem, finds raus. Und wenn die nicht kooperativ sind? Dein Problem!

    Du musst Boden entsorgen? Dein Problem! Lass ihn teuer prüfen und bei speziellen Unternehmen für 100 Euro pro m3 entsorgen. Dass er vorher dort jahrzehntelang lag interessiert keinen. Du bist jetzt dafür verantwortlich. Ach, im Boden liegt eine Kloschüssel aus Kaisers Zeiten? Baustopp, Ausgrabungen! Natürlich auf deine Kosten. Dein Problem.
    Ein Schatz im Boden? Den erhält natürlich der Staat. Ist ja klar.

    Bauen ist eine Odyssee

  6. Was mir bei der ganzen Debatte nicht so richtig einleuchtet: Der Wohnungsmangel ist vor allem ein Problem des ohnehin begrenzten urbanen Raums. Staatlich eingreifen kann man nur effektiv mit staatlichem Wohnraum, was man aber nur in homöopathischen Dosen tut. Privaten Wohnungs- und vor allem Hausbau zu subventionieren ist in der Regel nicht mehr als ein Verwirklichungsgehilfe ohnehin privilegierter Menschen.
    Gleichermaßen stirbt der ländliche Raum aus. Wohnraum, abseits der Speckgürtel, ist verfügbar. In Ostdeutschland werden vielerorts ganze Wohngebiete zurückgebaut. Ernsthafte Pull-Faktoren in den ländlichen Raum gibts aber nicht…und wenn, dann wieder nur für die ohnehin schon privilegiert Menschen, die bequem aus dem HO arbeiten können.
    Wie sieht’s denn die Wohnungsnot in einer idealisierten Vorstellung aus, in der Menschen frei überall hinziehen könnten? Und – damit mache ich mich hier sicher unbeliebt, aber als Gedankenspiel sollte man es nicht außer Acht lassen – wie sieht es denn mit der Eigenverantwortung der Menschen aus, die in Großstädten keinen Wohnraum finden? Sollten wir von ihnen verlangen können, dass sie freiwillig nach Görlitz oder Schwedt ziehen? Den Regionen dort wäre geholfen. Gleichermaßen würden sich die Menschen und Unternehmer in den Großstädten sicherlich verwundert die Augen reiben, wenn plötzlich noch weniger Dienstleistungen bzw. Personal vorhanden ist (weil man eben nicht mit den angebotenen Vergütungen im urbanen Raum leben kann). Vielleicht würde dadurch auch (jaja, sehr idealistisch) eine eigene Dynamik zugunsten der nicht privilegierten Menschen einsetzen.

  7. Es hat sich nichts verändert, obwohl wir nichts gemacht haben? Das ist ja komisch.

  8. Man könnte ja zurück zum Plattenbau und vor allem Bauvorschriften reduzieren nur will das keiner. Am liebsten EFH mit riesen Grundstück, bloß nicht zu wenig Platz.

  9. Soll doch bitte der Staat bauen und verwalten. Ich setze nicht mein Erspartes und zukünftige Einnahmen aufs Spiel um am Ende einen Mietnomaden in der Bude hocken zu haben der mir die Wohnung oder das Haus runter rockt. Erst wenn man sich dagegen vernünftig und bezahlbar versichern kann und im Fall des Falles nicht alleine gelassen wird, wird sich was ändern.
    Besonders der Staat will ja das die Leute zur Miete wohnen weil man da die Einnahmen noch schön besteuern kann. Optimalfall für den Staat ist ja wenn jeder eine Bude hat die er vermietet aber selber zur Miete wohnt.

  10. Ich lese seit 15 Jahren die immer gleichen Schlagzeilen zum deutschen Immobilienmarkt und die werden auch in den nächsten 15 Jahren garantiert gleich lauten.

    Sinnvolle Maßnahmen erfordern eine radikale Abkehr von den typisch deutschen Neurosen, die diese Situation erst hervorgebracht haben. Man schafft es aber nicht mal, die ersten, ganz einfachen common sense Schritte zu gehen, die ohne Kosten mit einem Federstrich in die Wege geleitet werden könnten.

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