Duden-Chefin: “Es ist keine sachliche Debatte mehr übers Gendern möglich”

by BlueDarkSky

21 comments
  1. >Kathrin Kunkel-Razum, die Leiterin der Dudenredaktion und ein Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung, hat in einem “Spiegel”-Interview (Bezahlartikel) die deutsche Debatte um geschlechtergerechte Sprache kritisiert. “Viele haben das Gefühl: Mir möchte hier jemand etwas vorschreiben, Stichwort Sprachpolizei”, erklärte die 64-Jährige. “Es ist jedenfalls keine sachliche Debatte mehr übers Gendern möglich, die Emotionen kochen absolut über.”

    […]

    >Kunkel-Razum hält den Streit für irrational, speziell auch deswegen, weil andere, nach der deutschen Rechtschreibung “verbotene” Schreibweisen niemanden interessierten. So erklärte sie, dass etwa Prozentzeichen oder Hashtags eigentlich “nach den geltenden Rechtschreibregeln nicht zulässig” seien. Hier gebe es aber keinerlei Aufregung.

    >Den Widerstand gegen geschlechtergerechte Sprache verglich Kunkel-Razum mit dem Widerstand gegen die Rechtschreibreform vor 25 Jahren, die das Wort “daß” zu “dass” machte. “Ich hatte nach der großen Rechtschreibreform 1996 den Eindruck, dass die Gesellschaft unter anderem wegen der Wiedervereinigung stark im Umbruch steckte. Bei vielen politischen Themen konnten die meisten Menschen kaum mitreden, anders als bei der Rechtschreibung”, so Kunkel-Razum. “Da war der Eindruck: Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen, wenn sich hier etwas ändert – unabhängig davon, ob das nun gerechtfertigt war oder nicht. Heute steckt die Gesellschaft wieder in Umbrüchen, vielleicht eskaliert der Streit übers Gendern deshalb in dieser Form.”

  2. Was erlaubt sich diese Frau, neutral und sachlich über das Thema zu reden, über das ich mich aufregen will!

    /s

  3. Es ist keine sachliche Debatte mehr möglich -Fixierte dies für dich.

  4. Dachte das Thema is durch. Höre es so gut wie gar nicht mehr.

  5. Sprachverbote gibt es nur von Union und Rechtsaußen: Gendern ist Nirgends Pflicht, aber in Bayern und Thüringen ausdrücklich an Schulen und Universitäten verboten.

  6. Huch mal jemand mit Sachlichkeit und Verstand. Ein mittlerweile seltenes Gut.

  7. Schade dass die gesamte Debatte von geschlechtlicher Gleichberechtigung dank viel Aufregung sich nur noch um ein “:innen” dreht. Da können sich beide Seiten austoben und beschimpfen.

    Wo kämen wir bloß hin wenn mal wieder Inhalt und echte Probleme auf den Tisch kommen würden./s

  8. Mich stört, dass oft – auch hier – zwei Varianten des Gendern vermischt werden. Mein Eindruck ist, dass das, was die meisten stört, die genderneutrale Schreibweise mit Sternchen oder Doppelpunkt ist.

    Das Problem, das im Artikel jedoch angesprochen wird, also dieses hier:

    > Sie selbst sei kein Fan des sogenannten “generischen Maskulinums”, das besagt, dass Frauen bei Worten wie “die Politiker” mitgemeint seien. “Das überzeugt mich überhaupt nicht. Erstens hatten Frauen in früheren Zeiten insgesamt wenig zu sagen, das ist also kein Maßstab. Zweitens waren Frauen in vielen Berufen schlicht nicht vertreten, deshalb benötigte man auch keine Bezeichnung dafür.

    .. ließe sich problemlos mit der Beidnennung der Geschlechter lösen, was ebenfalls eine Variante des Gendern ist und soweit ich das beurteilen kann deutlich weniger kontrovers diskutiert wird.

  9. Es war noch nie eine Sachliche Debatte möglich, gerade da zu diesem Thema zwei total parallele Erwartungshaltungen existieren.

    Für die eine Seite ist es ein Ansatz, Sprache inklusiver zu gestalten, und die andere Seite sieht darin einen Angriff der “LGBTerroristen/Alphabetmafia/Regenbogen-Clans”, die versuchen die “normalen” Menschen als ihre Geiseln zu nehmen und ihnen ihre widerwärtige Schande aufzudrücken, irgendwasirgendwas vergewaltigung der Sprache, irgendwas Kulturmörder….

  10. > Kunkel-Razum hält den Streit für irrational, speziell auch deswegen, weil andere, nach der deutschen Rechtschreibung „verbotene“ Schreibweisen niemanden interessierten. So erklärte sie, dass etwa Prozentzeichen oder Hashtags eigentlich „nach den geltenden Rechtschreibregeln nicht zulässig“ seien. Hier gebe es aber keinerlei Aufregung.

    Hashtags spricht ja auch niemand über 16 mit aus und erklärt den Leuten dann es sei gut so zu sprechen. Lasst mal zwei Wochen die Tagesschausprecher so reden und ihr habt euren Gegenwind.

    „Zehntausende Menschen in der Hashtag-Ukraine und Hashtag-Russland sind nach Vorstößen beider Seiten auf der Hashtag-Flucht. Der ukrainische Präsident Hashtag-Selenskyj sieht wichtige Ziele im Gebiet Hashtag-Kursk erreicht. Hashtag-Krieg, Hashtag-WannWaffenFürWolodymyr, Hashtag-VladiFail“

  11. Abgesehen von dem politischen Drumherum ist es imo schon mal mindestens eine ästhetische Verirrung und damit von vorneherein schwer zu verkaufen.

  12. Es gab nie eine sachliche Debatte über das Gendern – von beiden Seiten* wurde angefeindet und das sorgt für verhärtete Fronten

    *natürlich nicht von allen Beteiligten, aber durchaus recht laut

  13. Vollkommen nachvollziehbar – es ist zum identitätsstiftenden Thema geworden, für beide Seiten. Ich finde da anhaltend die Auslassungen von Philipp Hübl in seinem Vortrag an der UDK wirklich angenehm unaufgeregt. Lohnt sich mMn anzuschauen, sind aber etwa 2h.

    Vorlesung “Bullshit-Resistenz 14. Sondersitzung: Gendern”.

    ansonsten: [https://www.youtube.com/watch?v=yvMGFeQ1gsI](https://www.youtube.com/watch?v=yvMGFeQ1gsI)

  14. Bin selbst einer dieser heiß diskutierten Sondermenschen, wegen derer man jetzt plötzlich die ganze Grammatik verändern muss.(/s, just to be safe).

    Ich selbst gendere sehr sporadisch und kontextbezogen. Was ich aber immer sage: Es ist nicht schlimm, wenn man im Alltagsgebrauch nicht dauernd (korrekt) gendert. Aber es ist schon maximal sus, wenn man sich komplett dagegen wehrt.

    Es gibt auch durchaus berechtigte Kritik daran. Nur leider wird diese von den Gegnern des Genders als Strohmann missbraucht, um indirekt gegen queere Identitäten zu wettern, sodass daraus wieder populistische Meinungsmache entsteht.

  15. Es ist keine sachliche Debatte mehr möglich über:

    Elektromobilität
    Impfungen
    (bitte führt die Liste gerne fort)

  16. FYI, Gendersternchen ist ziemlich blindenunfreundlich. Wird sehr gerne vom Computer vorgelesen. Doppelpunkt ist in der Hinsicht die bessere Wahl.

  17. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema nie einen Abschluss finden wird. In Österreich wird bereits seit den 90ern darüber diskutiert (Jahre bevor das Thema in Deutschland erstmals hochgekocht ist). Es gab seither keine Fortschritte.

    Daher sollte man sich mit dem Status Quo zufrieden geben. Jeder schreibt, wie es ihm gefällt. Zumindest im Bezug auf Gendern. Das mag nicht allen gefallen, ist aber der kleinste gemeinsame Nenner.

  18. Das einzige was mich am “Gendern” (wäre toll wenn wir ein Deutsches Wort dafür haben) stört ist das es in einer Form ein Rückschritt, vom wenn auch nur technisch neuralen generischen Maskulinum, zum binärem sie und er.

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