Natürlich werden sie verheizt. Sie werden genauso verheizt wie jede andere Lehrkraft auch, die gerade erst frisch ihren Dienst angefangen hat.
Was man sich als Lehrkraft heute alles gefallen lassen muss (gerade im integrativen Sektor), ist nur noch pervers.
Ach?
Wie siehts im Ausland aus?
Welche Länder kriegen es besser gebacken und wie?
Eine Freundin (Lehrerin, Grundschule) wurde letztes Jahr von einem der Väter aus religiösen “Gründen” tätig angegriffen (beleidigt und ins Gesicht geschlagen). Nachdem sie bereits mehrfach von diversen Eltern angefeindet wurde.
Sie hat dann erstmal gut 2 Wochen bei mir geschlafen und sich unter Tränen dazu entschlossen ihren Beruf aufzugeben (Schulamt ? hat wohl beide Augen ganz fest zu gekniffen).
Ich hab auch nach einem Jahr als Pädagogische Fachkraft gesagt, joa ne ich mach doch lieber was anderes. Es ist denn Stress einfach nicht wert.. ich hab aus Frust soviel Ben&Jerrys Eis gegessen das ich .. en kleines Bäuchlein bekam..
Tja, woran liegt es? Monokausal ist das sicherlich nicht zu beantworten. Was habe ich denn in der letzten Dekade im Schuldienst so mitbekommen, gilt größtenteils aber für Niedersachsen und ist vermutlich nur zum Teil übertragbar auf andere BLs.
Haupt/Realschulen, meist jetzt Oberschulen genannt, sind zum Auffangbecken der Förderschüler geworden. Dadurch schicken andere Eltern ihre Kinder lieber erstmal aufs Gym. Die sollen ja bloß nicht mit diesen Schülern in eine Klasse kommen, vor allem wenn es viele Förder-ES Kinder in der GS gab.
So tröpfeln dann in den Jahrgängen 6,7,8,9 zumeist so viele SuS von den umgebenden Gyms in unsere OBS, dass man eine ganze neue Klasse bilden kann. Und wir sprechen hier von einer kleinen OBS.
Die Inklusion ordentlich zu lösen, ist eh nicht einfach. Es gibt halt SuS, die in großen Klassenverbänden scheitern. Die brauchen eben die kleinen Lerngruppen, die früher die Förderschulen geboten haben.
Jetzt könnte man ja denken, dass es dafür ja nun Förderlehrer an den Schulen gibt. Aber Pustekuchen. Wir haben 2 ausgebildete FÖ-Lehrer mit insgesamt 40 Stunden. Anspruch hätte die Schule auf mind. 120 Stunden. (Die zwei Fö-Kräfte kommen bei den Gutachten nicht hinterher) Den Rest übernehmen im besten Fall Kollegen, die mal ne Fortbildung besucht haben, im Normalfall niemand. Wer denn hinten überfällt, wenn da nur ein Lehrer im Raum ist, aber 3-4 Fö-Schüler mehr Unterstützung benötigen, kann man sich ja vorstellen. Irgendwer verliert dabei auf jeden Fall.
Mittlerweile hat die Elternarbeit auch immens zugenommen. Was man früher noch an Energie in die Beziehungsarbeit mit dem Kiddies stecken konnte, geht heute für Elterngespräche drauf. Eltern, die es nicht schaffen ihre Kinder morgens zur Schule zu schicken; Eltern, die es nicht schaffen ihre Kinder bei Krankheit abzumelden;Eltern, die es nicht schaffen auf die Anfragen der Schule zu antworten.
“Wie? Mein Kind darf nicht mit auf Klassenfahrt?” “Japp, Sie haben auf 3 Mails nicht geantwortet und selbst nach mehreren Telefonaten es nicht geschafft die Anmeldung und Kostenübernahme für die KF abzugeben.”
Und wenn man das alles doch irgendwie gestemmt bekommt, dann kommt das Ministerium um die Ecke und hat ganz tolle neue Ideen…
Unser Schulsystem bietet aufgrund der Pluralität unterschiedlicher Lernsystem (freie Schulen, IGS, dreigliedriges Schulsystem) so viele Möglichkeiten. Aber am Ende denkt jede Regierung, dass man daran herumdoktorn muss und am besten ohne mehr Geld ins System zu stecken.
“Wie? Sie haben 30 Sprachlerner an der Schule? Wir haben doch gerade die Gelderzuteilung gestrichen. Für Sprachlerner gibt es nichts, nächstes Jahr wieder. Vielleicht.”
Ach und eine Story habe ich da noch.
Lehrer haben ja durch den Digitalpakt nen hübsches IPad bekommen. Also die Lehrer, die damals dabei waren. Es ist nicht vorgesehen Neueinstellungen so auszustatten (das klappt nur, wenn ein Lehrer geht und sein IPad abgibt) noch ist vorgesehen, dass die IPads in 3-4 Jahren mal erneuert werden. Das war einfach nen Schnellschuss am Ende von Corona um zu sagen: “Seht her, wir machen was für die Digitalisierung der Schulen.”
Sorry für die Wall of Text. Sobald ich ne Lösung für die Probleme im Schulsystem habe, melde ich mich wieder.
Die Anforderungen die an Grundschulehrer gestellt werden sind ein Witz: Bachelor + Master + Referendariat = Minimum 6 1/2 Jahre Studium. Davon natürlich noch ein Semester unbezahltes Pflichtpraktikum.
Dann liegt das Einstiegsgehalt zwar bei 48.000€ brutto, aber das verdient man in den meisten Bereichen schon nach dem Bachelor.
Von den Seiteneinsteiger die teilweise pädagogisch absolut ungeeignet sind, schlechten Arbeitsbedingungen und unbezahlten Extrastunden will ich jetzt gar nicht erst anfangen.
Das Volk juckt nur das Thema Migration. Sonst nix.
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Natürlich werden sie verheizt. Sie werden genauso verheizt wie jede andere Lehrkraft auch, die gerade erst frisch ihren Dienst angefangen hat.
Was man sich als Lehrkraft heute alles gefallen lassen muss (gerade im integrativen Sektor), ist nur noch pervers.
Ach?
Wie siehts im Ausland aus?
Welche Länder kriegen es besser gebacken und wie?
Eine Freundin (Lehrerin, Grundschule) wurde letztes Jahr von einem der Väter aus religiösen “Gründen” tätig angegriffen (beleidigt und ins Gesicht geschlagen). Nachdem sie bereits mehrfach von diversen Eltern angefeindet wurde.
Sie hat dann erstmal gut 2 Wochen bei mir geschlafen und sich unter Tränen dazu entschlossen ihren Beruf aufzugeben (Schulamt ? hat wohl beide Augen ganz fest zu gekniffen).
Ich hab auch nach einem Jahr als Pädagogische Fachkraft gesagt, joa ne ich mach doch lieber was anderes. Es ist denn Stress einfach nicht wert.. ich hab aus Frust soviel Ben&Jerrys Eis gegessen das ich .. en kleines Bäuchlein bekam..
Tja, woran liegt es? Monokausal ist das sicherlich nicht zu beantworten. Was habe ich denn in der letzten Dekade im Schuldienst so mitbekommen, gilt größtenteils aber für Niedersachsen und ist vermutlich nur zum Teil übertragbar auf andere BLs.
Haupt/Realschulen, meist jetzt Oberschulen genannt, sind zum Auffangbecken der Förderschüler geworden. Dadurch schicken andere Eltern ihre Kinder lieber erstmal aufs Gym. Die sollen ja bloß nicht mit diesen Schülern in eine Klasse kommen, vor allem wenn es viele Förder-ES Kinder in der GS gab.
So tröpfeln dann in den Jahrgängen 6,7,8,9 zumeist so viele SuS von den umgebenden Gyms in unsere OBS, dass man eine ganze neue Klasse bilden kann. Und wir sprechen hier von einer kleinen OBS.
Die Inklusion ordentlich zu lösen, ist eh nicht einfach. Es gibt halt SuS, die in großen Klassenverbänden scheitern. Die brauchen eben die kleinen Lerngruppen, die früher die Förderschulen geboten haben.
Jetzt könnte man ja denken, dass es dafür ja nun Förderlehrer an den Schulen gibt. Aber Pustekuchen. Wir haben 2 ausgebildete FÖ-Lehrer mit insgesamt 40 Stunden. Anspruch hätte die Schule auf mind. 120 Stunden. (Die zwei Fö-Kräfte kommen bei den Gutachten nicht hinterher) Den Rest übernehmen im besten Fall Kollegen, die mal ne Fortbildung besucht haben, im Normalfall niemand. Wer denn hinten überfällt, wenn da nur ein Lehrer im Raum ist, aber 3-4 Fö-Schüler mehr Unterstützung benötigen, kann man sich ja vorstellen. Irgendwer verliert dabei auf jeden Fall.
Mittlerweile hat die Elternarbeit auch immens zugenommen. Was man früher noch an Energie in die Beziehungsarbeit mit dem Kiddies stecken konnte, geht heute für Elterngespräche drauf. Eltern, die es nicht schaffen ihre Kinder morgens zur Schule zu schicken; Eltern, die es nicht schaffen ihre Kinder bei Krankheit abzumelden;Eltern, die es nicht schaffen auf die Anfragen der Schule zu antworten.
“Wie? Mein Kind darf nicht mit auf Klassenfahrt?” “Japp, Sie haben auf 3 Mails nicht geantwortet und selbst nach mehreren Telefonaten es nicht geschafft die Anmeldung und Kostenübernahme für die KF abzugeben.”
Und wenn man das alles doch irgendwie gestemmt bekommt, dann kommt das Ministerium um die Ecke und hat ganz tolle neue Ideen…
Unser Schulsystem bietet aufgrund der Pluralität unterschiedlicher Lernsystem (freie Schulen, IGS, dreigliedriges Schulsystem) so viele Möglichkeiten. Aber am Ende denkt jede Regierung, dass man daran herumdoktorn muss und am besten ohne mehr Geld ins System zu stecken.
“Wie? Sie haben 30 Sprachlerner an der Schule? Wir haben doch gerade die Gelderzuteilung gestrichen. Für Sprachlerner gibt es nichts, nächstes Jahr wieder. Vielleicht.”
Ach und eine Story habe ich da noch.
Lehrer haben ja durch den Digitalpakt nen hübsches IPad bekommen. Also die Lehrer, die damals dabei waren. Es ist nicht vorgesehen Neueinstellungen so auszustatten (das klappt nur, wenn ein Lehrer geht und sein IPad abgibt) noch ist vorgesehen, dass die IPads in 3-4 Jahren mal erneuert werden. Das war einfach nen Schnellschuss am Ende von Corona um zu sagen: “Seht her, wir machen was für die Digitalisierung der Schulen.”
Sorry für die Wall of Text. Sobald ich ne Lösung für die Probleme im Schulsystem habe, melde ich mich wieder.
Die Anforderungen die an Grundschulehrer gestellt werden sind ein Witz: Bachelor + Master + Referendariat = Minimum 6 1/2 Jahre Studium. Davon natürlich noch ein Semester unbezahltes Pflichtpraktikum.
Dann liegt das Einstiegsgehalt zwar bei 48.000€ brutto, aber das verdient man in den meisten Bereichen schon nach dem Bachelor.
Von den Seiteneinsteiger die teilweise pädagogisch absolut ungeeignet sind, schlechten Arbeitsbedingungen und unbezahlten Extrastunden will ich jetzt gar nicht erst anfangen.
Das Volk juckt nur das Thema Migration. Sonst nix.