Das Baugewerbe, das sich bereits seit einiger Zeit in Schwierigkeiten befindet, zeigt kaum Anzeichen einer Besserung. Aktivität und Beschäftigung sind nach Angaben des Statistikamtes Statec weiter rückläufig und das Vertrauen der Unternehmer hat sich auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert.
Auf dem Immobilienmarkt ist zwar eine beginnende Erholung zu beobachten, die sich jedoch in nächster Zeit nicht wesentlich auf die Bautätigkeit auswirken wird.
Luxemburger Baugewerbe minus 7,2 Prozent
So sei das Baugewerbe die Branche, die im ersten Halbjahr am stärksten schrumpfte, minus 7,2 Prozent im Jahresvergleich. Während die Bruttowertschöpfung im Hochbau 2023 noch deutlich stärker zurückging als in anderen Baubereichen, sind die Rückgänge in der ersten Hälfte des Jahres 2024 vergleichbarer (minus acht Prozent gegenüber dem Vorjahr im Hochbau, minus acht Prozent im Tiefbau, minus sieben Prozent im Spezialtiefbau).
Auch in der Eurozone durchläuft nach Stellungnahme von Statec das Baugewerbe komplizierte Zeiten, mit einem Rückgang der Bruttowertschöpfung um 0,8 Prozent im Jahresvergleich in der ersten Hälfte des Jahres 2024.
Der Rückgang der Bruttowertschöpfung in Ländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden belaste die Leistung in der Eurozone, führt Statec aus. Dies werde jedoch teilweise durch ein starkes Wachstum der Bauwirtschaft in Spanien und vor allem in Italien ausgeglichen.
Europaweites Minus im Bausektor von minus einem Proznet
Die Verschlechterung im Baugewerbe sei aber in Luxemburg viel ausgeprägter als in der Eurozone, mit einem Rückgang um etwa 16 Prozent seit Anfang 2022, verglichen mit minus acht Prozent in Deutschland oder minus einem Prozent in der Eurozone.
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Auch das Vertrauen des Sektors in Luxemburg habe sich seit 2022 entsprechend verschlechtert, „aber die jüngsten Daten scheinen auf eine gewisse Stabilisierung hinzudeuten“, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, das deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt liegt, so Statec.
Dies lasse sich durch eine leichte Verbesserung bei den Beschäftigungsaussichten seit April 2024 erklären. Die Meinungen über die Auftragslage seien ebenfalls nach wie vor rückläufig. Entsprechend bliebe der Anteil der Unternehmen, die eine unzureichende Nachfrage beklagten, im September mit 55 Prozent auf einem historisch hohen Niveau.
Die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe blieb im dritten Quartal 2024 hoch, insbesondere bei den Unternehmen im Hochbau, entsprechend der besonders schlechten Lage in diesem Bereich. Gleichzeitig sank die Zahl der Unternehmensgründungen im Baugewerbe auf ein historisch niedriges Niveau.
Beschäftigung im Bau rückläufig
Die Beschäftigung im Baugewerbe setzt den Anfang 2023 begonnenen Abwärtstrend fort, allerdings in den letzten Monaten weniger ausgeprägt. Der Hochbau verzeichnet nach wie vor die stärksten Beschäftigungsrückgänge, aber ein wachsender Teil der Arbeitsplatzverluste entfällt auf den Bereich der Spezialarbeiten. Die Krise scheint also immer mehr Gewerke zu erfassen, „die in den späteren Phasen des Bauprozesses tätig sind“, so Statec.
In den Nachbarländern geht die Beschäftigung im Baugewerbe ebenfalls zurück, wenn auch in geringerem Maße als im Großherzogtum (durchschnittlich minus 0,3 Prozent in einem Quartal in Q2 2024 gegenüber minus 1,3 Prozent in Luxemburg), während die Beschäftigung in der Eurozone unter dem Einfluss einiger südlicher Länder steigt.
65 Anträge auf Kurzarbeit genehmigt
Der Konjunkturausschuss trat am Montag zu einer Sitzung zusammen und analysierte die nationale Konjunkturlage und die Lage auf dem Arbeitsmarkt im September 2024.
Die Zahl der eingereichten Anträge stieg im Vergleich zum Vormonat um 17 Einheiten. Insgesamt haben 77 Unternehmen einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen entschied der Konjunkturausschuss positiv über 65 Anträge. Von diesen Anträgen sind 48 konjunkturell bedingt, neun strukturell, das heißt, sie sind mit einem Plan zur Erhaltung der Beschäftigung verbunden, und acht Anträge sind durch eine wirtschaftliche Abhängigkeit begründet.
Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer beläuft sich auf 7.149 Vollzeitbeschäftigte gegenüber 6.019 im Vormonat.
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