Ein eindringlicher Warnruf ertönt einmal mehr aus der österreichischen Immobilienbranche. So habe die neueste Auswertung des „1. Österreichischen Neubauberichts“ bestätigt, „wovor wir seit langem warnen, der Wohnungsneubau und die Sanierungen auf Neubauniveau brechen in den kommenden Jahren nicht ein, sondern in Wahrheit zusammen”, warnt Gerald Gollenz, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Gollenz spricht von „erschütternden Zahlenvergleichen“ und betont: Die Prognosen im Bericht, der die Fertigstellungszahlen von Neubauimmobilien in Österreich erhebt und prognostiziert, würden zeigen, dass die Zahl der freifinanziert errichteten Eigentumswohnungen von rund 17.380 Einheiten bis 2026 auf nicht einmal mehr 1793 sinkt. „Während wir heuer freifinanziert noch 7350 neue Mietwohnungen errichtet haben, werden wir ab 2026 nur noch bei 1350 neuen Einheiten stehen“, so Gollenz. „Das sind Zahlen, hinter denen in Wahrheit das Aus Zigtausender Unternehmen und ihrer Beschäftigten steht.“

Gerald Gollenz, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich




Gerald Gollenz, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich


© Oliver Wolf

„Stehen mit dem Rücken zur Wand“

Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Wien und stellvertretender Fachverbandsobmann, erklärt: „Unsere Mitgliedsunternehmen – 12.000 Betriebe mit 26.000 Beschäftigten – stehen mit dem Rücken zur Wand. Aufgrund der KIM-Verordnung wird nicht gekauft und viel mehr gemietet, ein herber Rückschlag für Bauträger.“ Aufgrund des Bestellerprinzips in der Wohnungsvermietung würden „tausenden Maklern überlebensnotwendiges Einkommen fehlen“. Pisecky kritisiert „unüberschaubare rechtliche Rahmenbedingungen“, die für Hausverwaltungen „oft schon zum unüberwindbaren Hindernis werden“. Wohnbeihilfen würden „Hausverwaltern mittlerweile schon ein Studium abverlangen, die Kosten für den Mehraufwand sind für viele kleine Betriebe kaum tragbar“, ergänzt Obmann-Stellvertreter Johannes Wild. 

Die Forderung der Branche: Die strengen Kreditvergaberegeln bei Wohnkrediten, also die KIM-Verordnung, „sofort aussetzen und den Sanierungsturbo zünden“.

„Mangelware Nummer 1“

Gollenz: „Wir brauchen dringend politische Maßnahmen, um die aktuellen Tendenzen sofort zu stoppen. Die Bedrohung ist nicht nur für unsere Mitgliedsbetriebe gegeben, denn die Auswirkungen sind für alle, nicht nur für unsere Mitgliedsbetriebe, fatal.“ Er prognostiziert, dass Neubauten und ökologisch nachhaltig sanierte Altbauten „in absehbarer Zukunft zur Mangelware Nummer 1 werden“. Entsprechend würden auch die Preise nicht sinken.