Heute ist sein Name nur noch wenigen Journalisten ein Begriff. André Claude ist tot. Er war ab 1952 während vieler Jahre Presseattaché der Luxemburger Regierung und ein Vierteljahrhundert lang, von 1964 bis zu seiner Pensionierung 1989, auch Leiter des staatlichen Informations- und Pressedienstes.

André Claude befand sich damit an der Schaltstelle der offiziellen Information in Luxemburg in einer ganz besonderen Zeit, in der sich die Medien in Luxemburg nur auf Print, einige Tageszeitungen, zwei Wochenblätter, und ein Radio beschränkte. Es war auch die Zeit des kalten Krieges, in der die Medien sehr politisch orientiert waren. Es war zudem ein Moment vieler Staatsbesuche von Großherzog Jean und Großherzogin Joséphine-Charlotte, bei denen André Claude stets mit dabei war, um als Bindeglied zwischen Journalisten und offiziellen Stellen zu vermitteln. Und es war letztlich auch die Zeit eines André Heiderscheid an der Spitze des „Luxemburger Wort“ und eines Gust Graas an den Schalthebeln von RTL. Der Sender strahlte damals noch aus der Villa Louvigny aus.

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Mit viel Geschick und unter strikter Einhaltung der seinem Amt auferlegten parteipolitischen Neutralität leitete der gebürtige Escher den staatlichen Pressedienst. André Claude diente stets mit gleichbleibender Loyalität sechs Regierungen und drei verschiedenen Staatsministern, Pierre Werner, Gaston Thorn und Jacques Santer. Seine Nachfolger beim Service Information et Presse, kurz SIP, wurden Lex Roth, Gast Gengler, Mil Jung und Guy Schuller.

Der gelernte Wirtschaftspolitologe begann seine Laufbahn als PR-Manager beim Reifenkonzern Goodyear in dessen Brüsseler Niederlassung. 1952 wechselte er dann in den Staatsdienst. Nach seiner Pensionierung nahm er zeitweilig den Vorsitz der „Lëtzebuerger Revue“ ein.

André Claude, geboren 1928, ist am vergangenen 19. Oktober im hohen Alter von 96 Jahren gestorben. Seine Todesanzeige erschien an diesem Samstag im „Luxemburger Wort“.