Publiziert15. November 2024, 12:29
USA: Mutter landet im Gefängnis, weil ihr Sohn spazieren ging
Ein zehnjähriges Kind lief im US-Bundesstaat Georgia etwa einen Kilometer weit zu einem örtlichen Geschäft. Seine Mutter wurde der Fahrlässigkeit beschuldigt, mit Handschellen abgeführt und eingesperrt.
Ein zehnjähriger Bub lief in den USA alleine zu einem Geschäft.
Die Mutter könnte wegen angeblicher Fahrlässigkeit nun im Gefängnis landen.
In der Schweiz ist die rechtliche Lage entspannter.
Ein Jahr Gefängnis. Diese Strafe droht einer amerikanischen Mutter, die ihren zehnjährigen Sohn alleine ins Dorf gehen liess. Am 30. Oktober, als Brittany Patterson mit einem ihrer anderen Kinder in der Arztpraxis war, verliess ihr zehnjähriger Sohn Soren sein Zuhause in Mineral Bluff, Georgia, und ging zu Fuss in das etwa eine Meile (1,6 km) entfernte Dorf.
«Dieser Strassenabschnitt ist überhaupt nicht gefährlich. Ich machte mir keine Sorgen um die Sicherheit», erklärte die Amerikanerin gegenüber NBC News. Daraufhin wurde Patterson plötzlich von der örtlichen Polizei kontaktiert, die ihren Sohn nach Hause brachte. Die Mutter dachte eigentlich, dass die Sache damit erledigt sei – doch weit gefehlt.
Mutter in Handschellen abgeführt
Wenige Stunden später kehrten die Beamten zurück, legten Brittany in Handschellen und beschuldigten sie der Fahrlässigkeit. Die Mutter wurde vor den Augen ihrer Kinder festgenommen und in orangefarbener Gefängniskleidung zeitweise in U-Haft gesteckt. Später kam sie gegen eine Kaution von 500 US-Dollar wieder frei.

Brittany Patterson will sich gegen den «Sicherheitsplan» und die drohende Haftstrafe wehren.
Screenshot/NBC News
Gegen die Festnahme und die Gefängnisstrafe, die ihr wegen des Spaziergangs ihres Sohnes droht, will Patterson nun gerichtlich vorgehen. Seitens der lokalen Behörden heisst es, dass man bereit sei, die Anklage fallenzulassen – dazu müsste die Mutter aber einen «Sicherheitsplan» unterzeichnet, der sie dazu verpflichten würde, sicherzustellen, dass ihre Kinder ständig beaufsichtigt werden. Dies lehnt die Amerikanerin ab – und könnte deswegen im Gefängnis landen.
Patterson kündigt Widerstand an
«Das ist nicht fair, ich habe nichts falsch gemacht. Dagegen werde ich kämpfen», kündigt sie an. «Müssen alle Eltern ihr Kind mit einem GPS ausstatten? Es liegt an den Eltern, für ihren Nachwuchs zu entscheiden, es sei denn, es ist unverhältnismässig gefährlich», protestiert David DeLugas, der Anwalt von Brittany.
Schweizer Modell: «Kinder sollen Fehler machen dürfen»
In der Schweiz ist in der Aufsichtspflicht geregelt, dass Eltern generell ein Auge auf ihre unmündigen Kinder haben müssen. Dabei muss die Beaufsichtigung des Kindes umso intensiver sein, je jünger und unerfahrener das Kind ist, wie es auf der Seite der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU heisst. Auch andere Faktoren wie der Charakter und die geistige Reife sowie allfällige besondere Gewohnheiten des Kindes spielen eine Rolle.
Im Gegensatz zu den US-Behörden räumt die BfU aber ein, dass eine permanente Überwachung selbst bei kleineren Kindern fast unmöglich sei, gerade wenn mehrere Kinder auf einmal beaufsichtigt werden müssten. Auch soll die Bewegungsfreiheit nicht zu sehr eingeschränkt werden: «Kinder sollen Kinder bleiben und auch Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen.»
Für Aufsehen sorgte vor einiger Zeit auch eine Amerikanerin, die lange Zeit in der Schweiz gelebt hatte. Nach ihrer Rückkehr in die Staaten schickte sie ihre siebenjährige Tochter zu Fuss alleine in die nahegelegene Schule – es folgten abschätzige Kommentare von Nachbarn und besorgte Telefonate bei der Schule.
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