Am Freitag wurde Levis E., der „Mörder mit den luxemburgischen Ökotaschen“, in Lyon einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der über seine Inhaftierung und die Anklage gegen ihn entscheidet. Der 32-Jährige steht unter Verdacht, einen Mord sowie mehrere Tötungsversuche begangen zu haben.

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Während zunächst nach seiner Verhaftung am Dienstagabend von mehreren vollendeten Tötungen die Rede war, sind inzwischen weitere Details zu den Angriffen, die Levis E. zur Last gelegt werden, und den dazugehörigen Ermittlungen nach außen gedrungen. Auffällig ist dabei das stets gleiche Muster: Die Opfer, meist Obdachlose, wurden mit Steinen oder Betonplatten brutal und gezielt am Kopf verletzt. Der Verdächtige nutzte in den vergangenen Monaten regelmäßig Züge, um weite Strecken durch Europa zurückzulegen, vor allem zwischen den Niederlanden und Frankreich.

Ein bemerkenswerter Hinweis in den Ermittlungen sind die Valorlux-Ökotaschen, die in einem Fahndungsaufruf erwähnt wurden. Der Verdächtige hatte diese Taschen bei seinem letzten Aufenthalt in Rotterdam bei sich, was darauf hindeuten könnte, dass er sich auch in Luxemburg aufgehalten hat. Genauere Informationen zu möglichen Aufenthalten im Großherzogtum liegen bislang jedoch nicht vor.

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Bisher wird Levis E. Presseberichten und Agenturmeldungen zufolge mit folgenden Taten in Verbindung gebracht:

12. November, Toulon

Levis E. wurde am Abend des 12. November im Zug von Marseille nach Toulon festgenommen. Zuvor hatte er eine 26-jährige Frau angerempelt, bedroht und ihr einen Fußtritt in den Rücken versetzt.

11. November, Lyon

Am Tag zuvor, in der Nacht zum 11. November, hatte ein Mann mit auffälligen orangefarbenen Schnürsenkeln einen 39-jährigen Obdachlosen aus Moldawien in Lyon getötet. Der Täter zerschmetterte dem Opfer mit einer Betonplatte den Kopf. Überwachungskameras zeichneten die Tat auf.

5. November, Rotterdam

Nur wenige Tage zuvor, in der Nacht vom 5. auf den 6. November, wurde in Rotterdam ein 37-jähriger Obdachloser schwer verletzt. Der Täter schleuderte dem schlafenden Mann einen Steinblock ins Gesicht. Das Opfer wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Eine Überwachungskamera zeigte, dass der Verdächtige mit luxemburgischen Ökotaschen unterwegs war. Ermittlungen ergaben, dass er sich anschließend in Richtung Belgien bewegte.

31. Oktober, Straßburg

Am 31. Oktober wurde ein obdachloser Mann in Straßburg schwer verletzt aufgefunden. Unter seiner Mütze verbarg sich ein entstelltes Gesicht, das durch Schläge mit einem Pflasterstein gezeichnet war. Auch in diesem Fall gibt es Videoaufnahmen des Verdächtigen. Das 60-jährige Opfer befindet sich mittlerweile außer Lebensgefahr.

23. Oktober, Évry-Courcouronnes

Am 23. Oktober wurde ein weiterer Obdachloser vor einem Pendlerbahnhof in Évry-Courcouronnes in Frankreich gefunden. Der Mann erlitt schwere Kopfverletzungen durch einen Betonblock. Auch diese Tat wurde von Überwachungskameras dokumentiert.

24. Juli, Dijon

Der früheste bekannte Angriff ereignete sich am 24. Juli in Dijon. Anders als bei den späteren Taten war das Opfer keine obdachlose Person, sondern eine 42-jährige Krankenschwester. Sie wurde mit einem Stein am Kopf verletzt und musste wochenlang arbeitsunfähig bleiben. Der Täter konnte zunächst fliehen, wurde aber später als Levis E. identifiziert. Zu diesem Zeitpunkt lag bereits ein Aufenthaltsverbot für Frankreich gegen ihn vor, und ein Haftbefehl wurde erlassen.

Die Behörden prüfen derzeit weitere mögliche Parallelen zu anderen Taten. Besonders die Nutzung der Eisenbahn durch den Täter sowie sein markantes Erscheinungsbild – darunter die orangefarbenen Schnürsenkel und die Ökotaschen – stehen im Fokus. Es bleibt allerdings bislang unklar, ob Levis E. für weitere Taten verantwortlich ist. Klar ist, dass die Polizei und Justiz bei ihren Recherchen intensiv auf internationaler Ebene zusammenarbeiten.