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Der Krieg in der Ukraine verlangt seinen Preis. Die Verluste sind hoch. Putin muss den Gürtel enger schnallen und senkt die Kompensationszahlungen für verletzte Soldaten.
Moskau – Russlands Verluste im Ukraine-Krieg nehmen neue Ausmaße an. Dem ukrainischen Generalstab zufolge sollen aktuell täglich knapp 2000 russische Soldaten bei Kampfhandlungen getötet oder schwer verletzt werden. Präsident Wladimir Putin muss deshalb seine Armee aufstocken. Dafür erhöhen jetzt Regionen der Russischen Föderation die Vertragsprämien, um neue Soldaten anzuwerben. Laut dem unabhängigen russischen Online-Nachrichtenportal Meduza geht das vielerorts offenbar auf Kosten der Sozialhilfe.
Russland scheint an einigen Ecken sparen zu müssen, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterführen zu können. Laut Meduza unterzeichnete Putin diese Woche ein Dekret, welches die Entschädigung für im Militärdienst verwundete Soldaten massiv kürzt.

Russlands Verluste im Ukraine-Krieg nehmen neue Ausmaße an (Symbolbild) © IMAGO/Alexander PolegenkoVerluste im Ukraine-Krieg: Entschädigung für verletzte russische Soldaten soll verringert werden
Drei Millionen Rubel (ca. 28.880 Euro) gab es als Entschädigung unabhängig von der Schwere der Verletzung. Die pauschale Zahlung für alle verwundeten Soldaten hatte Putin zu Beginn der Invasion der Ukraine versprochen. Nun sollen nur noch schwer verletzte Soldaten Anspruch auf das Geld haben. Leicht verletzte Soldaten sollen künftig nur noch Anspruch auf 100.000 Rubel (ca. 950 Euro) haben.
Putin nimmt hohe Verluste in Kauf, um seinen Krieg gegen die Ukraine weiterzuführen. Das unabhängige russische Medienunternehmen Mediazona sowie der russische Dienst der BBC konnten bisher die Namen von 77.143 getöteten russischen Soldaten verifizieren. Die Familien getöteter russischer Soldaten haben bislang Anspruch auf fünf Millionen Rubel (etwa 48.100 Euro). Diese Zahlung ist vom Dekret nicht betroffen.
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Trotz der zugesagten Prämien für verwundete Soldaten berichten jedoch viele von Schwierigkeiten, diese tatsächlich zu erhalten. Laut Reuters werde den Soldaten häufig mitgeteilt, dass ihre spezifische Verletzung nicht für eine Entschädigung infrage komme.
Zudem veröffentlichte der Thinktank Institute for the Study of War aktuelle Berichte russischer Militärblogger, wonach das russische Kommando verwundeten Soldaten keine angemessene medizinische Versorgung gewähre. Stattdessen würden sie in sogenannten „medizinischen Kellern“ untergebracht, wobei für ihre Freilassung Bestechungsgelder von bis zu 1,5 Millionen Rubel (ca. 15.000 Euro) verlangt werden.
Russlands Gegenoffensive in Kursk: Trotz hoher Verluste im Ukraine-Krieg
Die Verlustzahlen sind hoch, dennoch setzt Putin offenbar zu einem neuen Vorstoß an. Die russische Armee bereitet in der Oblast Kursk offenbar eine große Gegenoffensive vor. Bis zu 50.000 russische Truppen sollen sich auf den Gegenangriff vorbereiten, wie das ukrainische Militär bekannt gab. Darunter auch tausende Nordkoreaner.
Um den Verlusten im Ukraine-Krieg entgegenzuwirken, setzt Putin nämlich auf die Soldaten seines Autokratenkollegen Kim Jong-un. Die konkrete Anzahl der nordkoreanischen Truppen innerhalb der russischen Reihen ist unklar – einige Medienberichte nennen 8000, andere halten bis zu 15.000 für möglich. Putin und der Oberste Führer von Nordkorea hatten im Juni ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Dieses trat nun am 10. November in Kraft.
Das Abkommen sieht vor, dass Russland und Nordkorea sich im Falle eines Angriffs auf eines der beiden Länder „sofortige militärische Hilfe“ leisten. Darüber hinaus verpflichtet die Vereinbarung die beiden Staaten, gemeinsam gegen westliche Sanktionen vorzugehen und ihre Positionen in den Vereinten Nationen abzustimmen. Angesichts dieser engeren Zusammenarbeit könnte eine größere Unterstützung Nordkoreas bald folgen. (lw)