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Katar hat die Hamas-Führung aufgefordert, das Land zu verlassen. Jetzt sollen sich die Funktionäre in der Türkei niederlassen. Ankara dementiert dies.
Ankara – Zwischen der türkischen Regierung und Israel gibt es seit dem Überfall der Hamas Spannungen. Die Türkei zeigt sich seit dem anschließenden Krieg im Nahen Osten solidarisch mit den Palästinensern und der Hamas. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit Funktionäre der Terrormiliz empfangen und die Türkei gilt als sicherer Hafen für ihre Funktionäre.
Katar hatte zuletzt angekündigt, die Hamas-Führer aus seinem Land auszuweisen. Viele Führer der Hamas hätten sich deswegen in die Türkei aufgemacht, berichtet die Times of Israel unter Berufung auf einen arabischen Diplomaten. Dieser hatte zudem erklärt, dass die Hamas-Führung im Ausland bereits einen Großteil ihrer Zeit in der Türkei verbringt, wenn sie nicht in Katar tagt.
Hamas-Funktionären aus Katar ausgewiesen – Nun sollen Mitglieder der Terrorgruppe in der Türkei sein
Am 8. November hatte Washington bekannt gegeben, dass die US-Regierung Katar aufgefordert hat, Hamas-Führer aus dem Land auszuweisen, die seit 2012 in dem Land ein Büro unterhalten. Laut dem Blatt hätte die USA die Bitte geäußert, nachdem die Hamas wiederholte Vorschläge für ein Geiselabkommen abgelehnt und sechs Gefangene, darunter einen amerikanischen Staatsbürger, hingerichtet hatte. Katar habe zudem seine Vermittlungsbemühungen in dem Konflikt aufgegeben.

Im April hatte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit dem inzwischen getöteten Hamas-Führer, Ismail Hanija, getroffen. © IMAGO
Nun sollen sich die Hamas-Mitglieder in der Türkei aufhalten. Doch dies birgt ein Risiko: Die türkische Regierung riskiert mit der dauerhaften Aufnahme von Hamas-Führern einen Konflikt mit dem Westen, insbesondere den USA. Präsident Joe Biden hatte nämlich erklärt, dass keines seiner Verbündeten Hamas-Funktionäre aufnehmen darf. Auch Donald-Trump, der im Januar die Präsidentengeschäfte übernehmen wird, dürfte in diesem Fall keine andere Haltung einnehmen. Bisher dementiert die türkische Regierung Berichte, dass die Hamas-Führung in die Türkei umsiedelt. „Die Behauptung, das Polit-Büro der Hamas sei in die Türkei umgezogen, entspricht nicht der Wahrheit“, heißt es aus dem türkischen Außenministerium.
Nach Berichten über Hamas-Führer in der Türkei: Weitere Spannungen mit Israel vorprogrammiert
Nicht nur mit dem Westen, sondern auch mit Israel dürften sich Ankaras Beziehungen verschlechtern, falls sich die Berichte über einen Umzug des Politbüros der Hamas in die Türkei bewahrheiten sollten. Erdogan hatte immer wieder Israel als Terrorstaat bezeichnet, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler verglichen und Israel Völkermord an den Palästinensern vorgeworfen. Im Juli richtete der türkische Präsident klare Worte an Israel: „Genauso, wie wir nach Libyen und Bergkarabach einmarschiert sind, können wir ähnliches auch bei ihnen machen“.
Nach einem Bericht der britischen Zeitung The Times im Mai – unter Berufung auf das israelische Militär – plante die Hamas für die Zukunft auch eine tiefgreifendere Zusammenarbeit mit der Türkei. Das Dokument sei in der Wohnung von Hamza Abu Shanab entdeckt worden, dem Stabschef von Jyahya Sinwar, dem getöteten Hamas-Militärchef in Gaza.
Hamas will angeblich auch militärische Zusammenarbeit mit Türkei
Konkret wollte die Hamas einen geheimen Militärstützpunkt in der Türkei errichten. Demnach sollten militärische Knotenpunkte geschaffen werden, die die Basis für spezielle Operationen sein werden, „die die Kräfte des Widerstands militärisch, diplomatisch und moralisch stärken können. Deshalb schlagen wir vor, eine Sicherheitsabteilung im Ausland einzurichten, die in der Lage sein wird, in Zukunft nachrichtendienstliche und militärische Operationen durchzuführen“, zitiert das Blatt aus dem Papier
Im Dezember 2013 hat der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Ronen Bar, angekündigt, Hamas-Mitglieder auch in der Türkei zur Strecke bringen. Die Reaktion aus Ankara war wütend. Erdogan warnte Israel vor „ernsten Konsequenzen“, sollte es versuchen, Hamas-Mitglieder in seinem Land zu bekämpfen. Bislang hat Israel allerdings keine Operationen gegen die Hamas wie im Libanon und dem Iran ausgeführt. (erpe)