Die USA gestatten Kiew, mit amerikanischer Artillerie russisches Territorium zu attackieren. Eine Unklarheit sorgt dafür, dass das “Go” für Kiew noch keinen Wendepunkt darstellt.
Sehen Sie hier das Interview mit Militärökonom Keupp in voller Länge.18.11.2024 | 27:16 min
Für viele Analysten kommt dieser Schritt zu spät. Militärökonom Marcus Keupp bewertet die Entscheidung dennoch als wichtiges Signal:
Die Ukraine bekommt jetzt endlich die Erlaubnis, das zu tun, was für jede andere Armee standardmäßig der Fall wäre.
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Marcus Keupp, Militärökonom
Ob die Entscheidung tatsächlich die Dynamik des Konflikts verändern kann, hänge jedoch von verschiedenen Faktoren ab.
Quelle: ZDF
Lesen Sie hier im Detail, wie die verschiedenen Waffen funktionieren – und was sie können.
Strategischer Vorteil, aber kein Wendepunkt?
Laut Berichten aus Washington dürfen die Raketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern nun in der russischen Region Kursk eingesetzt werden. Der Region, wo Russland eine ukrainische Offensive zurückdrängen wolle und dabei auch nordkoreanische Soldaten einsetze.
Allerdings betont Keupp, dass “die Nachrichtenlage ein bisschen widersprüchlich” sei: Ob die Ukraine mit den ATACMS in Kursk operieren dürfe – oder auch darüber hinaus, sei bisher unklar. Diese Unsicherheit beschränke jedoch den möglichen strategischen Vorteil der Entscheidung.
Nach langem Zögern erlaubt die US-Regierung der Ukraine den Einsatz weitreichender amerikanischer Waffen. Die Nachricht löst in Deutschland erneut eine Taurus-Debatte aus.18.11.2024 | 2:33 min
Knotenpunkte der Kriegslogistik
Sollten sich die USA für eine weitere Freigabe entscheiden, könnte dies den ukrainischen Streitkräften ermöglichen, tiefere, im Hinterland gelegene Ziele Russlands, zu treffen, erklärt Militärexperte Keupp im ZDF:
Das eigentlich Wichtigere ist, wenn sie die Erlaubnis bekommen, in diesem gesamten Gürtel von 300 Kilometern ab der [ukrainischen] Grenze militärische Ziele anzugreifen.
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Marcus Keupp
Mit den ATACMS-Waffen könne die Ukraine bis zu 300 Kilometer nach Russland reinwirken, was die russische Kriegsführung erschwere und dennoch kein Gamechanger sei, sagt auch General Egon Ramms.18.11.2024 | 4:14 min
Keupp: Strategische Ziele werden Fokus sein
Städte wie Moskau oder St. Petersburg könnten rein technisch mit den Waffen vom Typ ATACMS zwar nicht erreicht werden. Als mögliche Ziele hebt Keupp stattdessen strategische Orte hervor, die eine zentrale Rolle in der russischen Kriegslogistik spielten:
Die Krim-Brücke ist mit 19 Kilometern die längste Europas. Sie verbindet das russische Festland mit der annektierten Halbinsel Krim. Ein Blick zur russischen Bevölkerung dort.18.10.2023 | 6:11 min
Trotz des strategischen Potenzials dieser Ziele bleibt der Nutzen der Entscheidung laut Keupp zum jetzigen Zeitpunkt jedoch begrenzt. “Ich habe ja immer gesagt, dass über diesen Krieg nicht so sehr irgendeine einzelne Schlacht entscheidet, sondern die Logistik.”
Solange unklar ist, ob die Ukraine auch darüber hinaus operieren darf, ist es kein Gamechanger.
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Marcus Keupp
Den Haken in der US-Entscheidung sieht auch Militärexperte Gustav Gressel. “Es handelt sich offenbar um keine generelle Freigabe, um jegliche Ziele in Russland anzugreifen”, erklärte er dem Nachrichtenportal T-Online. Viel hänge nun davon ab, welche Ziele die Ukrainer angreifen dürfen – aber auch, wie viel Munition ihnen dabei zur Verfügung stünde.
Militärexperte: Drohungen Russlands “Propaganda-Bluff”
Auf die Ankündigung der USA reagierte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow prompt und warnte vor einer “grundlegend neuen Situation” in Bezug auf die Beteiligung der USA. Den Einsatz weitreichender Waffen – egal wo – würde der Kreml als Kriegseintritt der USA werten, so ZDF-Korrespondent Armin Coerper.
ATACMS-Waffen für die Ukraine. “Kein Gamechanger”, findet auch ZDF-Moskau Korrespondent Armin Coerper.18.11.2024 | 1:49 min
Noch würde Russland hoffen, das ganze mit Drohungen abwenden zu können. So drohe der Sprecher der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, mit dem Einsatz von Nuklearwaffen.
Militärökonom Keupp begegnet solchen Drohungen skeptisch:
Wir haben es mal wieder mit sogenannten roten Linien zu tun, die sich dann im Nachhinein als Propaganda-Bluff herausstellen.
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Marcus Keupp
Sehen Sie hier die ganze ZDFheute-live-Sendung zu dem Thema: ATACMS-Freigabe: Putin unter Druck?18.11.2024 | 36:07 min
Russland habe bereits mehrfach rote Linien gezogen, ohne dass dies zu einer realen Eskalation geführt habe – laut Keupp eine wiederkehrende Taktik, um den Westen einzuschüchtern.
Die Freigabe der ATACMS sei daher ein “klares Zeichen an Russland, dass es eben nicht so einfach die Beute bekommt”. Und auch wenn diese Maßnahme zunächst symbolisch wirke, könne sie sich durchaus “in eine militärische Fähigkeit übersetzen”. Insbesondere, wenn die USA ihre Entscheidung weitreichender ausgestalten.
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Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
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Quelle: ZDF/chrz