Bei einem israelischen Angriff im Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut sind nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mindestens vier Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. Wie staatliche Medien berichten, wurde ein achtstöckiges Gebäude im Stadtteil Basta nahezu vollständig zerstört. Die israelischen Streitkräfte hätten bunkerbrechende Bomben eingesetzt, hieß es. Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten mindestens drei heftige Explosionen.

Die Deutsche Presse-Agentur meldet unter Berufung auf libanesische Sicherheitskreise, die Attacke habe einem Funktionär der schiitischen Hisbollah-Miliz gegolten. Israel wirft der Hisbollah immer wieder vor, gezielt militärische Einrichtungen in zivilen Gebäuden wie Wohnhäusern, Schulen und Kliniken zu platzieren. Das betroffene Wohnviertel liegt nicht weit entfernt vom Parlament und dem Regierungspalast Grand Serail.

Israel: Waffenlager und “terroristische Infrastruktur” zerstört

Zuvor hatte Israel in mehreren Wellen Ziele in den südlichen Vororten Beiruts angegriffen. Nach Angaben der Streitkräfte, die für die Hisbollah-Hochburg Dahia Evakuierungsaufrufe veröffentlicht hatten, handelte es sich um Waffenlager und “terroristische Infrastruktur”. Auch am Samstagmorgen dauerte der Beschuss an. Die Hisbollah wiederum feuerte der Armee zufolge rund 80 Flugkörper auf Israel ab.

Das Luftbild zeigt eine große Rauchwolke, die über Gebäuden aufsteigtVor allem in den südlichen Vororten Beiruts, die als Hisbollah-Hochburg gelten, bombardiert Israel immer wieder GebäudeBild: Mohammed Yassin/REUTERS

Im Nordosten des Libanons wurde nach Darstellung des Gesundheitsministeriums der Leiter der Dar-Al-Amal-Universitätsklinik in Duris getötet. Ali Rakan Alam sei gemeinsam mit sechs Mitarbeitern in dem südwestlich von Baalbek gelegenen Ort einem israelischen Angriff zum Opfer gefallen, hieß es. Das Krankenhaus ist demnach das größte in der Region. Die Behörde verurteilte die anhaltenden Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und deren Mitarbeiter scharf.

Biden und Macron beraten über mögliche Waffenruhe

US-Präsident Joe Biden und sein französischer Kollege Emmanuel Macron berieten derweil über eine mögliche Feuerpause zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Ziel sei es, den Menschen auf beiden Seiten der Demarkationslinie eine “sichere Rückkehr in ihre Heimat” zu ermöglichen, teilte das Weiße Haus mit. Washington und Paris hatten bereits Ende September einen Vorschlag über eine Waffenruhe im Libanon vorgelegt, der jedoch nicht umgesetzt wurde.

Die Präsidenten der USA und Frankreichs, Biden (rechts sitzend) und Macron (im Stehen, lächelnd) sind im GesprächDie Präsidenten der USA und Frankreichs, Biden (rechts) und Macron – hier beim G20-Gipfel im brasilianischen Rio de Janeiro – haben sich mehrfach über eine mögliche Feuerpause zwischen Israel und der Hisbollah ausgetauschtBild: Buda Mendes/Getty Images

Nach dem Großangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 hatte die pro-iranische Hisbollah mit regelmäßigen Raketenangriffen vom Libanon aus eine zweite Front eröffnet. Als Reaktion beschossen die israelischen Streitkräfte ihrerseits Hisbollah-Ziele im Nachbarland. Wegen der permanenten Attacken mussten Zehntausende Menschen im Norden Israels, aber auch auf der anderen Seite der Grenze ihre Häuser verlassen. Sowohl die Hisbollah wie auch die Hamas werden von zahlreichen Staaten als Terrororganisationen eingestuft.

jj/sti/haz (dpa, afp, rtr)