Für Verstappen war der erneute Titelgewinn auch eine Genugtuung. „Letztes Jahr hatte ich ein dominantes Auto, aber ich hatte immer das Gefühl, dass nicht Jeder zu schätzen wusste, was wir als Team erreicht haben, nämlich zehn Siege in Folge“, sagte der 27-jährige Niederländer. „Natürlich war unser Auto (im vergangenen Jahr) dominant, aber ich denke, es war nicht so dominant, wie die Leute dachten, dass es war.“ Auch in dieser Saison legte Verstappen einen dominanten Start hin. Am Ende ging es darum, den zu Beginn herausgefahrenen Vorsprung zu verteidigen.

Nach dem taktisch klugen Rennen in Las Vegas, in dem Verstappen kein unnötiges Risiko gegangen war und seinen WM-Rivalen immer in Schach gehalten hatte, hat der Niederländer 393 Punkte auf dem Konto, Norris hält bei 331. Der 25-jährige Brite kann den Red-Bull-Start damit bei 60 noch zu holenden Punkten in Katar und Abu Dhabi an den nächsten beiden Wochenenden nicht mehr einholen. „Gratulation an Max, er hat es verdient“, sagte Norris und verneigte sich vor dem alten und neuen Weltmeister.

Verstappen fixiert in Las Vegas WM-Titel

Max Verstappen hat sich in Las Vegas zum vierten Mal in Serie den Weltmeistertitel in der Formel 1 geschnappt. Dem Niederländer genügte dabei ein fünfter Platz, weil WM-Rivale Lando Norris nicht über Platz sechs hinauskam. George Russell und Lewis Hamilton sorgten für einen Mercedes-Doppelsieg.

„Ihm zu gratulieren, tut nicht weh, aber zu wissen, dass die WM zu 100 Prozent erledigt ist“, sagte Norris. Nachdem ihn Verstappen beim Handschlag freundschaftlich tröstend in den Arm genommen hatte, ergänzte der Brite einen Satz, der vielleicht alles über die Leistung des Champions in diesem Jahr sagte. „Ich weiß nicht, ob ich es gewonnen hätte, selbst wenn ich ein perfektes Jahr gehabt hätte“, sagte Norris. Verstappen selbst war jedenfalls „sehr erleichtert“, als er die Ziellinie überquerte. „Ich dachte: Es ist vorbei“, sagte der Niederländer.

Max Verstappen und sein Team jubeln

AP/John Locher

Zwei Rennen vor dem Ende einer turbulenten Saison mit Höhen und Tiefen steht Verstappen vorzeitig als Weltmeister fest

Verstappen als Fels in der Brandung

Verstappen hofft 2025 jedenfalls wieder auf den Coup. Nächstes Jahr werde es „ganz eng“, sagte der 27-Jährige. „Da werden einige Teams im Titelkampf involviert sein.“ In dieser Saison hatte Red Bull nach einem starken Start mit sieben Verstappen-Siegen in zehn Rennen den Anschluss an die Spitze verloren. „Wir waren nicht nur hinter McLaren, sondern auch hinter Ferrari und phasenweise hinter Mercedes das viertstärkste Team. In dieser Phase hat er immer das Maximum herausgeholt“, sagte Marko im ORF-Interview.

Ausgerechnet in dieser brenzligen Phase habe Verstappen einen „unglaublichen Reifegrad“ gezeigt, sagte der 81-jährige Steirer, der ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „M4X“ trug. „Er hat sich in eine Führungsposition begeben und das Team wieder zusammengeführt, damit wir wieder auf die Erfolgsschiene finden.“ Verstappen habe in den notwendigen Momenten seinen Kopf eingesetzt und gezeigt, „wo der Bartl den Most holt“.

Marko: Verstappen „unglaublicher Charakter“

Max Verstappen hat seinen vierten WM-Titel in der Formel 1 errungen. Nach dem Rennen in Las Vegas sprach Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko im ORF-Interview über die Saison. Von Verstappens „Brillanz“ zeigte er sich dabei beeindruckt.

Teamchef Horner verneigt sich vor Verstappen

Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner war nach einer schwierigen Saison euphorisch. „Max gehört nun zu den Größten des Sports“, sagte der Brite. Es sei „ein gewaltiger Moment“ für Verstappen und das Team. „Das ist wahrscheinlich seine beste Saison. Er hat mehr als doppelt so viele Rennen gewonnen als jeder seiner Konkurrenten. Auch wenn das Auto nicht so performt hat, hat er alles herausgeholt und noch mehr. Eine überragende Leistung.“

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Verstappen habe sehr hart mit den Mechanikern gearbeitet und sei eine Inspiration gewesen, sagte Horner. Auch diverse Ablenkungen abseits der Strecke hätten Verstappen nicht aufgehalten. „Es war natürlich ein Jahr voller Herausforderungen, Max hat aber nie seinen Kopf und den Fokus verloren.“

„Im Pantheon der unsterblichen Rennfahrer“

Mit seinem vierten WM-Titel zog Verstappen mit Sebastian Vettel, der von 2010 bis 2013 ebenfalls viermal nacheinander im Red Bull triumphiert hatte, und Alain Prost gleich. Er hat nun nur noch die Rekordchampions Michael Schumacher und Lewis Hamilton (jeweils sieben WM-Titel) sowie Juan-Manuel Fangio (fünf) in der ewigen Bestenliste vor sich. Verstappen stehe „im Pantheon der unsterblichen Rennfahrer“, schrieb der britische „Guardian“ voller Anerkennung.

Zukunft von Perez bei Red Bull ungewiss

Herbe Kritik musste sich Verstappens Teamkollege Sergio Perez, in Las Vegas Zehnter, mit Blick auf die Konstrukteurswertung gefallen lassen. In dieser hat der österreichisch-britische Rennstall zwei Rennen vor Saisonende 53 Punkte Rückstand auf McLaren. „’Checo’ hat über 200 Punkte weniger als Max, da ist klar, dass es sich mit dem Konstrukteurstitel nicht ausgeht“, sagte Marko. Perez habe keine sehr gute Saison gehabt, ergänzte der Grazer. „Max ist derjenige, der alles übertüncht mit seinem Talent.“

Marko offenbarte, dass die Entscheidung über eine Perez-Zukunft bei Red Bull Racing direkt nach dem Saisonfinale getroffen wird. „Der Fahrplan ist, dass es nach Abu Dhabi ein Meeting gibt. Das Resultat wird den Shareholdern dargelegt, und die entscheiden dann, wie die Fahrersituation für beide Teams für das nächste Jahr aussehen wird.“ Der 34-jährige Mexikaner Perez ist nach einer Vertragsverlängerung im Juni noch bis Ende 2026 an die Bullen gebunden.

Grand Prix von Las Vegas

Endstand nach 50 Runden:

1.

George Russell

GBR

Mercedes

1:22:05,969

2.

Lewis Hamilton

GBR

Mercedes

+ 7,313

3.

Carlos Sainz

ESP

Ferrari

11,906

4.

Charles Leclerc

MON

Ferrari

14,283

5.

Max Verstappen

NED

Red Bull

16,582

6.

Lando Norris

GBR

McLaren

43,385

7.

Oscar Piastri

AUS

McLaren

51.365

8.

Nico Hülkenberg

GER

Haas

59,808

9.

Yuki Tsunoda

JPN

RB

1:02,808

10.

Sergio Perez

MEX

Red Bull

1:03,114

11.

Fernando Alonso

ESP

Aston Martin

1:09,195

12.

Kevin Magnussen

DEN

Haas

1:09,803

13.

Zhou Guanyu

CHN

Kick Sauber

1:14,085

14.

Franco Colapinto

ARG

Williams

1:15,172

15.

Lance Stroll

CAN

Aston Martin

1:24,102

16.

Liam Lawson

NZL

RB

1:31,005

17.

Esteban Ocon

FRA

Alpine

eine Runde

18.

Valtteri Bottas

FIN

Kick Sauber

eine Runde