Publiziert26. November 2024, 16:46

Jungunternehmerin: «Banal»? Yaël Meiers Porsche-Kampagne sorgt für Diskussionen

Yaël Meier setzte eine Kampagne für Porsche um. Laut einer Marketingfachfrau ist diese nicht wirklich innovativ.

Leonie Projer

von

Yaël Meiers Unternehmen Zeam wurde für ein HR-Projekt mit Porsche ausgezeichnet.

Marketingexpertin Ronja Dornfeld hinterfragt jedoch die Strategie.

Es sei laut der Deutschen eher banal als innovativ.

«BIG NEWS: Porsche AG wurde für ein HR-Projekt mit uns ausgezeichnet!», freute sich die Jungunternehmerin jüngst auf Linkedin. Beim Projekt ging es darum, junge, weibliche Tech-Talente zu fördern. «Die Strategie: Statt mit Porsche an Berufsmessen zu gehen, bringen wir die Studentinnen zu Porsche», so Yaël. Sie wählten 20 Top-Talente aus MINT-Fächern aus und gewährten ihnen einen Einblick in den Berufsalltag bei Porsche.

Banal oder innovativ?

«Die Strategie, einen ‹Schnuppertag› bei Porsche für Studentinnen zu machen, ist mittlerweile so etabliert und gängig in Unternehmen, dass es dafür eigentlich keine extra Beratung erfordern sollte. Auch wenn die Idee in den Linkedin-Kommentaren als innovativ gefeiert wurde, ist sie in der heutigen Recruiting-Welt banal», kritisiert Marketingexpertin Ronja Dornfeld das Projekt auf Anfrage von 20 Minuten.

Auf Linkedin schreibt Yaël weiter, dass rund 65 Prozent der Teilnehmerinnen bei Porsche eingestellt wurden. Diese hohe Rate sei aber nicht wirklich überraschend, so Dornfeld, die das Employer Branding Unternehmen «Clipvert» in Berlin führt: «Auf einer Karrieremesse erreiche ich die Masse. Wenn man Studentinnen zu Porsche einlädt und ‹unter zig Bewerbungen 20 Tech-Studentinnen der besten Hochschule auswählt›, hat man durch so ein hochselektives Verfahren natürlich eine höhere Conversion als auf einer Karrieremesse.»

Wie viel verdient Zeam mit der Kampagne?

Die Deutsche meint zudem, es wäre sinnvoll gewesen, nicht nur Absolventinnen von Elite-Unis auszuwählen, «sondern heterogener einzuladen. Dann schafft man sich auch direkt ein langfristiges Netzwerk». Yaël erwähnt in ihrem Post einen «Social First»-Ansatz. Dieser mache laut der Expertin bei der Kampagne «total Sinn». Jedoch teilt Meier keine Videos, die diesen zeigen. Hier fehlen Dornfeld genaue Einblicke in das Projekt. «Wie sah der ‹Social First›-Ansatz aus? Wurden Videos gemacht? Wo wurden diese gestreut? Wie war die organische Performance versus Media Budget? Wie waren die Conversions, also wie viele Menschen haben sich beworben?», sind einige der Fragen, die sich die Expertin stellt.

Wie viel Porsche für die Umsetzung an Zeam zahlte, ist unklar. «Ich habe keinen Einblick in die vereinbarten Leistungen, aber solche Projekte setzen sich üblicherweise zusammen aus: Beratung, Strategie, Influencer Marketing, Social Media inkl. Videoproduktion und Werbebudget ‹paid ads›. Da kommt man schon auf sechsstellige Beträge», schätzt Dornfeld ein.

«Das Porsche-Projekt hat mich nicht überzeugt.»

Ronja Dornfeld

Um die komplette Arbeit von Zeam zu beurteilen, habe sie zu wenig Einblick. «Das Porsche-Projekt hat mich nicht überzeugt», meint sie jedoch und fügt an: «Das Projekt hat eher vom Namen Porsche gelebt, als von der eigentlichen inhaltlichen Kampagne. Mit dem Investment hätte Porsche bessere Ergebnisse erzielen müssen.»

Die Expertin hat ihre Kritik auch auf Tiktok geäussert. Ihr Video hat über 13’500 Aufrufe. Yaël Meier meinte auf Anfrage von 20 Minuten, sie wolle sich nicht zur Kritik äussern.

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