Wolodymyr Selenskyj hat angedeutet, dass ein Waffenruheabkommen mit Russland geschlossen werden könnte, wenn das von ihm kontrollierte ukrainische Territorium „unter den Schirm der Nato“ genommen würde. Dies könnte es der Ukraine erlauben, die Rückgabe der aktuell von Russland besetzten Gebiete später „auf diplomatische Weise“ auszuhandeln, erläuterte der ukrainische Präsident am Freitag in einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender Sky News.
Zuvor hatte der Chefkorrespondent von Sky News, Stuart Ramsay, Selenskyj nach den angeblichen Plänen des designierten US-Präsidenten Donald Trump zur Beendigung des Krieges gefragt. Diese könnten Berichten zufolge darin bestehen, dass Kiew das von Moskau eroberte Gebiet an Russland abtritt. Einen Schritt, den Selenskyj zuvor stets vehement abgelehnt hatte.
Selenskyj antwortete, um die „heiße Phase des Krieges“ zu beenden, könnte den unbesetzten Teilen des Landes eine Nato-Mitgliedschaft angeboten werden, solange die Einladung die international anerkannten Grenzen der Ukraine beinhalte. Sein Land habe der Verfassung nach nicht das Recht, besetzte Gebiete als russisch anzuerkennen.
Den Rest des Landes unter Nato-Schutz zu stellen, solle dabei möglichst schnell geschehen, sagte Selesnkyj laut der englischen Übersetzung weiter. Ein solcher Vorschlag für eine temporäre Teilmitgliedschaft wurde von der Ukraine ihm zufolge bislang „nie in Betracht gezogen“, weil er nie „offiziell“ angeboten wurde.
Nato-Beitritt ist zentraler Punkt in Selenskyjs Siegesplan
Im vergangenen Monat hatte Selenskyj seinen sogenannten Siegesplan vorgestellt. Die Forderung nach einer sofortigen Nato-Einladung gehört zu dessen zentralen Punkten. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, dass der Plan Selenskyj zufolge im nächsten Jahr Frieden in der Ukraine bringen könnte. Allerdings sperren sich wichtige Nato-Staaten wie USA und Deutschland dagegen, eine schnelle Aufnahme der Ukraine in das westliche Verteidigungsbündnis zu ermöglichen. Auch die bisher aus der künftigen US-Regierung von Donald Trump bekanntgewordenen Pläne sehen für Kiew keinen baldigen Beitritt vor.
Der ukrainische Präsident hatte zuletzt bei einer Rede im Parlament in Kiew angedeutet, dass sein Land nicht alle besetzten Gebiete militärisch zurückerobern müsse, sondern dies einer zukünftigen diplomatischen Lösung überlassen könnte. (mit dpa)