Am Sonntag startet der historische True-Crime-Podcast „Meng däischter Heemecht“, der längst vergessene Verbrechen aus Luxemburg wieder ans Licht bringt. Wir haben die Hosts Sabrina Backes und Steve Remesch gefragt, was hinter ihrem Projekt steckt.

Frage: Was hat euch dazu inspiriert, einen historischen True-Crime-Podcast ins Leben zu rufen?

Sabrina: Ich bin seit Jahren begeisterte Hörerin deutschsprachiger True-Crime-Podcasts und schaue regelmäßig YouTube-Videos zu Kriminalfällen an. Manche dieser Geschichten lassen mich nicht mehr los – vor allem, wenn sie Fragen offen lassen. Aber mir fällt immer wieder auf, dass viele Podcasts die gleichen Fälle behandeln und die wirklich historischen Geschichten oft kaum Beachtung finden. Und ich glaube, bei Steve ist es ähnlich.

Steve: Absolut. Ich höre True-Crime-Podcasts ebenfalls seit Jahren und habe ein großes Interesse an der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zudem befasse ich mich seit fast 25 Jahren hauptberuflich mit Kriminalgeschichten. Die Luxemburger Kriminalfälle aus den letzten 40 Jahren sind jedoch, um ehrlich zu sein, ausgelutscht und wurden schon zu oft erzählt. Ich wollte etwas, das mich selbst fesselt – und das zu schaffen, ist uns gelungen.

Die dunklen Kapitel unserer Geschichte gehören zu uns. Jede Familie hat ihre Geheimnisse.

Meng däischter Heemecht – Episod 1: An der Péitruss läit eng Läich Redaktion und Moderation: Steve Remesch und Sabrina Backes
Weitere Sprecher: Amélie Schroeder und Marc Blasius
Titelmusik: Christian Mertes
Audioschnitt und Sounddesign: Marc Blasius
Cover: Mara Mohnen
Grafik: Mara Mohnen, Sabina Palanca, Christian Mertes

Welcher Gedanke verbirgt sich denn hinter dem Namen eures Podcasts?

Steve: Luxemburg hat eine sehr dunkle Seite, über die gut und gerne hinweggesehen wird. Das Großherzogtum ist keineswegs ein Marienland. Im Gegenteil: Es gibt eine lange Tradition düsterer, makaberer Geschichten, die bisher kaum erzählt wurden. Außerdem hört man immer wieder: „Früher war alles besser.“ Aber das stimmt einfach nicht. Das Bahnhofsviertel war schon immer ein heißes Pflaster, das Gefängnis im Grund war immer schon chronisch überfüllt, und die Mordrate war definitiv höher als heute.

Sabrina: Viele können sich heute gar nicht vorstellen, dass so schreckliche Dinge damals überhaupt passieren konnten.

Steve: Selbst wir sind bei einigen Episoden des Pommerelle-Falls aus allen Wolken gefallen.

Sabrina: Der Titel „Meng däischter Heemecht“ ist für uns eine klare Botschaft: Die dunklen Kapitel unserer Geschichte gehören zu uns. Jede Familie hat ihre Geheimnisse.

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Wie gestaltet ihr eure Recherche, um die Geschichten so authentisch und spannend wie möglich zu erzählen?

Sabrina: Wir haben im August 2023 begonnen, die eLuxemburgensia-Datenbank nach vergessenen Verbrechen zu durchforsten. Schon bald hatten wir 32 mögliche Fälle und ein Konzept für den Podcast. Der außerordentlich grausige Mord an Franz Pommerelle sollte von Anfang an unser erster Fall sein, und wir hatten bereits ein fertiges Skript.

Steve: Doch dann kam eine Antwort auf eine Anfrage bei den Nationalarchiven – und die hat alles verändert. Dort gibt es zwei Kisten mit handschriftlichen Dokumenten, Fotos und sogar Beweismitteln zum Fall Pommerelle. Das war ein unglaublicher Motivationsschub und hat unser Projekt auf eine vollkommen neue Ebene gehoben.

Sabrina: Dank dieser Akten konnten wir die Spuren der Ermittler, die zahllosen Denunziationen sowie die Gedankenwelt des leitenden Untersuchungsrichters aber auch die damaligen Gepflogenheiten nachvollziehen.

Steve: Wir haben dabei Einblicke in Luxemburger Abgründe bekommen, die wir nicht unbedingt erwartet hätten: Wussten Sie zum Beispiel, dass das Petrusstal einst ein beliebter Treffpunkt für heimliche sexuelle Begegnungen mit klaren Verhaltensregeln war? Oder dass sogenannte Servierinnen-Bars, in denen leicht bekleidete Frauen die Gäste zu großzügigen Bestellungen animierten, selbst aber außergewöhnlich trinkfest waren, ein so großes Problem darstellten, dass sich sogar der Gemeinderat damit befassen musste? Aber jetzt verraten wir schon fast zu viel.

Sabrina: Wir können allen nur empfehlen, ab diesem Sonntag auf wort.lu reinzuhören. Es wird richtig spannend!

Archiv-Recherchen sind ein wesentlicher Baustein von „Meng däischter Heemecht“. Foto: Amélie Schroeder