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Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht vorübergehende Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland als möglichen Weg zum Frieden.
Kiew – Der ehemalige Generalsekretär der Nato, Jens Stoltenberg, hat die Möglichkeit einer temporären Abtretung von Gebieten der Ukraine an Russland ins Spiel gebracht, um Frieden zu erzielen. Er äußerte gegenüber dem Portal Table.Briefings: „Wenn die Waffenstillstandslinie bedeutet, dass Russland weiterhin alle besetzten Gebiete kontrolliert, heißt das nicht, dass die Ukraine das Gebiet für immer aufgeben muss“.
Stoltenberg, der bald den Vorsitz der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) übernehmen wird, betonte die Notwendigkeit von Sicherheitsgarantien für die ukrainische Regierung im Austausch für mögliche Gebietsabtretungen. Ein Beitritt zur Nato könne eine solche Garantie darstellen, doch es würden auch „andere Möglichkeiten, die Ukrainer zu bewaffnen und zu unterstützen“ existieren, so der Norweger.

Jens Stoltenberg (r.) rät der Ukraine zum Abtritt bestimmter Gebiete an Russland. (Archivbild) © KEVIN DIETSCH/dpaNATO-Beitritt: Stoltenberg empfiehlt Gebietsabgabe an Russland
In der Diskussion um einen möglichen Nato-Beitritt empfiehlt Stoltenberg eine Gebietsabtretung an Russland. Er unterstütze zwar die Forderung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, im Falle eines Waffenstillstands keine Gebiete an Russland abzugeben, halte dies jedoch angesichts der aktuellen militärischen Situation in der Ukraine für unwahrscheinlich. „Wir brauchen eine Waffenstillstandslinie, und natürlich sollte diese Linie idealerweise alle Gebiete einschließen, die Russland derzeit kontrolliert. Wir sehen aber, dass das in naher Zukunft nicht unbedingt realistisch ist“, erklärte der ehemalige Nato-Generalsekretär.
Selenskyj forderte am Freitag von den westlichen Verbündeten Nato-Schutz für die von Kiew kontrollierten Teile des Landes und zeigte sich bereit, mit der Rückgewinnung der von Russland besetzten Gebiete zu warten. „Wenn wir die heiße Phase des Krieges beenden wollen, sollten wir das Gebiet der Ukraine, das wir kontrollieren, unter einen Nato-Schutzschirm stellen“, äußerte Selenskyj im britischen Fernsehsender Sky News. „Das muss schnell passieren und dann kann die Ukraine die übrigen Teile ihres Territoriums auf diplomatische Art und Weise zurückerlangen“, fügte der ukrainische Präsident hinzu.
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Fotostrecke ansehenUkraine-Krieg: Selenskyj zieht vorübergehenden Gebietsverlust in Betracht
Um den Krieg in der Ukraine zu beenden, zieht Selenskyj einen temporären Gebietsverlust in Betracht. Am 19. November verknüpfte er die Zukunft seines Landes mit der des russischen Präsidenten Wladimir Putin und räumte erstmals ein, dass sein Land „vielleicht“ eine Zeit lang den Verlust von Gebieten, die von Russland besetzt sind, akzeptieren müsse. „Vielleicht muss die Ukraine jemanden in Moskau überleben, um alle ihre Ziele zu erreichen“, sagte Selenskyj, „vielleicht um die Gesamtheit des Staates wiederherzustellen“. (afp/jal)