Der Umgang mit der eigenen psychischen Gesundheit, die Suche nach Hilfe, welche Anlaufstellen es gibt, was von der CNS erstattet wird und was kostenlos ist: Diese Themen tauchen in den sozialen Medien in Luxemburg häufig auf.

Hohe Nachfrage in Luxemburg

Die bei der luxemburgischen Krankenkasse (CNS) versicherten Patienten haben zwischen Februar und Dezember 2023 insgesamt 60.000 Psychotherapiesitzungen gebucht, nachdem die Krankenkasse begonnen hat, 70 Prozent der Kosten zu übernehmen.

Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 10.500 ärztliche Verordnungen für Psychotherapie ausgestellt. Da jedoch nur etwas mehr als 200 Psychotherapeuten über die CNS abrechnen, gibt es lange Wartelisten. Um die Wartezeit zu verkürzen, entschließen sich daher einige, die Leistungen privat zu bezahlen.

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Wann sollte ich einen Spezialisten aufsuchen?

Wenn Sie länger als ein paar Wochen unter Stress, Angstzuständen oder depressiven Symptomen leiden, sollten Sie wahrscheinlich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Hier sind einige Anzeichen dafür:

Es fehlt Ihnen an Energie und Sie haben Schwierigkeiten, normal zu funktionieren

Sie haben negative Gedanken, die Sie nicht mehr kontrollieren können

Sie haben viel Gewicht verloren und haben keinen Appetit

Sie haben Schlafprobleme, wachen häufig auf und haben oft Albträume

Sie machen sich so viele Sorgen um alles und jeden, dass es Sie geradezu lähmt

Sie haben Panik- oder Angstattacken mit Herzrasen, Kurzatmigkeit, Taubheitsgefühl, Übelkeit oder Druck in der Brust

Es fällt Ihnen schwer, den Tod eines Elternteils oder eines geliebten Menschen zu verkraften

Sie bemerken eine Zunahme von Wut und Aggression gegenüber sich selbst oder einer nahestehenden Person

Sie halten den Tod für eine bessere Option als das Leben

Es fällt Ihnen schwer, nicht mehr an ein schmerzhaftes Ereignis zu denken, das Ihnen widerfahren ist und Ihr Alltag wird dadurch beeinträchtigt

Sie stellen eine deutliche Zunahme des Konsums von Alkohol, Medikamenten oder Drogen fest, um sich zu entspannen oder eine Situation zu bewältigen.

Selbsttests

Wenn Sie vermuten, an einer Depression zu leiden, können Sie einen Selbsttest durchführen, um zu entscheiden, ob Sie weitere Hilfe in Anspruch nehmen wollen oder sollten. Bei Suizidgedanken sollten Sie diesen Selbsttest machen. Weitere Informationen zu Panik, sozialen Ängsten und Phobien finden Sie hier.

Kostenpunkt

Psychotherapie und Medikamente, die von Ärzten (entweder von Ihrem Hausarzt oder einem Psychiater) verschrieben werden, werden zu einem Großteil von der CNS übernommen.

Ärztliche Verschreibung für Psychotherapie

Ein Arzt kann Ihnen ein bis drei Einführungssitzungen bei einem Psychotherapeuten verschreiben, die erstattet werden. Sie können diese Sitzungen auch ohne ärztliche Verordnung beginnen, aber um die Kosten erstattet zu bekommen, muss innerhalb von 90 Tagen nach der ersten Sitzung eine ärztliche Verschreibung ausgestellt werden. 

Die erste ärztliche Verordnung umfasst maximal 27 Sitzungen (drei einführende Psychotherapiesitzungen, gefolgt von bis zu 24 unterstützenden Psychotherapiesitzungen). Für die 24 Sitzungen der erweiterten unterstützenden Psychotherapie ist eine weitere Verordnung erforderlich. Letztere ist auf maximal 120 Sitzungen innerhalb von 10 Jahren begrenzt. Weitere Informationen finden Sie hier

Die Erstattungssätze betragen 70 Prozent für Erwachsene und 100 Prozent für Kinder, die zum Zeitpunkt der Ausstellung der ärztlichen Verordnung unter 18 Jahre alt sind. 

Medikamente wie Antidepressiva werden zu 80 Prozent erstattet. Die Therapie muss jedoch von einem zugelassenen Psychotherapeuten durchgeführt werden, und laut der Website der CNS werden einige Psychologen nicht erstattet.

Eine Reihe von gemeinnützigen Organisationen bieten kostenlose Beratung an (Einzelheiten und Telefonnummern siehe unten).

Zunächst ist es wichtig, den Unterschied zwischen Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten zu kennen.

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An wen sollten Sie sich wenden?Der Hausarzt

Manchmal lohnt es sich, zuerst den Hausarzt um Rat zu fragen. Manche psychischen Symptome haben körperliche Ursachen, zum Beispiel ein hormonelles Ungleichgewicht, das durch eine Testanalyse abgeklärt und durch einen Spezialisten oder mit Medikamenten behandelt werden kann. Der Arzt kann Sie anschließend beraten, ob Sie einen Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater aufsuchen sollten.

Psychologe

Psychologen sind auf Psychologie und Verhaltenstherapie spezialisiert. Klinische Psychologen beschäftigen sich vorwiegend mit psychischen Störungen. Die meisten haben ein Hochschulstudium oder sogar einen Doktortitel absolviert und bilden sich regelmäßig weiter, um ihren Beruf ausüben zu können, sind aber in der Regel keine Ärzte im medizinischen Sinne.

Psychologen können helfen, die psychische Gesundheit zu verbessern oder zu erhalten, indem sie ihren Patienten Fähigkeiten vermitteln, mit bestimmten Gefühlen oder Situationen umzugehen, oder indem sie bei Bedarf bei der sozialen Integration helfen. Sie sollten sich an sie wenden, wenn Sie an Ihren Fähigkeiten oder an Ihrem Leben zweifeln, Probleme nicht bewältigen können oder unter Stress leiden. Psychologen hören zu, bieten Unterstützung und Beratung an, die kurz- oder langfristig sein kann. Konsultationen können zwischen 30 und 90 Minuten dauern.

Kinder und junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren können beim ONE (Office National de l‘Enfance) psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Weitere Informationen über die psychologischen und psychotherapeutischen Partner des ONE finden Sie auf dessen Website.

Psychiater

Psychiater sind Ärzte und können sich beispielsweise auch auf psychische Störungen bei Kindern spezialisieren. Die meisten Psychiater sind auch Psychotherapeuten. Sie können eine Diagnose stellen, die biologische, psychologische, Beziehungs- und Umweltaspekte berücksichtigt und körperliche Erkrankungen, die psychische Symptome verursachen, ausschließt. Sie können weitere Untersuchungen und medikamentöse Behandlungen oder die erforderliche therapeutische Betreuung verordnen.

Eine Konsultation kann zwischen 15 Minuten und eineinhalb Stunden dauern, wobei die Häufigkeit der Besuche von der Art der Behandlung abhängt. Die Tarife für die Konsultation eines Psychiaters werden von der CNS festgelegt und zu 88 Prozent für Erwachsene und zu 100 Prozent für Kinder erstattet.

Psychotherapeuten

Hierbei handelt es sich um Ärzte (meist Psychiater), die in psychotherapeutischen Methoden ausgebildet sind (siehe unten). Sie stellen eine psychotherapeutische Diagnose und behandeln psychische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, Ängste und traumatische Erlebnisse. Ziel ist es, Ihre Gefühlswelt nachhaltig zu verändern, Verhaltensweisen anzupassen, Gedanken zu entspannen und Ihre sozialen Beziehungen oder Ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Dies kann durch Medikamente ergänzt werden.

In Luxemburg anerkannte Psychotherapiemethoden:

Die kognitive Verhaltenstherapie basiert auf den Wechselwirkungen zwischen Gedanken, Gefühlen, Verhaltensweisen und deren Folgen. Gemeinsam mit dem Psychotherapeuten wird ein oder mehrere Ziele festgelegt und besprochen, wie diese erreicht werden können. Diese Therapie ist besonders erfolgreich bei der Behandlung von generalisierten Ängsten, Zwangsstörungen und der psychischen Seite von Essstörungen.

Systemische und Familientherapien werden bevorzugt, wenn die Schwierigkeiten oder Symptome einer Person das Ergebnis von Interaktionen mit der Familie sind.

Der psychodynamische Ansatz basiert auf der Arbeit von Psychoanalytikern und zielt darauf ab, ins Unbewusste verdrängte Konflikte oder Traumata wieder bewusst zu machen, um Leiden oder Störungen zu verstehen und zu reduzieren.

Humanistische Therapien gehen von einer positiven Sicht des Menschen aus und tragen dazu bei, psychologisches Wachstum zu mobilisieren, um das Potenzial eines Menschen zu entfalten.

Wo kann ich einen Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten finden?

Sie können Psychologen und Psychotherapeuten über das Verzeichnis der Luxemburger Gesellschaft für Psychologie suchen, indem Sie nach Sprache, Ort oder Problem/gewünschter Therapie filtern.

Auf Doctena.lu kann über die Suchfunktion nach Psychologen, Psychiatern oder Psychotherapeuten gesucht werden.

Psychotherapeuten/Psychiater finden Sie auf der Website des „Collège médical“ unter der Kategorie Psychotherapeut oder Psychiater.

Die meisten großen Krankenhäuser verfügen über psychiatrische Abteilungen oder Kliniken für ambulante und stationäre Behandlung. Das Zentralkrankenhaus für Neuropsychiatrie in Ettelbrück bietet ambulante Termine für Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene und Kinder an.

An der Universität Luxemburg gibt es einen Beratungsdienst für psychisches Wohlbefinden für Studenten und Mitarbeiter.

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Kostenlose Beratungen

D’Ligue (LLHM oder Luxemburger Liga für Psychohygiene) bietet einen Beratungsdienst für Menschen mit psychischen Problemen an, der von einem Team aus Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiatern und Sozialarbeitern geleitet wird. Konsultationen finden von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr in der Rue du Fort Bourbon, 11 statt. Die Beratungen sind kostenlos und können unter der Telefonnummer 49 30 29 vereinbart werden.

Die Ligue Medico Sociale bietet psychologische Beratung und Hilfe bei Essstörungen an, das in Luxemburg-Stadt, Düdelingen, Ettelbrück, Echternach, Clerf, Wiltz, Esch/Alzette und Redingen. Termine werden unter der Telefonnummer 22 01 22 vereinbart.

Réseau Psy ist eine gemeinnützige Organisation, die mit dem Gesundheitsministerium und der CNS zusammenarbeitet. Beratung, Unterstützung und medizinische Behandlung erhalten Sie im Zentrum Oppen Dir in Esch/Alzette, Telefon 54 16 16, oder in Grevenmacher, Telefon 75 92 291.

Im Norden bietet Liewen Doubaussen in seinem Zentrum in Ettelbrück unter der Telefonnummer 26 81 51 1 psychiatrische und psychologische Unterstützung an.

Die Stressberodung (eine Kooperation zwischen der Arbeitnehmerkammer und der LLHM) bietet einen kostenlosen und vertraulichen Service mit bis zu fünf Beratungen. Die Beratungen finden nur nach vorheriger Terminvereinbarung zwischen 8 bis 14 Uhr statt. Sie erreichen die Beratungsstelle unter der Telefonnummer 27 494 222 oder per E-Mail an stressberodung@csl.lu.

Viele luxemburgische Unternehmen sind Mitglied der ASTF (Association pour la Santé au travail des secteurs Tertiaire et Financier), die Unterstützung für Arbeitnehmer anbietet, die unter Burnout, Depressionen oder Suizidgedanken leiden. Die Beratung ist kostenlos und absolut vertraulich. 

Das Informationsportal für medizinische Gesundheit listet eine Reihe weiterer Organisationen auf, die Paaren, Familien und Kindern Unterstützung bieten.

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Nützliche Websites

Prävention Depression

Prävention Suizid

Prävention Panik/Angst

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Das „Luxemburger Wort“ berichtet in der Regel nicht über Suizide, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend den Notruf 112.

Unter der Rufnummer 45 45 45 des Dienstes SOS Détresse erhalten Sie täglich – von 11.00 bis 23.00 Uhr, am Freitag und Samstag auch nachts von 23.00 bis 3.00 Uhr – Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Weitere Informationen unter: www.prevention-suicide.lu

Dieser Text erschien zuerst auf www.luxtimes.lu. / Übersetzung und Bearbeitung: Liz Mikos