Der SPD-Politiker Manuel Gava hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, bei der anstehenden Bundestagswahl im Februar nicht wieder als Direktkandidat im Wahlkreis Stadt Osnabrück anzutreten. Diese Nachricht ließ aufmerken, denn der 33 Jahre alte Sozialdemokrat hatte sich erst vor fünf Wochen in einer Kampfabstimmung gegen seinen parteiinternen Herausforderer Thomas Vaupel durchgesetzt. In Anbetracht von Recherchen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gab Gava nun jedoch zu, dass er regelmäßig Kokain konsumierte, um sich vom anstrengenden Politikbetrieb „abzulenken“.
Vor einer Woche hatte Gava lediglich „gesundheitliche Gründe“ für seinen Rückzug genannt. Gava spielte damit auf seine Mitteilung von September an, dass er an einer Autoimmunkrankheit erkrankt sei. Gava hat diese Angabe bisher nicht zurückgezogen und der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ laut deren Berichterstattung auch zugesagt, einen Nachweis dafür zu erbringen. Dies tat er aber trotz mehrfacher Nachfrage nicht.
Gavas Erfolg bei der Bundestagswahl 2021 galt in der SPD als wichtiger Erfolg, weil der Wahlkreis in der Stadt Osnabrück seit Jahrzehnten zwischen CDU und SPD umkämpft ist und Gava sich als Politikneuling gegen den CDU-Politiker Mathias Middelberg durchsetzen konnte. Der promovierte Jurist Middelberg zählt seit Jahren zu den profiliertesten Fachpolitikern in Berlin. Der gebürtige Italiener Gava, der einen Hauptschulabschluss hat, in der Eisdiele seiner Eltern begann und später im Vertrieb arbeitete, profilierte sich im Wahlkampf dagegen als volksnaher Newcomer.
Während der Legislaturperiode fehlte Gava jedoch zunehmend häufig oder ließ sich kurzfristig entschuldigen. Wie es jetzt heißt, gab es in SPD-Kreisen schon länger Gerüchte über Drogenkonsum. Im Sommer gab es dann Spekulationen, dass Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in seiner Heimatstadt Osnabrück antreten könnte. Dagegen wehrte sich Gava jedoch vehement und verwies auf seinen Wahlsieg 2021. Pistorius tritt nun in Hannover-Süd an.
Der Osnabrücker SPD-Vorstand zweifelte dennoch an Gavas Eignung und nominierte Vaupel als Direktbewerber. Weil der Drogenverdacht aber nicht offen kommuniziert wurde, entstand bei SPD-Mitgliedern der Eindruck, dass das Partei-Establishment einen jungen Politiker ohne akademischen Abschluss beiseiteschieben wolle, wodurch Gava die Abstimmung gewann. Der Rückzug von Gava, der nach eigenen Angaben auch schon als Jugendlicher und in seiner Vertriebszeit gekokst hat, kommt nun allerdings noch rechtzeitig für die Partei, um Thomas Vaupel als Direktkandidaten zu benennen.