Besuch aus Argentinien –
Javier Milei kommt in die Schweiz – und wird nicht nur am WEF auftreten
Ein Schweizer Thinktank kündigt im Januar eine Veranstaltung mit dem argentinischen Präsidenten an. Wer Chancen auf ein Ticket haben will, muss tief in die Tasche greifen.

epa11731535 Argentine President Javier Milei reacts during his meeting with the Italian prime minister at the Casa Rosada in Buenos Aires, Argentina, 20 November 2024. Meloni is on her first official visit to Argentina after participating in the G20 leaders’ summit in Rio de Janeiro. EPA/JUAN IGNACIO RONCORONI
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Schon die Anreise von Javier Milei nach Davos war letztes Jahr speziell: Während die meisten anderen Staatschefs oder Ministerinnen im Privatjet oder zumindest in der First Class ans WEF anreisten, flog der argentinische Präsident in der Economy Class. Danach postete er unzählige Videos mit seinen Fans auf X. Er wolle das Staatsbudget nicht unnötig belasten, erklärte er den Medien.
Nun plant Milei seinen nächsten Besuch in der Schweiz. Offenbar will er erneut am WEF teilnehmen, das vom 20. bis 24. Januar 2025 Januar in Davos stattfinden wird. Das hatten letzte Woche bereits argentinische Medien mit Bezug auf regierungsnahe Quellen berichtet. Auch Swissinfo vermeldete es, allerdings nur auf Portugiesisch. Eine Anfrage bei der Medienstelle der argentinischen Regierung und der argentinischen Botschaft in Bern blieb bisher unbeantwortet.
Das WEF wird aber nicht Mileis einziger Termin in der Schweiz sein. Noch ist unklar, ob der Bundesrat den argentinischen Präsidenten auch in Bern empfangen will – wie er das letztes Jahr mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski und dem chinesischen Premierminister Li Qiang getan hat. Eine Anfrage dieser Redaktion beim Aussendepartement blieb bisher unbeantwortet.
Dafür aber hat ein Thinktank den Präsidenten schon für einen Auftritt verpflichtet. Das Liberale Institut aus Zürich hat am Mittwoch in einem Newsletter angekündigt, dass es Milei am 24. Januar empfangen dürfe. Zeit und Ort sind laut den Organisatoren noch nicht festgelegt.
«Es lebe die Freiheit, verdammt noch mal»
Wegen seiner Ablehnung für alles Staatliche ist es möglich, dass Milei keinen Besuch beim Bundesrat plant und stattdessen neben seinen Terminen am WEF nur am Liberalen Institut auftreten wird.
Der Schweizer Thinktank wirbt für Lösungen, bei denen der Staat die kleinstmögliche Rolle spielt. Diese hat sich auch Milei auf die Fahne geschrieben, der zurzeit einer der prominentesten Verfechter des Libertarismus ist. Milei will den Staat gar «von innen zerstören». Seit seinem Amtsantritt hat er diverse staatlichen Institutionen aufgelöst.
Die Organisatoren schreiben über den Argentinier, es gebe «weltweit zurzeit wohl keinen anderen Politiker, der liberale Reformen derart konsequent und beherzt vorantreibt». Direktor des Instituts ist Olivier Kessler, der in der Schweiz als treibende Kraft hinter der No-Billag-Initiative bekanntgeworden ist.
Kessler sagt auf Anfrage dieser Redaktion: «Ich persönlich durfte Javier Milei im Sommer bereits in Hamburg miterleben.» Er sei dann auf Philipp Bagus zugegangen, der den Auftritt in Hamburg vermittelt hatte. Bagus hat ein Buch über Milei veröffentlicht und sitzt auch im Akademischen Beirat des Liberalen Instituts. «Wir haben Präsident Milei dann mit einem Schreiben zu uns ans Liberale Institut eingeladen, worauf hin er glücklicherweise zugesagt hat».
Der argentinische Präsident ist nicht nur in seiner Heimat, sondern auch international umstritten. Letztes Jahr am WEF beklagte er sich vor allem über Feminismus, der das Wirtschaftswachstum bremse, warnte vor dem Sozialismus und verabschiedete sich mit dem Ruf: «Es lebe die Freiheit, verdammt nochmal». Bevor ihm die erste Frage gestellt werden konnte, verliess er die Bühne.
Milei bekommt einen Preis verliehen
Ob Milei sich am Anlass des liberalen Instituts in ein Gespräch verwickeln lässt, ist noch offen. Man befinde sich noch mitten in den Vorbereitungen, so Kessler. Klar sei aber, dass ihm die Organisatoren den Röpke-Preis für Zivilgesellschaft verleihen wollen und er eine Preisträgerrede halten werde.
Das Liberale Institut will den Anlass aber gemäss ihren eigenen Aussagen «im kleinen, aber feinen Rahmen» halten. Was das genau bedeutet, ist laut Kessler noch offen. Es hänge «von der Location ab, die noch nicht abschliessend definiert ist».
Der Thinktank nutzt den Anlass auch, um neue Fördergelder zu akquirieren. Kostenpflichtige Tickets sollen nämlich primär Förderer des Instituts erwerben können. Aktuell sind das laut Kessler 141 Personen und Organisationen.
Wer in den nächsten Tagen noch mindestens 1000 Franken spende, könne noch «auf die exklusive Einladungsliste gelangen», schreiben die Organisatoren in der Ankündigungs-Email. Kessler sagt, den Förderern werde zuerst die Möglichkeit geboten, sich einen Platz zu sichern, «als Dankeschön für die wertvolle Unterstützung unserer Arbeiten zugunsten der Freiheit». Wenn danach noch Plätze verfügbar seien, könnten alle Leute Tickets erwerben.
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