Der einflussreiche frühere belgische Minister und vormalige Justizkommissar soll über Jahre einen bedeutsamen Geldbetrag gewaschen haben. Die Justiz ermittelt.
Brüssel. Wie heißt’s beim Lotto? Alles ist möglich. Zum Beispiel ist es möglich, dass einer der mächtigsten Politiker Belgiens, der über drei Jahrzehnte die Geschicke des Königreichs wesentlich mitbestimmt hat und zuletzt als EU-Justizkommissar für die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in der Union zuständig war, wegen eines slapstickhaften Schemas zur Geldwäsche mittels unzähliger bar bezahlter Lotterietickets ein Fall für die Justiz wird.
So ist es Didier Reynders Dienstagfrüh widerfahren. Da fuhren Polizisten im Auftrag eines Ermittlers für Finanzstrafsachen vor dem Brüsseler Privathaus und der Wochenendresidenz des früheren belgischen Finanz- und Außenministers vor, führten Razzien in beiden Liegenschaften durch und nahmen Reynders zwecks Einvernahme mit.
Seit mehr als einem Jahr hatten die Finanzstrafermittler an diesem Fall gearbeitet, berichtete die Tageszeitung „Le Soir“. So heikel war das Dossier, dass eine außerordentliche Aktensperre verfügt wurde. Sprich: Die Besprechungsprotokolle der Ermittler wurden erst am Tag der Razzien in die nationale Datenbank der Polizei eingegeben. So sollte verhindert werden, dass Reynders Wind von der streng vertraulichen Untersuchung gegen ihn Wind bekommt, indem ihn ein wohlgesinnter Polizist oder Justizbeamter alarmiert.