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Blick auf Stromkabel in der finnischen Natur. (Symbolbild)

Blick auf Stromkabel in der finnischen Natur. (Symbolbild) © Antti Aimo-Koivisto/dpa

Erneut sind Datenkabel in Skandinavien beschädigt worden. Wieder wird Sabotage vermutet. Zuvor gab es heikle Vorwürfe gegen China.

Update vom 3. Dezember, 12.21 Uhr: Nach dem neuen Zwischenfall an einem Datenkabel hat jetzt sogar die Nato reagiert. Das Verteidigungsbündnis prüft einen besseren Schutz von Datenkabeln gegen mögliche Sabotage. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte am Dienstag nach der neuerlichen Beschädigung eines Kabels in Finnland, das Thema habe für die 32 Mitgliedsländer „Dringlichkeit“. Sobald die Nato wisse, wer hinter dem Schaden stecke, werde sie sich dazu äußern.

Datenkabel-Zwischenfall in Europa: „Sabotage“ durch China oder Russland? Nato reagiert

Rutte betonte, im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine hätten sich Fälle von Sabotage, Energie-Erpressung und Cyberangriffen gehäuft. Nicht nur Russland greife zu solchen Mitteln, nach Nato-Erkenntnissen mische sich auch „China immer stärker ein“. Die Nato-Außenminister wollen nach seinen Worten am Mittwoch über das Thema beraten.

Als Reaktion auf die Sabotage der Nordstream-Pipelines in der Ostsee im September 2022 hatte die Nato ein Zentrum für die Sicherheit wichtiger Unterwasser-Infrastruktur eingerichtet. Es soll helfen, Unterwasser-Pipelines sowie Strom- und Datenkabel auf dem Meeresgrund besser zu schützen.

Wieder Datenkabel in Skandinavien zerstört – Schweden sieht „Sabotage“

Erstmeldung vom 3. Dezember: Datenkabel in Skandinavien rücken in den letzten Wochen zunehmend in den Fokus der europäischen Öffentlichkeit. Wieder ist ein Kabel beschädigt worden. Und erneut wird vermutet, dass der Schaden absichtlich zugefügt worden ist.

In der Nacht zum Dienstag ist ein Datenkabel, das zwischen Finnland und Schweden verläuft, beschädigt worden. Das meldete der Rundfunksender Sveriges Radio und bezog sich auf Polizeiangaben. Demnach geht die finnische Polizei von einem Verbrechen aus. Die schwedische Telekommunikationsbehörde PTS bestätigte der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter, dass zwei Schäden an einem Internetkabel an Land auf finnischem Gebiet festgestellt wurden.

Datenkabel in Finnland durchtrennt: „Sabotage“-Verdacht aus Schweden

Die finnische Verkehrs- und Kommunikationsministerin Lulu Ranne schrieb auf X, dass die Behörden die Angelegenheit untersuchen. „Wir nehmen die Situation ernst“, schloss Ranne ihren Post.

Angesichts der Umstände werde „Sabotage vermutet“, teilte der schwedische Zivilschutzminister Carl-Oskar Bohlin der Nachrichtenagentur AFP mit. Die finnische Polizei erklärte allerdings, sie habe zum jetzigen Zeitpunkt keine „strafrechtlichen Ermittlungen“ eingeleitet.

Das Kabel, das von Finnland nach Schweden verläuft, sei am Montag an Land an zwei Stellen gebrochen, teilte das Telekommunikationsunternehmen GlobalConnect mit. Nach Angaben von Dagens Nyheter befinden sich die Kabelbrüche in Espoo und Vichtis in Finnland. Über Nacht sei bereits ein Kabelbruch behoben worden. Der andere wurde bereits lokalisiert. Da das Kabel an der Stelle aber vergraben ist, würde die Reparatur etwas länger dauern. Knapp 100 Unternehmen und 6000 Haushalte waren demnach zeitweise ohne Internetverbindung.

Defekte Datenkabel: Brisanz erst durch China-Vorfall vor Kurzem

„Es ist noch zu früh, um zu sagen, was das Problem verursacht hat“, sagt Niklas Ekström, Kommunikationsmanager bei Swedish Global Connect, zu dem Blatt. Das Kabel in Vichtis soll dem Bericht nach unabsichtlich von einem Bagger durchtrennt worden sein. Hier soll es sich also nicht um Sabotage gehandelt haben. Der Vorfall in Espoo werde weiter untersucht, heißt es von den Behörden.

Vor zwei Wochen waren binnen 48 Stunden Schäden sowohl an einem Telekommunikationskabel zwischen Deutschland und Finnland als auch an einem derartigen Kabel zwischen Schweden und Litauen bekannt geworden. Ein chinesisches Schiff, das sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Nähe eines der Kabel aufgehalten hatte, wurde in dem Zusammenhang verdächtigt und von den Küstenwachen Schwedens und Dänemarks beschattet. China wies jegliche Verantwortung in dem Fall zurück und zeigte sich am Freitag „bereit zur Zusammenarbeit“ mit den Ermittlern. Es kam sogar der Verdacht auf, das chinesische Schiff hätte auf Wunsch Putins das Kabel durchtrennt. (rist/afp/dpa)