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Putin blickt auf Barentsburg auf Spitzbergen.

Wladimir Putin könnte eine russische Bergarbeitersiedlung auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen ins Visier nehmen. © ITAR-TASS/Imago; Marica van der Meer/imagebroker; Montage: RUHR24

Schenkt man Sicherheitsexperten Glauben, dann hat Putin seine Augen auf NATO-Gebiet gerichtet. Der BND-Chef verweist auf eine abgelegene Inselgruppe.

Berlin – Putins Ambitionen auf Nato-Gebiete treiben deutschen Behörden offenbar zunehmend die Schweißperlen auf die Stirn. Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendiensts (BND), hat eindringlich vor den wachsenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen gewarnt. Bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin betonte er: „Russland bereitet sich auf einen Krieg mit dem Westen vor“.

BND-Chef warnt: Ist diese Insel Putins erstes Ziel auf NATO-Gebiet?

Laut Kahl könnte der Kreml eine militärische Konfrontation als Option in Betracht ziehen. Bis Ende des Jahrzehnts wären die russischen Streitkräfte personell und materiell vermutlich dazu in der Lage, einen Angriff auf westliche Staaten durchzuführen. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte im Sommer 2024 davor gewarnt, dass Putin im Jahr 2029 einen Nato-Staat angreifen könnte.

Allerdings sei ein großflächiger Angriff auf Nato-Mitglieder in Europa laut Kahl unwahrscheinlich. Vielmehr könne Russland versuchen, die Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 der Nato-Charta gezielt zu untergraben. Ziel sei es, das westliche Bündnis in seiner Funktion als Verteidigungsallianz zu schwächen und letztlich zu spalten (mehr Politik-News bei RUHR24).

Ein mögliches Ziel Putins: Die norwegische Inselgruppe Spitzbergen, auf der es die rein russische Polarstation und Bergarbeitersiedlung Barentsburg gibt. Der Reservistenverband der Bundeswehr bezeichnete die Inselgruppe in seinem Magazin loyal unter Berufung auf Sicherheitsexperten gar als „Krim des Nordens“. Barentsburg sei laut dem Arktis-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Michael Paul, „eine Art Mini-Donbass“.

Putins Krieg gegen die NATO: Nicht nur BND-Chef blickt mit Sorge auf Spitzbergen

„Weil Spitzbergen so dünn besiedelt ist und am extremen Rand des NATO-Bündnisgebiets liegt, könnte Putin hier versuchen, niedrigschwellig die Allianzsolidarität zu prüfen“, sagte Paul gegenüber loyal. Der Experte hat jedenfalls seine Zweifel daran, dass die NATO dieses abgelegene Gebiet tatsächlich verteidigen würde.

Die russische Siedlung Barentsburg auf Spitzbergen.

Die russische Siedlung Barentsburg am Fjord Groenfjorden auf Spitzbergen ist Heimat von Kohlearbeitern – einige von ihnen wohnen in diesen Hochhäusern. © UIG/Imago

Abseits von Spitzbergen hält BND-Chef Kahl indes auch eine begrenzte russische Intervention im Baltikum für möglich. Ein solcher Vorstoß könnte – wie auch in Norwegen – unter dem Vorwand erfolgen, russische Minderheiten zu schützen. Noch im Frühjahr hatte die Nato wegen der Bedrohung durch Russland ein groß angelegtes Manöver „Steadfast Defender 2024“ in Norddeutschland durchgeführt.

In der russischen Führung kämen laut Kahl zunehmend Zweifel daran auf, ob die Nato im Ernstfall geschlossen handeln würde. „Wenn solche Ansichten überhandnehmen in der russischen Regierungszentrale, wächst in den kommenden Jahren das Risiko auch einer militärischen Auseinandersetzung“, warnte er. Bereits jetzt reagiert Putin unmissverständlich auf NATO-Manöver: Russische Kampfjets haben kürzlich einen Nato-Bomber nahe Kaliningrad abgefangen, berichtet Merkur.de.

Putins Krieg gegen den Westen: Artikel 5 der Nato-Charta im Blickpunkt

Sollte die Beistandsverpflichtung der Nato scheitern, könnte Russland laut Kahl „seinen Einfluss in Europa durch eine aggressive Machtpolitik ausbauen“. Gleichzeitig würde die Position des Westens weltweit geschwächt.

Putins Krieg gegen die NATO: BND-Chef Kahl warnt vor innenpolitischer Spaltung

Vor einem möglichen Angriff werde Russland versuchen, das westliche Bündnis zu spalten, erklärte Kahl weiter. Einzelne Nato-Mitgliedsstaaten könnten durch diplomatische oder wirtschaftliche Mittel auf die Seite Moskaus gezogen werden. Putin, der kürzlich gar die Auflagen für den Einsatz von Atomwaffen gelockert hat, werde zudem die roten Linien des Westens austesten und mit weiteren Eskalationen drohen, prophezeite Kahl. Dies seien „unbehagliche Aussichten“.

Der BND-Präsident äußerte sich auch besorgt über die Wirkung russischer Propaganda auf die deutsche Innenpolitik. Am rechten und linken Rand des politischen Spektrums würden Botschaften aus Moskau teilweise „naiv nachgeplappert“. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf Wahlen, sondern verschärfe auch die gesellschaftliche Spaltung. Mit AFP-Material/bearbeitet durch Julian Kaiser