Die Nachrichten wurden von der syrischen Diaspora mit Spannung verfolgt, der Sturz des Diktators Baschar al-Assad und der Rückzug seiner Armee sorgt auch hierzulande für Euphorie. „Die Freude unter den Syrerinnen und Syrern ist gerade unbeschreiblich“, erzählt der in Graz lebende Autor, Redner und „Dancing Star“ Omar Khir Alanam, der vor zehn Jahren nach Österreich gekommen ist und im Austausch mit Bekannten in Syrien ist.

Kaum Schlaf in der Nacht auf Sonntag

Er selbst habe kaum schlafen können, in der Nacht auf Sonntag, als sich die Nachrichten überschlugen. „Menschen, die seit Jahren im Gefängnis waren, weil sie für Veränderung auf die Straßen gegangen waren, sind plötzlich frei“, erzählt Khir Alanam. „Stellen Sie sich vor, wie viele Mütter gerade vor Freude weinen, weil sie wieder mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter vereint sind, von denen einige dachten, sie seien schon seit Jahren tot.“

„Tag der Freude“

An der österreichischen bzw. europäischen Berichterstattung kritisiert der 33-Jährige, dass bei der Widerstandsbewegung gegen Assad die Rede von Islamisten ist: „Das ist schade. Natürlich gibt es da Islamisten darunter, und auch in Syrien hat man diese Sorgen, aber wir erleben derzeit nichts, das darauf deuten würde, dass nun Radikale ein Kalifat errichten wollen.“ Das habe man etwa am Umgang mit Christen nach der Befreiung Aleppos gesehen. Natürlich gibt es Befürchtungen und man muss die Situation genau beobachten, aber dieser Tag müsse als ein Tag der Freude gesehen werden, „aus Fairness gegenüber allen Syrerinnen und Syrern, die unter Krieg, Folter und Flucht gelitten haben.“

Perspektiven für Geflüchtete

Bekannte aus Damaskus berichteten Khir Alanam, dass einige Städte schon befreit wurden, bevor die Milizen ankamen. „Assads Armee wusste nicht mehr, was zu tun ist. Plötzlich gab es keine Uniformen mehr auf den Straßen.“ In vielen Städten, vor allem in Damaskus und Umgebung, hätten die Bewohner auf der Straße gefeiert, wie bei den Demonstrationen 2011 „Frieden“ und „Freiheit“ gerufen und Einheit über ethnische Grenzen hinweg demonstriert, etwa mit Sprüchen wie „Eins, eins, eins! Das syrische Volk ist eins!“ Dass die Stadt ohne Blutvergießen befreit wurde, stimmt Omar Khir Alanam optimistisch. „Sollte das alles gut gehen, wird das auch für Europa eine Erleichterung sein.“ Er spricht damit die Perspektive vieler Geflüchteter an, wieder in ein sicheres und bestenfalls florierendes Land zurückzukehren.