Aktualisiert8. Dezember 2024, 19:10

Nach Sturz von Assad: Syrer in Luxemburg jubeln über neues Kapitel – Bettel hofft auf Friedensgespräche

LUXEMBURG – Hupkonzerte und ein Gefühl der Freiheit. Die Syrer feiern den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad. Außenminister Bettel sieht das Land vor weiteren Herausforderungen.

Thomas Holzer
Mélissa Petit

von

Thomas Holzer,

Mélissa Petit

Mehr als 13 Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs, mit 600.000 Toten, Millionen von Vertriebenen und einem nahezu vollständig zerstörten Land, in dem die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist Bashar al-Assad gestürzt. Rebellen sind in Damaskus eingezogen, der syrische Diktator hat das Land verlassen und mit seiner Familie laut russischen Nachrichtenagenturen in Russland «aus humanitären Gründen» Asyl gewährt bekommen.

Ein historischer Tag für Millionen Syrer, doch eine Herausforderung für die westlichen Regierungen, die die Situation mit Vorsicht betrachten müssen. Von seinen Verbündeten Iran und Russland im Stich gelassen, die nicht länger in der Lage waren, sein geschwächtes Regime zu stützen, wird Assad von den meisten europäischen Politikern nicht betrauert, wie auch die Worte des luxemburgischen Außenministers Xavier Bettel (DP) zeigen.

«Dringende Friedensgespräche»

Xavier Bettel

In seinen Zeiten als Premierminister hatte Bettel bereits mit den dramatischen Folgen des syrischen Konflikts zu kämpfen: von der Flüchtlingskrise über die Anschläge des IS in Europa bis hin zu den Verbrechen des Assad-Regimes. «Ein brutaler Diktator, verantwortlich für den Tod von Hunderttausenden, der chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat und die Vertreibung von Millionen Syrern verursachte. Viele von ihnen fanden auch in Luxemburg Schutz», erklärte das luxemburgische Außenministerium L’essentiel.

Trotz der Freude über Assads Sturz mahnt Bettel zur Zurückhaltung und betont die «enormen Herausforderungen», vor denen Syrien steht. «Es gibt eine Chance für Erneuerung, und ich hoffe, dass die Widerstandsfähigkeit des syrischen Volkes den Weg zu einem vereinten und friedlichen Syrien ebnen kann – durch einen politischen Prozess», so Bettel. Er unterstützt den Aufruf der Vereinten Nationen zu dringenden Friedensgesprächen in Genf und appelliert an alle Akteure, «ihre Verpflichtungen nach internationalem Recht einzuhalten und die Zivilbevölkerung sowie zivile Infrastruktur zu schützen».

Syrer feiern in Luxemburg

Bettels Worte spiegeln auch die Unsicherheiten wider, die mit der Zukunft Syriens verbunden sind. Können sich die Rebellen, die das Assad-Regime gestürzt haben, trotz ihrer unterschiedlichen Interessen einigen? Oder droht eine neue Bürgerkriegswelle? Werden radikale Gruppierungen wie die Hayat Tahrir al-Sham (HTS) unter der Führung von Abu Mohammed al-Joulani die Rechte von Minderheiten tatsächlich garantieren, wie sie es versprochen haben? Und welche Rolle spielen ausländische Akteure wie Iran, Russland und die Türkei bei der schwierigen Aufgabe, ein zersplittertes Land zu vereinen?

Viele dieser Fragen werden die nächsten Tage, Wochen und Monate bestimmen. Doch an diesem Sonntag stand für die Mehrheit der Syrer die Freude über den Sturz Assads im Vordergrund – und die Hoffnung, dass er eines Tages für seine Taten vor ein internationales Gericht gestellt wird. Auch in Luxemburg feierten Syrer diesen Meilenstein. Wie auch im Saarland und Rheinland-Pfalz fuhren sie mit Fahnen und Autokorsos durch die Straßen von Luxemburg-Stadt. «Wir haben in einer WhatsApp-Gruppe geschrieben und beschlossen, uns in der Stadt zu treffen. Jetzt sind alle Menschen in Syrien frei», sagte Maher, einer der Teilnehmer, im Gespräch mit L’essentiel.

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