EU-Kommissar Glenn Micallef
„Wer zum kulturellen Reichtum Europas beiträgt, darf nicht in Armut gedrängt werden“
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Brüssel. Europas Kulturbranche steht unter Druck: Öffentliche Ausgaben in Kultureinrichtungen werden wegen der kriselnden Wirtschaft zurückgefahren, Rechtsextremisten greifen Kultureinrichtungen an. EU‑Kommissar Glenn Micallef will nun die Situation der Kulturschaffenden verbessern. „Mehr als zwei Drittel der Künstler und Kulturschaffenden brauchen zwei Jobs, um über die Runden zu kommen. Es ist nicht akzeptabel, dass Künstler in einigen Teilen Europas am Rande der Armut leben“, sagte der EU‑Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport in Brüssel. „Denn diejenigen, die zum kulturellen Reichtum Europas beitragen, dürfen nicht in die wirtschaftliche Armut gedrängt werden“, so der 35‑Jährige.
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Der EU‑Kommissar kritisierte die jüngsten Angriffe von Rechtsextremen auf Kultureinrichtungen wie auf das Nationaltheater in Sofia aufs Schärfste. Vor einem Monat hatten dort vermummte, schwarz gekleidete Demonstranten Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer angriffen. Sie forderten die Absetzung eines Stücks, das vom Serbisch-Bulgarischen Krieg vor 139 Jahren handelt. Der Theaterdirektor warf den Demonstranten Zensur und offenen Faschismus vor.
Glenn Micallef,
EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport
Europas Kulturschaffende seien Akteure des Wandels zum Guten in unseren Gesellschaften, sagte Micallef. „Wo immer eine vielfältige Kulturlandschaft blüht, wird dem Populismus und Extremismus der Nährboden entzogen. Wo immer eine vielfältige Kulturlandschaft aufblüht, verschwinden Desinformationsnarrative spurlos.“ Europa müsse die Kreativen schützen, damit die europäische Demokratie aufleben könne.
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Micallef verwies auf den Kompass für Wettbewerbsfähigkeit in Europa, den EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit vorlegen möchte. „Für den Kultursektor birgt das enormes Potenzial“, sagt der Kulturkommissar. Schließlich seien acht Millionen Menschen in der Kulturbranche beschäftigt, von Architektinnen und Architekten bis zu Schauspielerinnen und Schauspieler. Europa müsse das wirtschaftliche und soziale Potenzial der Kultur voll ausschöpfen. „Wir müssen sicherstellen, dass Künstler und Kreative von guten Arbeitsbedingungen profitieren können.“
Micallef ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Kulturkommissar in der Geschichte der EU. Zuvor war er maltesischer Außenminister und Stabschef des maltesischen Premierministers. In der neuen EU‑Kommission wird sein Hauptaugenmerk auf den Arbeitsbedingungen im Kultursektor, einer Strategie für Künstliche Intelligenz in der Kultur- und Kreativwirtschaft und der Organisation eines politischen Jugenddialogs liegen.