Mord an Krankenkassen-Chef Brian Thompson – Der Mörder und seine Fans. Fünf Tage nach den tödlichen Schüssen auf US-Krankenversicherungschef Brian Thompson ist ein Verdächtiger gefasst und angeklagt. Der Fall offenbart die Wut vieler Amerikaner auf das marode Gesundheitssystem.

by bedbooster

30 comments
  1. Dass sich das zu einem gesellschaftlichen Diskurs entwickelt ist schon bezeichnend für die Situation, in der die USA steckt. Dort sterben Menschen, weil die Versicherung ohne Begründung entscheidet, dass bestimmte Behandlungen oder Medikamente nicht nötig sind. Oder man zahlt es selbst, und verschuldet sich auf Lebzeit. Ein Irrsinn.

  2. Unabhängig davon was ich persönlich von der Situation halte: Die ganzen Armchair-Detectives auf Reddit (gerade in news, politics, etc) mit ihrer Fan-Fiction zu den Ermittlungen sind schon ganz Amüsant.

  3. Wenn heftigster Kapitalismus und mediale Verrohung ein Kind machen.

    Devianz, die die bestehende Ordnung nicht gefährdet, wurde historisch oft geduldet, das sahen wir in Mittelalter und Früher Neuzeit bei der Kirche (entegegen landläufiger Annahmen war die Kirche nicht die große Bremse des Fortschritts, die Forschenden waren in der Regel ja Geistliche),
    das sehen wir aber auch bei den Mass Shootings in den USA. Hier wird Gewalt angewendet, aber nicht gegen das herrschende System. Insofern bestand da nie eine notwendigkeit die Waffengesetze zu ändern.

    Sollten nun Morde an Repräsentant:innen des Systems zunehmen oder nur populärer werden, könnte ich mir vorstellen, dass es hier zu Änderungen im Waffenrecht kommt. Grundschulkinder erschießen ist eine Sache, aber CEOs. Das geht zu weit. /s

    Wirklich kurios ist ja das: Die Schnittmenge zwischen den Befürworter:innen dieser Selbst”justiz” und den Wähler:innen, die dieses System mit ihrer Stimme unterstützten, dürfte riesig sein. Die Leute wählen Johann Ohneland und den Sheriff von Nottingham, und feiern gleichzeitig Robin Hood.

  4. Deutschland zeigt bereits deutliche Tendenzen, sich in eine Richtung zu bewegen, die an die USA erinnert, zumindest was die Ungleichheit im Gesundheitssystem betrifft. Ein Beispiel dafür ist die Zwei-Klassen-Medizin, die sich durch die Bevorzugung von Privatpatienten zeigt – etwa bei der Terminvergabe oder im Zugang zu Fachärzten. Während gesetzlich Versicherte häufig wochen- oder monatelang auf Termine warten müssen, werden privat Versicherte schneller behandelt. Dieses Ungleichgewicht untergräbt das Solidarprinzip, das eigentlich die Grundlage des deutschen Gesundheitssystems ist.

    Ein weiteres Symptom ist die zunehmende Kommerzialisierung im Gesundheitssektor. Das Finanzierungssystem über Fallpauschalen (DRG) zwingt viele Krankenhäuser dazu, ökonomische Effizienz vor die Patientenversorgung zu stellen, ähnlich wie im profitorientierten Gesundheitssystem der USA. Das führt nicht nur zu Kostendruck und Personalabbau, sondern auch zu einer verstärkten Konzentration auf lukrative Behandlungen und Privatpatienten, während weniger profitable Bereiche – wie die Grundversorgung auf dem Land – zunehmend vernachlässigt werden.

    Langfristig könnte diese Entwicklung zu ernsthaften Problemen führen. Schon jetzt gibt es in einigen ländlichen Regionen eine drohende Unterversorgung, insbesondere im hausärztlichen Bereich. Hinzu kommt, dass gut ausgebildetes medizinisches Personal oft in privatwirtschaftliche Kliniken oder ins Ausland abwandert, wo die Bezahlung und Arbeitsbedingungen attraktiver sind. Diese Abwärtsspirale könnte das Vertrauen in das Gesundheitssystem massiv schwächen – ein Problem, das in den USA bereits sichtbar ist. Dort ist die Ungleichheit in der medizinischen Versorgung so ausgeprägt, dass viele Menschen sich komplett auf private Lösungen verlassen müssen.

    Deutschland läuft Gefahr, ähnliche Entwicklungen zu erleben, wenn die staatliche Regulierung nicht stärker in den Vordergrund rückt und das Prinzip der Solidarität nicht konsequent verteidigt wird. Ein Gesundheitssystem, das Profit über Versorgung stellt, wird langfristig scheitern – vor allem, wenn es darum geht, flächendeckend eine gute Versorgung für alle sicherzustellen.

    Deswegen Links meine Freunde 🙂

  5. Es zeigt nicht nur die Wut der Amis auf ihr Gesundheitssystem, es zeigt generell die Verwerfungen, die immer größere Ungleichheit in Gesellschaften verursacht. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Millardärsklasse merkt, dass sie selbst am meisten von einem funktionierenden Gemeinwesen profitiert. Es scheint mir, die Superreichen haben vor etlichen Jahren beschlossen, den Deal, dass alle von der Volkwirtschaft profitieren, einseitig aufzukündigen. Nun ist man überrascht, wenn im Rest der Gesellschaft der Gedanke entsteht, “wenn der ganze Bums mir eigentlich nur schader, weshalb soll ich überhaupt mitmachen”.

    Gesellschaftlicher Friede geht nicht ohne ein Mindestmaß an Verteilungsgerechtigkeit.

  6. Was mich an dem ganzen wundert ist warum es nicht schon vor 10-15 Jahren passiert ist.

    Man hat ein Land in dem Handfeuerwaffen sehr viel freier zugänglich sind als sonst wo, mit einer Epidemie psychischer Krankheiten oben drauf und dann noch dem Thema Healthcare, das derzeit wirklich das allereinzigste Thema ist, das die USA zusammenschweißt.

    Ganz im Ernst, wenn unter einem Ben Shapiro Video Leute aus dem gesamten politischen Spektrum sagen “fick diesen CEO” und auch Shapiro selbst massive Gegenwind geben, dass es sich hierbei nicht um ein politisches Thema handelt, dann weißt du wie dermaßen angefressen die sind.

  7. Ich bin ehrlich überrascht, dass so etwas nicht viel häufiger vorkommt. Das würde ich mir natürlich nicht wünschen, aber wenn man bedenkt, dass dort jeder dahergelaufene Vollidiot ein ganzes Kriegsarsenal an Waffen im Keller haben kann, finde ich das schon überraschend.

  8. War nicht schon mal gezeigt worden das der typ im Starbucks und der vor dem hotel komplett unterschiedliche Kleidung trugen? Einer hatte schwarzen Rucksack und der andere einen grauen. Komplett unterschiedliche Jacken, kaputzen etc.

    Irgendwie glaube ich das dort sehr viel sehr schnell gehen musste um dort Ergebnisse zu präsentieren. Wenn man solche krass unterschiedlichen Fotos von “verdächtigen” veröffentlicht lässt klingt das für mich nicht nach professioneller Arbeit der Behörden. Bin mal gespannt ob die jetzt einfach irgendjemanden mit kaputze und Waffe im McDonalds gefunden haben. In Amerika ist es ja wahrscheinlich nicht mal unüblich so rum zu rennen.

  9. Rückblickend wundert es mich, dass das nicht schon öfter passiert ist in einem Land, das im Supermarkt Waffen verkauft und in vielerlei Hinsicht beim Elend seiner Bürger wegschaut. 

  10. Alberne Überschrift.

    Brian Thompson war der massenmörder. Der hat keine Fans. Ganz im Gegensatz zu dem Mann der an ihm Selbstjustiz verübt hat.

  11. Gesnitched hat eine McDonald’s Mitarbeitende, die vermutlich kaum von ihrem Gehalt leben kann.
    Hoffe es lohnt sich echt,
    Aber ich bezweifle es (ja es ist nicht richtig bla bla).
    Trotzdem ganz schön dumm für Leute einzustehen, für die man wertlos ist.

  12. Krebskranken die Therapie ablehnen wegen gewinnsteigerung? Ich lass das mal hier so stehen

  13. Komisch wär hätte bloß gedacht dass die Armen und verarschten sich jemals bewaffnen und gegen die herrschende, ausufernde kleptokratie und ihre in Geld schwimmenden Familien vorgehen würden, während die Armen immer ärmer werden?

    Und wäre hätte dazu noch gedacht, dass ein Gesundheitssystem bei dem es nur um Profite für die Manager geht, deren einzige Kompetenz ist soviel wie möglich an Leistungen einzusparen und die Beiträge zu erhöhen, irgendwann nicht mehr akzeptiert werden?

    Komisch komisch komisch…

  14. Ich stelle mal drei Theorien in den Raum:

    1. Er wird nicht verurteilt, da es nicht möglich ist eine Jury zu bestellen, die nicht voreingenommen ist. Jede Person in den USA hat oder kennt eine Person die unter dem Gesundheitssystem und den Versicherungen gelitten hat.

    2. Er wird freigesprochen, weil die Jury ihn nicht verurteilen will.

    3. Er wird verurteilt und wird der am besten bewachte Gefangene im Gefängnis (bewacht von Mitgefangenen). Weil er dort als Held gefeiert wird.

  15. Bislang hat die Wut nicht ausgereicht, um alle demokratischen Mittel auszunutzen, die eine Veränderung herbeiführen könnten. Was mir sagt, dass die in summe doch ganz zufrieden damit sind, wie es für sie läuft, und es nicht wirklich ändern wollen. Die wollen es so haben, ob nun durch aktive Zustimmung oder passives “es nicht genug nicht zu wollen”. Den eigenen Hintern alle vier Jahre zur Wahlurne schleppen, und die social Media-Kanäle tagein tagaus mit flauen Memes zu füllen reicht halt meistens nicht aus, um die gewünschten politischen Veränderungen zu bewirken – vor allem wenn die Gegenseite politisch so viel aktiver ist.

    Bei den liberalen demokratischen Wählern habe immer das Gefühl, dass sie darauf warten, dass endlich jemand kommt um das politische System in den USA umzukrempeln und das offensichtlich Vernünftige zu tun. Und so feiern sie nun den CEO-Mörder als den Auftakt einer Revolution, für die sie selber sorgen könnten. Aber dafür müsste man ja im Feierabend Netflix und die Xbox ausgeschaltet lassen, und sich die Zeit nehmen, sich zu vernetzen. Dann doch lieber darauf warten und hoffen, dass von irgendwoher die Revolution kommt, die man seit Jahren in Social-Media-Kommentaren und -Memes herbei fantasiert hat, für die man aber selber nie etwas investieren wollte.

    P.S.: Ich möchte damit selbstverständlich nicht ausdrücken, dass liberale US-Wähler nun eine Menschenjagd auf CEOs und Milliardäre starten, sondern durch demokratische Mittel sichtbar werden sollten. Sich vernetzen, präsent sein, für etwas werben bis vielleicht/hoffentlich eine Gegenbewegung zum Trumpismus entsteht.

  16. Man sieht ja an den letzten Wahlen, dass sie genau das wollen. Tja …

  17. Der Mord an Thompson ist ein Symptom des Klassenkampfes, den die reichen Eliten mit allen Mitteln verhindern wollen, denn er würde sich in erster Linie gegen sie richten. Indem man den Leuten täglich einen Kulturkampf vorspielt, hat man es bisher gut geschafft, dass sie sich stattdessen gegeneinander zerfleischen. Die Einigkeit in der amerikanischen Bevölkerung zeigt, dass noch nicht alles verloren ist und es ist nicht viel für einen echten Klassenkampf braucht. Die meisten Leute wissen, dass mit unserem System etwas gehörig falsch läuft und auch in etwa, wer daran Schuld ist, wenn Medienblabla und erfundene Feindbilder nicht gerade ihre Gehirne vernebeln.

  18. Wenn die nun schon dermaßen wütend sind, was soll das dann werden, wenn Trump den The Affordable Care Act (umgangssprachlich: ObamaCare) abschafft?

  19. Also irgendwie fühlt es sich merkwürdig an, wie der Typ vorher seine Spuren verwischt nur am Ende in ‘nem zufällige McDonalds mit der “Tatwaffe” erwischt zu werden.

  20. >Denn die Reaktionen, im Netz und im realen Leben, offenbaren die ohnmächtige Wut vieler Amerikaner über das marode Gesundheitswesen, das die Betroffenen auch 15 Jahre nach Einführung der »Obamacare«-Gesundheitsreform brutal im Stich lässt.

    Das wird die nächsten 4 Jahre nicht besser, ganz im Gegenteil Trump bzw. die Republikaner haben schon lange angekündigt das sie staatliche Leistungen gegen Null fahren wollen. Wer da ohne private Krankenversicherung schwer krank wird kann sich gleich einen Sarg bestellen…

  21. Wie kann er’s gewesen sein wenn er an dem Tag mit mir den ganzen Tag im Gym war und dann zusammen mit mir Pokémon Showdown gegrindet hat?

  22. Der Elite macht am meisten Angst, dass es für diese Aktion Beifall von allen Seiten des politischen Spektrums gab. Kann mir gut vorstellen, dass in den nächsten Tagen ganz viel über den Verdächtigen veröffentlicht wird, was ihn als verrückten, rechts- oder linksradikalen Psychopathen darstellt.

  23. Wut aufs marode Gesundheitssystem und dann den orangen Clown wählen. Da fällt mir dann auch nichts mehr ein.

  24. Falls der Gefasste tatsächlich der Täter ist hoffe ich auf Freispruch.

    Disclaimer: Nein das bedeutet nicht dass ich die Tat selbst gutheiße. Aber die ist nunmal bereits geschehen. Mein Kommentar nimmt nur auf den möglicherweise nun anstehenden Verlauf des juristischen Prozesses Bezug.

    Darüber welche Methoden des Klassenkampfes legitim sind und welche nicht möchte ich hiermit keine Aussage machen. Weder in die eine, noch die andere Richtung.

  25. Thompson wurde ermordet und der Täter gehört ins Gefängnis. Eine moderne Gesellschaft kann solche Selbstjustiz nicht tolerieren. Gleichzeitig dürfte eine solche Gesellschaft aber auch die widerwärtige Bereicherung Thompsons und ähnlicher Gestalten am Leid anderer nicht tolerieren dürfen. Wer andere Menschen sterben lässt um selbst reich zu werden, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich irgendwann jemand an ihm rächt.

  26. So schlimm kann der Frust ja nicht sein wenn man sich die Ergebnisse der letzten Präsidentschaftswahlen anschaut.

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