Die allgemeine Weltlage gehört normalerweise nicht zu den größten Sorgen, die die Bürger umtreiben. Arbeitslosigkeit, Inflation, innere Sicherheit sind den meisten näher als politische Spannungen, Krieg und Vertreibung in fernen Ländern.
Aber die Vielzahl von aktuellen internationalen Konflikten wie in der Ukraine, Palästina und Syrien; die Regierungskrisen in den Nachbarländern Frankreich und Deutschland sowie die Unsicherheit, die mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten verbunden ist, hat das offenbar geändert. In der Politmonitor-Umfrage, den das „Luxemburger Wort“ gemeinsam mit RTL bei dem Marktforschungsinstitut Ilres in Auftrag gegeben hat, landete die „aktuelle Weltlage, die immer gefährlicher wird“ auf der Liste der größten Sorgen, die die Luxemburger beschäftigen, auf dem zweiten Platz – direkt hinter „Zugang zu bezahlbaren Wohnungen“. Ganze 65 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich große Sorgen darüber machten.
Insgesamt ist auffällig, dass handfeste materielle Sorgen wie die Inflation oder die Energiekosten, die in den letzten Jahren an Wichtigkeit gewonnen hatten, im Vergleich zur letzten Befragung wieder leicht abgenommen haben. So machten sich 48 Prozent der Befragten große Sorgen um die allgemeine Teuerung (von 50 Prozent im März dieses Jahres) und 46 Prozent um die Entwicklung der Energiepreise (47).
Wohnungsnot weiter die Hauptsorge
Zugang zu bezahlbaren Wohnung war zwar mit 66 Prozent immer noch die Hauptsorge der Luxemburger, weist aber einen Rückgang von sieben Prozentpunkten auf und landete damit nur knapp vor der „Weltlage“, die erstmals abgefragt wurde. Stark stieg auch die Angst vor einem möglichen Anstieg des Rechtsextremismus (von 46 auf 50 Prozent) und den Folgen des Klimawandels (auf 50 von 45 Prozent im März).
Typische innenpolitische Themen wie die öffentliche Sicherheit und die erstmals abgefragten Folgen der Zuwanderung nach Luxemburg rangierten eher unten in der Liste der größten Sorgen der Luxemburger. Diese vertrauen ebenso überwiegend darauf, dass die Wirtschaft weiter gut läuft. Die wirtschaftliche Situation besorgt nur 29 Prozent der Bürger, die Arbeitsplatzsicherheit 31 Prozent.
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Dabei zeigten sich vor allem ältere Menschen besorgt über die Weltlage. Bei den Über-65-Jährigen waren es über 76 Prozent. Zieht man die politische Neigung hinzu, waren es vor allem die Wähler der Grünen (84 Prozent), denen das aktuelle politische Weltklima nahegeht. Die Befragten, die der ADR nahestehen, gaben sich in dieser Hinsicht am entspanntesten. Lediglich 44 Prozent von ihnen treibt der aktuelle Zustand der Welt um. (Die Stichprobe unter den ADR-Wählern war allerdings etwas kleiner als bei den anderen Parteien.)
Manon Breden vom Marktforschungsinstitut Ilres über die wichtigsten Sorgen der Luxemburger Bürger. Video: Sibila Lind
Trump-Wahl beschäftigt die Luxemburger
Befeuert wurden die Sorgen der Luxemburger um die internationale Politik durch die Wahl Donald Trumps. 77 Prozent der Befragten gaben an, „nicht einverstanden“ zu sein mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen; unter den Anhängern der Grünen waren es gar 100 Prozent. Ausreißer waren auch hier die ADR-Wähler, von denen sich 61 Prozent zufrieden mit dem Sieg des Republikaners zeigten. Die Bedeutung der US-Wahl spiegelt sich auch in einem anderen Ergebnis der Umfrage wider. So gaben 62 Prozent der Menschen an, dass sie nicht glauben, dass Europa auch ohne die Hilfe der USA für seine eigene militärische Sicherheit sorgen kann.
Im Politmonitor wurden befragte das Marktforschungsinstitut die Teilnehmer auch zu aktuellen Themen wie der Caritas-Skandal, die US-Wahlen und die anstehende Rentenreform. Video: Sibila Lind
Weiterhin hoch ist auch die Sorge um das Klima. Ganze 72 Prozent der befragten Luxemburger waren der Meinung, dass stärkere politische Maßnahmen notwendig sind, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Die Pole waren auch hier die Anhänger der Grünen und der ADR. Während erstere zu hundert Prozent der Aussage zustimmten, lehnten sie 60 Prozent der letzteren ab. Die Wähler erwarten nicht nur eine strengere Klimapolitik von der Regierung, sondern gaben auch zu fast 80 Prozent an, dass sie bereit wären, ihren Lebensstil zu ändern, um dem Klimawandel zu begegnen.
Notwendigkeit der Rentenreform
In Bezug auf die meisten globalen Probleme gaben sich die Wähler der ADR am entspanntesten. Anders sieht das beim Rentensystem aus. Hier machten sich 49 Prozent der Anhänger der Rechtspartei große Sorgen. Das ist etwas mehr als bei den Wählern der anderen Parteien, der Durchschnitt liegt hier bei 44 Prozent. Gleichzeitig sind 70 Prozent der befragten Luxemburger der Meinung, dass eine Pensionsreform im Land notwendig sei.
Richtig gut informiert über das Rentensystem fühlen sich allerdings die wenigsten; die Hälfte der Befragten sagte, dass sie sich „nicht“ oder „eher nicht“ sicher auf dem Terrain fühlen. Mehr als zwei von drei Befragten gaben aber an, dass eine Pensionsreform nicht nur die Arbeitnehmer des Privatsektors betreffen solle, sondern auch die Beschäftigten beim Staat.
Das letzte halbe Jahr war geprägt vom Caritas-Skandal, bei dem das Hilfswerk um 61 Millionen Euro betrogen worden war. Im Politmonitor wurde daher auch abgefragt, wie sich die Affäre auf die Spendenbereitschaft der Bevölkerung auswirkt. Trotz des Betrugs und einer weiteren Veruntreuung bei der Entwicklungshilfe des OGBL haben viele den Glauben in die Arbeit karitativer Organisationen nicht verloren.
Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sie den Vertretern des Sektors weiter vertrauen. Auch die Spendenbereitschaft bleibt vergleichsweise hoch. Mehr als jeder zweite gab an, noch in diesem Jahr eine Spende machen zu wollen.
Zur Methode
Der Politmonitor ist eine gemeinsame Umfrage im Auftrag von Luxemburger Wort und RTL Lëtzebuerg. Das Marktforschungsinstitut Ilres befragte zwischen dem 18. und 26. November 1.063 Luxemburgerinnen und Luxemburger ab 18 Jahren. Die repräsentative Umfrage wurde online sowie über Festnetz- und Mobiltelefon durchgeführt.