
Fragwürdige Kurse für Arbeitslose: »In Deutschland werden Milliarden Steuergelder verprasst«. Der Staat investiert enorme Summen in die Weiterbildung von arbeitssuchenden Menschen. Brancheninsider Daniel Graf sagt: Viele Kurse sind wertlos, weil die Anbieter betrügen.
by bedbooster
24 comments
[Hier paywallfreie Archivversion des Artikels.](https://archive.ph/20241219125415/https://www.spiegel.de/karriere/fragwuerdige-kurse-fuer-arbeitslose-in-deutschland-werden-milliarden-steuergelder-verprasst-a-858e3b35-94e8-4cb1-8da8-f2fd40dc2a83)
Nein!
>**SPIEGEL:** Auch die Mitarbeitenden in den Jobcentern stehen in der Verantwortung: Sie bewilligen die Bildungsgutscheine. Tragen sie eine Mitschuld?
>**Graf:** Die Jobcenter sollen Menschen einen Weg aufzeigen, wie sie wieder am Arbeitsmarkt teilnehmen können. Ich halte sie in dieser Aufgabe für völlig inkompetent. Den meisten dort Beschäftigten fehlt sowohl die fachliche als auch die pädagogische und empathische Kompetenz.
>Hierbei hilft etwa der Blick nach Frankreich. Dort wird das Thema Weiterbildung dem Markt überlassen, indem man die Unternehmen stärker einbindet. Man sagt: ›Unternehmen, wenn ihr qualifizierte Fachkräfte wollt, dann sucht euch geeignete Menschen aus und organisiert die Weiterbildung selbst.‹ Der Staat steuert finanzielle Unterstützung bei. Das ergibt Sinn, denn Unternehmen haben ein Interesse an gut ausgebildeten Leuten. Bei der Bundesagentur für Arbeit und den privaten Kursanbietern hingegen fehlt dieser Anreiz – ihnen ist oft völlig egal, was mit den Menschen passiert.
Aber was hält denn Unternehmen im Moment ab, solche Kurse anzubieten? Das sollte doch jetzt schon möglich sein, wenn die Zertifizierung so einfach ist. Oder tun sie das schon, aber ihre “guten” Kurse gehen in der Masse von BS-Kursen unter?
BFW Hamburg grüßt
Vom Tellerwäscher zum DevOps und Security Experten, wer kennt es nicht.
4 Wochen, Porsche Cayenne, komm in die Gruppe, hauptsache du hast Bildungsschein.
Die meisten die da arbeiten sind selbst ehemalige arbeitslose Arbeitssuchende. Das ganze Konzept geht vorne und hinten nicht auf- und ich verstehe nicht warum es da Arbeitsvermittler gibt- wenn sie nicht wirklich was machen dort und nicht wirklich Ahnung vom Arbeitsmarkt haben
Da erwähn ich dich gerne wieder, dass vom Jobcenter einem Bachelor of Science der Informatik ein Excelkurs vorgeschrieben wurde.
Jobcenter Maßnahmen wo Menschen Bewerbungstraining machen, lernen wie sie im Internet nach Stellen suchen und in irgendwelchen Werkstätten an irgendwas rumbasteln, bringt also nichts und macht nur die Betreiber reich? Ich glaub da ist jemand was ganz großem auf der Spur.
Gleiches Prinzip wie bei Unterkünften für Asylanten.
Horrende Preise für kaum vorhandene Leistung… Der Staat zahlt ohne Kontrolle und skrupellose Unternehmer machen sich die taschen voll.
Anderes Beispiel wären Corona Testzentren.
Ist der Artikelinhalt nicht schon älter? Ich meine, ich habe das gleiche vor ein paar Monaten schon mal gelesen.
ACH NEEEEEEEEEEE, DAS WUSSTE MAN DOCH SCHON VOR 20 JAHREN!
Nein!
Mit diesen Bildungsgutscheinen wird so viel Geld gescheffelt… Was man da an Instagram Werbung angezeigt bekommt geht auf keine Kuhhaut…
Werde CyberSecurity Experte KOSTENLOS… Gratis Macbook bla bla bla … Wahrscheinlich kostet so ein Müll Zertikat zehntausende an Steuergeld.
Îch kann einen Fall beisteuern bei den eine ehemealige Verkäuferin bei Netto einen Kurs in Webdesign absolvieren durfte. Anschließend hat sie einen neuen Job als Verkäuferin beim Fleischer gefunden.
Ich hatte vor Jahren einen Mitbewohner, der altersbedingt schon schwerer vermittelbar war und deshalb in die Betreuung eines externen Vermittlungsspezialisten gegeben wurde. Der bot ihm beim ersten Treffen an, dass er nur einmal im Monat zum Unterschreiben vorbeikommen müsse. Fand der Mitbewohner natürlich gut.
Inzwischen bin ich im HR-Bereich tätig und sehe, was für Vermittlungsvorschläge das Jobcenter macht. Jemand ohne jegliche Erfahrung in einer Branche für eine Stelle, wo eine 3-jährige Ausbildung unabdingbar ist. Jemand mit Gehbehinderung für eine Stelle, wo man den ganzen Tag auf den Beinen ist.
Aus der Praxis kann ich berichten: es fehlt einfach an Personal, alle Weiterbildungen zu überprüfen. Wenn die Anbieter der Weiterbildungen dem regionalen Einkaufszentrum, was für die Zertifizierung von Maßnahmen verantwortlich ist, die notwendigen Unterlagen vorlegen, und dort keine groben Fehler drin sind, wird eine Maßnahme zertifiziert. Und wenn einer meiner Kunden schon die Motivation aufbringt, und mir eine Weiterbildung vorlegt, die nicht ganz sinnlos erscheint (Heilpraktiker, Nageldesigner), ist es sehr schwer, so etwas rechtssicher abzulehnen. Die Menschen haben ein Recht, Gutscheine für Weiterbildungen, Zertifizierungen, oder Coaching zu bekommen. Die eingekauften Maßnahmen werden oft sehr feingliedrig durch das Jobcenter kontrolliert. Die externen Maßnahmen entziehen sich aber größtenteils der Kontrolle. Allein in Berlin und Brandenburg gibt es rund 2500 Maßnahmeträger, die Weiterbildungen oder Coachings anbieten.
Jeder, absolut jeder mit dem ich je darüber geredet habe, hat das auch schon vor 20 Jahren gewusst.
Die Kurse sind nicht wertlos, ganz im Gegenteil: Wer eine Fortbildungsmaßnahme macht, ist in dieser Zeit laut Statistik kein Arbeitsloser. Und dann sieht die Statistik so aus, als würde das Jobcenter seinen Job erledigen. Also ist alles gut.
Da muß man aber nichts machen. Haben wir schon über die Arbeitsverweigerer und Empfänger leistungsloser Einkommen gesprochen?
Ach was, no shit Sherlock.
Als ich mich in einem dieser Kurse wiederfand, war ich fassungslos hoch 12. Dann wurde ich wegen Ungehorsam rausgeschmissen und als ich meinem Berater alles erzählte, war er auch geschockt, gerade wegen ein paar Datenschutzpannen, aber er musste mich sanktionieren, da kam er nicht drumherum.
Der Kursleiter hat morgens die Zeitung vorgelesen und dann seine Ideologie dazu zum besten gegeben.
Sein Englisch war unterirdisch und seine politische Gesinnung hart CDU geprägt, ich weiß nicht, ob es ihm erlaubt war dort politische Bildung vorzunehmen, aber alles in allem war das komplette Zeitverschwendung und nur was für Leute mit nem Nagel im Kopf.
Als ich dann erfuhr, was das alles kostet bin ich richtig sauer geworden, für die Kohle hätte ich bestimmt nützliche Kurse machen können, die mir vielleicht sogar geholfen hätten.
Dass das jetzt erst auffällt, überrascht mich schon.
Das ist ja komisch, wie kann das denn sein?
Das ist ja komisch.
Musste damals einen PC Grundkurs machen weil ich nach meiner Ausbildung als Informationselektroniker nicht sofort was gefunden hatte. Ich saß mit Gisela und Herbert im Unterrichtsraum und Günther hat erklärt wie man einen PC fachgerecht hochfährt.
Ich habe mich mal arbeitssuchend gemeldet gehabt (Betriebsbedingte Kündigung und noch nicht ganz sicher, ob ich rechtzeitig was neues finde – hat aber am Ende geklappt) und im Zuge dessen Mich erkundigt, ob ich über das Amt eine bestimmte Zertifizierung machen kann. Man kann. Aber…
Mit Ahnung, Erfahrung und ggf ein wenig lernen kann man dazu online eine Prüfung machen, kostet 300 Euro. Hab ich am Ende gemacht und gut ist.
Wenn man sich besser vorbereiten will, kann man ebenso online oder vor Ort einen 2-3 tägigen Kurs buchen, inkl. Prüfung ist man dann bei 2000 Euro.
Arbeitsamt bietet hingegen an: Bildungsgutschein für eine 3 Monate 5×8 Präsenzschulung. Also irgendwie 75 Tage vollzeit. Soll so um die 8000 pro Nase kosten. Was zur holelernt man da?
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