Update folgtAnschlag in Magdeburg –
Autofahrer steuert in Menschenmenge auf Weihnachtsmarkt – mindestens zwei Tote und 60 Verletzte
Die Behörden gehen von einem Anschlag aus. Der festgenommene Verdächtige ist den Behörden nicht als Islamist bekannt gewesen.

Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehr sind auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg im Einsatz.
Foto: Dörthe Hein (DPA, Keystone)
Es sind dramatische Szenen kurz vor Weihnachten: Bei einem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen, ein Erwachsener und ein Kleinkind.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sprach ausserdem von sehr vielen Verletzten, mindestens 60. Da einige schwer verletzt wurden, könnten weitere Tote nicht ausgeschlossen werden. «Das ist eine Katastrophe für die Stadt Magdeburg und für das Land und auch generell für Deutschland», sagte Haseloff. Die Polizei sprach von 15 Schwerstverletzten.
Nach jetzigen Stand ein Einzeltäter
Bei dem festgenommenen Verdächtigen handele es sich um einen Arzt, der in Bernburg, südlich von Magdeburg, lebe und arbeite. Er sei nach bisherigen Erkenntnissen ein Einzeltäter und war den Behörden nicht als Islamist bekannt, sagte der Ministerpräsident. «Nach jetzigem Stand ist es ein Einzeltäter, sodass auch für die Stadt nach jetzigem Ermessen keine weitere Gefahr ausgeht, weil wir ihn festnehmen konnten und jetzt alle Untersuchungen laufen.»
Landesinnenministerin Tamara Zieschang sagte, der Mann stamme aus Saudiarabien, er sei 2006 erstmals nach Deutschland gekommen und habe einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Der Täter raste laut Haseloff mit einem Leihwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt.
Sprengsatz im Täterfahrzeug vermutet
Das Auto, mit dem der Täter «mindestens 400 Meter über den Weihnachtsmarkt» in die Menschenmenge gerast war, sei noch vor Ort. Die Polizei Magdeburg hat vor Ort alles abgesperrt, weil in dem Täterfahrzeug laut Polizei-Angaben ein Sprengsatz vermutet wird.
Zahlreiche Sanitäter sind im Einsatz. Sie versorgen die Verletzten, die vor den Marktbuden auf dem Boden liegen, wie eine DPA-Reporterin berichtete. Zur Versorgung der Verletzten wurden Zelte aufgebaut. Überall ist Blaulicht zu sehen.

Ein Polizist untersucht den Tatort auf dem Weihnachtsmarkt.
Foto: Heiko Rebsch (DPA, Keystone)
Die ersten Verletzten wurden im Universitätsklinikum Magdeburg behandelt. Die ersten zehn bis 20 Patienten würden aktuell versorgt, sagte ein Sprecher der DPA. Man stelle sich jedoch auf deutlich mehr Verletzte ein. «Wir rüsten gerade auf», sagte der Sprecher der Uniklinik. «Intensivbetten stehen bereit.»
Zahlreiche Videos kursieren im Netz
«Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt ist geschlossen», teilte die Polizei mit. Der Weihnachtsmarkt befindet sich auf dem Alten Markt, direkt am Rathaus in der Nähe der Elbe. In der Nähe liegt ein grosses Einkaufszentrum. Auf X waren am Abend Videos zu sehen, in denen zahlreiche Einsatzfahrzeuge zu sehen waren.

Sanitäter kümmern sich um ein Opfer.
Foto: Heiko Rebsch (DPA, Keystone)
Auch ein Video des Anschlags kursiert in den Netzwerken. Es ist ein dunkles Fahrzeug – ein BMW – zu sehen, das mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge fährt, für dessen Echtheit es noch keine Bestätigung gibt. Diese Redaktion verzichtet auf die Verbreitung des Clips.
Bundespräsidentin Viola Amherd hat sich erschüttert über die Tat in Magdeburg gezeigt. «Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen», schrieb Amherd auf dem Kurznachrichtendienst X. Die Schweiz stehe in diesen schweren Stunden an der Seite Deutschlands. Auch Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, teilte seine Gedanken zum Anschlag.
«Der barbarische Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist eine tiefe Wunde für die europäische Familie und eine schockierende Erinnerung daran, dass unsere Demokratien niemals nachlassen dürfen. Meine Gedanken sind bei den Opfern und dem deutschen Volk», schrieb Berset auf X.
Der französische Präsident Emmanuel Macron schrieb auf seinem Kanal, Frankreich teile den Schmerz mit dem deutschen Volk, dem es seine tiefe Solidarität ausspreche.
Die Vereinten Nationen haben sich bestürzt gezeigt. «Wir sind geschockt von den Berichten über die Attacke heute in Magdeburg, Deutschland», sagte Stéphane Dujarric, Sprecher des UN-Generalsekretärs. «Wir sprechen den Familien der Opfer sowie der Regierung und den Menschen in der Bundesrepublik unser Beileid aus.» Den Verletzten wünsche man eine baldige Genesung.
Der designierte US-Vizepräsident J.D. Vance zeigte sich bei X ebenfalls betroffen: «Was für eine entsetzliche Attacke so kurz vor Weihnachten.» (SDA)
Scholz: Ereignisse «lassen Schlimmes erahnen»
Kanzler Olaf Scholz hat sich betroffen von dem mutmasslichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg gezeigt. «Die Meldungen aus Magdeburg lassen Schlimmes erahnen», schrieb Scholz am Freitagabend auf X. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen, sein Dank gelte «den engagierten Rettungskräften in diesen bangen Stunden». Scholz will nach Magdeburg reisen.
Aussenministerin Annalena Baerbock hat bestürzt reagiert. «Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Mein Dank den Rettungskräften und Helfern», schrieb die Grünen-Politikerin auf X. Sie sei erschüttert von den Bildern in Magdeburg

Auf dem Boden des Weihnachtsmarkts in Magdeburg liegt Verbandsmaterial.
Foto: Dörthe Hein (DPA, Keystone)
Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser hatte zuletzt wiederholt zu Wachsamkeit bei Weihnachtsmarktbesuchen aufgerufen. Konkrete Gefährdungshinweise gebe es zwar aktuell nicht, sagte die SPD-Politikerin Ende November. «Aber wir haben angesichts der abstrakt hohen Bedrohungslage weiter Grund zu grosser Wachsamkeit und konsequentem Handeln für unsere Sicherheit.»
Erinnerungen an Berlin 2016
Fast auf den Tag genau vor acht Jahren, am 19. Dezember 2016, war in Berlin ein islamistischer Terrorist mit einem entführten Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt gerast. Dabei wurden zwölf Menschen getötet, das 13. Opfer starb 2021 an den Folgen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Der Attentäter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.
Auch in anderen Städten mit Weihnachtsmärkten ist die Polizei nun besonders achtsam. In Stuttgart sagte ein Polizeisprecher, die Polizeikräfte seien vor Ort sensibilisiert worden. In Berlin sagte ein Sprecher, man habe die Beamten aufgerufen, ein erhöhtes Augenmerk auf Weihnachtsmärkte zu richten.
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DPA/nag/fal
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